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27.11.2006 
Schwarze Kassen

Was wusste der Siemens-Vorstand?

von Christoph Hardt

Die Affäre um schwarze Kassen bei Siemens ist im obersten Führungsgremium angelangt. Gegenüber einem ehemaligen Mitglied des Zentralvorstands sind schwere Vorwürfe laut geworden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kommen damit auch Siemens-Chef Klaus Kleinfeld bedrohlich nahe.

Ex-Vorstand Ganswindt gerät in Erklärungsnot. Foto: SiemensLupe

Ex-Vorstand Ganswindt gerät in Erklärungsnot. Foto: Siemens

MÜNCHEN. Laut Medienberichten vom Wochenende hat einer der wegen Untreuverdachts inhaftierten Beschuldigten bereits am Donnerstag gestanden, dass er den damals zuständigen Bereichsvorstand Thomas Ganswindt über millionenschwere Provisionszahlungen im Ausland informiert habe.

Ganswindt gehörte dem Vorstand von Siemens seit 2002 an und rückte im Oktober 2004 ins engste Führungsgremium auf. Vor wenigen Monaten hat Ganswindt Siemens verlassen, er führt seither das Luxemburger Unternehmen Elster Group, die ehemalige Ruhrgas Industries. Über einen Sprecher ließ er am Wochenende der „Süddeutschen Zeitung“ mitteilen, er verfolge die laufenden Ermittlungen bei Siemens sehr aufmerksam und werde mit den Behörden kooperieren, sollte dies erforderlich sein.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kommen damit auch Siemens-Chef Klaus Kleinfeld bedrohlich nahe. Er soll nach Unternehmensangaben erst im Januar 2006 über einige der jetzt untersuchten Vorfälle informiert worden sein. Bei der Großrazzia vor wenigen Tagen hatte die Staatsanwaltschaft auch Kleinfelds Büro durchsuchen lassen.

Siemens betonte am Sonntag erneut, dass Kleinfeld in der Sache nur als Zeuge gelte. Gleichzeitig dementierte ein Unternehmenssprecher Medienberichte, wonach Kleinfeld bereits in wenigen Tagen von der Staatsanwaltschaft vernommen werden solle. Das Unternehmen habe dafür keinerlei Hinweise.

Die Münchener Justiz hat sechs Siemens-Angestellte wegen des Verdachts der Untreue verhaftet und ihnen Bandenbildung vorgeworfen. Zu den Inhaftierten zählt auch ein ehemaliger Bereichsvorstand, gegen einen zweiten wird ermittelt. Die Behörden prüfen, ob im Telekommunikationsbereich Com schwarze Kassen mit bis zu 200 Mill. Euro für Schmiergeldzahlungen eingerichtet worden sind.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Siemens redet schwarze Kassen klein.

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