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10.11.2006 
Rowohlt-Verlag

Rotation und Romane

von Jörg Hackhausen

Im November 1945 erhält der Rowohlt-Verlag eine neue Lizenz. Der findige Verlag bringt Weltliteratur nach Deutschland, die sich jeder leisten kann.

HAMBURG. „Sehen Sie mal, wie stabil die sind“, ruft der Verleger und hopst auf dem Buch herum. „Die können draußen im Garten liegen bleiben, da kann es draufregnen, und die können Sie dann morgen weiterlesen.“ Heinrich Maria Ledig-Rowohlt führt das erste Muster eines Taschenbuchs vor.

Doch sein Gegenüber, ein Stuttgarter Bankier, hält nichts von der absonderlichen Idee. Bücher im Hosentaschen-Format, geleimt und ohne festen Einband? Stattdessen gibt er mehrere Millionen Mark „einem schwäbischen Kerl, der in Vasen Radios einbaute und sich davon goldene Berge versprach“, erinnert sich Ledig-Rowohlt später. „Die Firma ging dann Pleite, und der Banker erschoss sich.“

Ledig-Rowohlt findet einen anderen Geldgeber und bringt als erster Verleger das Taschenbuch auf den deutschen Markt. Heute zählt Rowohlt zu den bedeutendsten literarischen Verlagen Deutschlands.

Mit einer amerikanischen Lizenz beginnt am 9. November 1945 das zweite Leben von Rowohlt. Zugleich markiert das Datum den Aufbruch der gesamten westdeutschen Buchindustrie aus der geistigen Armut der Nazi-Zeit. Und der Tag steht auch für unternehmerischen Erfolg. Vergangenes Jahr erwirtschaftete die Buchbranche hier zu Lande einen Umsatz von mehr als neun Milliarden Euro.

Rowohlt – das ist zuerst eine Geschichte von Vater und Sohn. Der Alte, Ernst Rowohlt, gründet den Verlag 1908 und gehört schon in den 20er Jahren zu den schillerndsten Figuren der Literaturszene. Heinrich Maria ist sein Sohn – was der Vater lange verschweigt, denn Heinrich ist das uneheliche Kind aus einer Liaison mit der Schauspielerin Maria Ledig.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Alte stellt den Sohn zwar im Verlag an, bleibt aber beim „Sie“.

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