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HANDELSBLATT, Freitag, 15. Februar 2008, 16:19 Uhr
Steuersünders Ausweg

Selbstanzeige bei Steuerbetrug: Was es zu beachten gilt

Von Sven Prange

Steuerbetrügern drohen hohe Strafen. Vor allem wenn es um Millionensummen geht, wie jetzt bei den Vorwürfen gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel. Dabei gibt es einen Weg, den Gang vor den Richter und anschließend möglicherweise hinter Gitter zu vermeiden – vorausgesetzt man ist schnell. Steuerexperte Lothar Pues von der gleichnamigen Kanzlei erklärt die wichtigsten Punkte.


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Steuererklärung: Wer falsche Angaben macht, kann nur durch eine Selbstanzeige einem Strafverfahren entgehen. Foto: dpa
Bild vergrößernSteuererklärung: Wer falsche Angaben macht, kann nur durch eine Selbstanzeige einem Strafverfahren entgehen. Foto: dpa

Wie entkomme ich den Steuerfahndern?

Am besten durch schnelle Reaktion. Das Instrument für den Schutz vor Strafverfolgung bei Steuerhinterziehung ist die Selbstanzeige. Wer sich selbst – schriftlich oder mündlich – bei den Steuerbehörden anschwärzt, entkommt einem Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung. Lediglich die Steuerschuld – allerdings plus Zinsen – muss nachgezahlt werden. Aber Vorsicht: Geht die Steuerhinterziehung einher mit anderen Delikten, etwa Korruption, wird wegen dieser Delikte weiter ermittelt.

Wer kann von der Selbstanzeige Gebrauch machen?

Jeder, der bei seiner Steuererklärung sein zu versteuerndes Einkommen zu niedrig angegeben hat, gegen den noch kein Ermittlungen laufen und der bereit ist, die entsprechenden Unterlagen vollständig an die Behörden zu übergeben. Die Höhe der verschwiegenen Steuerschuld spielt keine Rolle.

Welche Bedingungen gelten für die Straffreiheit?

Der Ausweg mit der Selbstanzeige gilt nur, wenn zwei Bedingungen eingehalten werden. Die Anzeige muss bei den Behörden eingehen, bevor irgendein Amtsträger mit Ermittlungen in dem Fall begonnen hat. Und der Steuerschuldner muss solvent sein. Denn die ausstehende Steuerschuld muss nach Abgabe der Selbstanzeige innerhalb einer von Fall zu Fall unterschiedlich gesetzten Frist gezahlt werden. Wer so liquide nicht ist, könnte Pech haben. Für ihn wirkt die Selbstanzeige nicht automatisch strafbefreiend.

Wie sieht die Selbstanzeige konkret aus?

Das ist Hochleistungssport für Experten. Daher sollte man die Selbstanzeige nur mit Hilfe eines Steuerberaters stellen. Auf jeden Fall muss der Anzeige eine Schätzung über die eigene Steuerschuld beigefügt werden. Und die muss im Zweifel eher zu hoch als zu niedrig sein. Erweist sich die Selbstschätzung nach der Prüfung durch die Behörden als zu niedrig, wird das als Betrugsversuch gewertet und das Strafverfahren beginnt dann doch. Wer dagegen seine Steuerschuld zu hoch angibt, muss zwar zunächst mehr ans Finanzamt zahlen, umschifft aber das Risiko eines neuerlichen Verfahrens und kann sich den zuviel gezahlten Betrag nach Ende des Verfahrens zurückholen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum Steuerbetrug sich nicht mehr lohnt


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ZINSESZINS

Aller Anfang ist schwer. Doch kaum etwas fällt den Bundesbürgern schwerer, als mit dem Vermögensaufbau anzufangen. Zwar ist laut einer Allensbach-Umfrage jeder Zweite überzeugt, dass seine Rente später nicht reicht. Doch nur 32 Prozent der Befragten sagten, sie wollten stärker vorsorgen.

Ja, man müsste –aber es kommt doch wieder etwas dazwischen. Urlaub, Anschaffungen, Wohnungseinrichtung. Das Thema haben auch Wissenschaftler entdeckt. Behavioral-Finance-Experten wie der Aachener Finanzexperte Rüdiger von Nitzsch untersuchen, was Menschen von der konsequenten Altersvorsorge abhält.

Zunächst ist es schlicht die Disziplin. Menschen handeln lieber emotional als rational. Sie folgen Werbebotschaften, wollen Spaß haben, mit dem neuen Glitzer-T-Shirt Eindruck machen. „Das Gehirn entscheidet nicht zuerst auf der Basis der „Ratio“, sondern gibt anderen wichtigen Bedürfnissen und Emotionen den Vorrang“, sagt von Nitzsch. Anlageexperten raten deshalb, gleich zu Monatsanfang einen festen Betrag auf das Sparkonto zu überweisen. Denn wenn der Sparer abwartet, was am Monatsende übrig bleibt, ist nichts mehr da.

Weil Menschen ungern heute schon auf Dinge verzichten, kommen Betriebe, denen die Vorsorge ihrer Mitarbeiter wichtig ist, immer mehr darauf, gestaffelte Vorsorgemodelle anzubieten. Beiträge werden danach erst abgezweigt, wenn es eine Gehaltserhöhung gegeben hat. Mit jeder neuen Lohnsteigerung steigt dann auch der Betrag, der in die freiwillige betriebliche Altersvorsorge wandert Die Beteiligung der Mitarbeiter an solchen Modellen ist nach den bisherigen Erfahrungen deutlich höher, als bei Konzepten, die sofort Geld vom Gehalt für die Rente abziehen.

Zweiter Grund für das zögerliche Vorsorgesparen vieler Bürger ist das unübersichtliche Angebot. Zertifikate, Sparpläne, Festgeld, Geldmarktkonten, Aktien, Mischfonds, Rentenfonds, Anleihen – jedes Produkt verspricht bessere Renditen oder mehr Sicherheit oder beides. In Supermärkten hat mancher schon festgestellt, dass Kunden überhaupt keine Marmelade mehr kaufen, wenn das Angebot zu groß ist. So ist es wohl auch beim Vorsorgesparen. Doch am Ende ist es gar nicht so wichtig, ob der Sparer nur einen zweitklassigen Fondssparplan erwischt hat, oder ob die zehnjährigen Bundeswertpapiere schlechter abschneiden als kurzfristigere Papiere. Hauptsache, es wandert Geld auf die hohe Kante. Nur bei Verträgen die den Anleger über lange Zeiträume binden, wie etwa eine Kapitallebensversicherung, sollten Sparer vorsichtig sein. Es kann passieren, dass plötzlich der Job weg ist oder die Zinsen fürs Haus steigen. Dann müssen Ersparnisse auch verfügbar sein.

Ein weiterer Grund fürs Aufschieben: Menschen fehlt die Vorstellungskraft, dass sie irgendwann nicht mehr so viel Geld haben wie heute. Sie glauben gerne, dass alles so weiter geht wie bisher. Da hilft vor allem eine Bestandsaufnahme. Wie viel Rente ist zu erwarten, was ist das Geld dann noch wert, und wie groß ist die Lücke.

hussla@handelsblatt.com
Das beste Investment sind Sie selbst


Beim Thema Vermögensaufbau wird der wichtigste Posten oft vergessen: Das Humankapital, das der Sparer in seinem Kopf mit sich trägt. Die vielen Fähigkeiten, die ihn zu einer attraktiven und gut bezahlten Arbeitskraft machen. So kann ein MBA leicht 1 000 Euro mehr Netto-Gehalt im Monat einbringen... und später auch 1 000 Euro mehr Rente.

Gertrud HusslaMit dem Sparen anzufangen, fällt vielen Bürgern schwer. Das Unterbewusstsein kann sich die weite Zukunft nicht vorstellen. Auch reagiert der Kopf in erster Linie emotional. Es gibt jedoch Wege, sich selbst ein Schnippchen zu schlagen.

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Experten haben Jahrzehnte geforscht, um Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, die Menschen zerstören, aber die Gebäude intakt lassen. Man nennt diese Waffen Hypotheken.“ Das Bonmot des britischen Komikers Jeremy Hardy klingt wie das perfekte Motto für die Kreditkrise und den drohenden Immobiliencrash, vor dem sich die Briten fürchten.

Von Michael Maisch


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