0 Bewertungen
29.05.2006 

Wie ein TV-Sender George W. Bush zum Wahlsieg verhalf

von Olaf Storbeck

Von Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist der Ausspruch überliefert, zum Regieren brauche er nur „Bild, BamS und Glotze“.

Aber wie groß ist der Einfluss von Presse, Funk und Fernsehen auf die öffentliche Meinung tatsächlich? Seit Jahrzehnten zerbrechen sich Medien- und Politikwissenschaftler darüber den Kopf. Ihre Diskussion kreist bislang aber nur um anekdotische Evidenz. Und die ist ziemlich widersprüchlich: Einerseits soll Richard Nixon 1960 die Präsidentschaftswahl deshalb verloren haben, weil er in einem TV-Duell schlecht rasiert war. Andererseits schrieb der „Spiegel“ jahrelang gegen Helmut Kohl an, ohne dessen politische Karriere zu beschädigen.

Zwei Wirtschaftswissenschaftler aus den USA und Schweden haben jetzt erstmals den Zusammenhang zwischen tendenziöser Medienberichterstattung und dem Ausgang von Wahlen mit wissenschaftlichen Methoden berechnet. Ihr Ergebnis ist frappierend: US-Präsident George W. Bush hat seinen Wahlsieg im Jahr 2000 einseitiger Fernseh-Berichterstattung zu verdanken, lautet das Fazit der Untersuchung. „Medien können beträchtlichen politischen Einfluss haben“, betonen die Autoren Stefano DellaVigna (University of California, Berkeley) und Ethan Kaplan (Universität Stockholm).

Konkret haben die Forscher untersucht, wie sich das Wahlverhalten der Amerikaner durch das Auftreten des konservativen Nachrichtenkanal „Fox News“ veränderte. Der Sender wurde 1996 von TV-Mogul Rupert Murdoch als Konkurrent zu „CNN“ gegründet.„Fox News“ machte sich mit seiner betont konservativen Berichterstattung einen Namen. Medienwissenschaftler wiesen dem Kanal in mehreren Studien Einseitigkeit nach – so kommen bei „Fox News“ viel häufiger Experten aus konservativen Einrichtungen zu Wort als bei anderen Sendern.

Ein historischer Zufall ermöglichte es den Forschern, den Effekt auf das Wahlverhalten der Amerikaner methodisch sauber zu beziffern. Denn „Fox News“ war in den ersten Jahren längst nicht in allen US-Regionen empfangbar. Im Jahr 2000 wurde der Sender erst in 20 Prozent aller Städte ins Kabelnetz eingespeist. Anhand von mehr als 9200 Städten aus 28 Bundesstaaten konnten die Ökonomen untersuchen: Hat sich das Wählerverhalten in diesen Städten anders entwickelt als in Regionen, in denen der Sender noch nicht zu empfangen war?

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie viele Stimmen brachte "Fox" George Bush genau?

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Zuletzt besucht / gesucht

Anzeige

weiterTop-Downloads

Hot Papers in VWL und BWL  Artikel in Merkliste

31.08.2008

Sind Spekulanten für die enormen Preisanstiege von Rohöl verantwortlich? Wie können Unternehmen in virtuellen Welten wie "Second Life" Geld verdienen? Und wie lassen sich überbewerte Aktien möglichst frühzeitig erkennen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich ökonomische Forschungspapiere, die derzeit im Web besonders häufig herunterladen werden. Lesen Sie mehr über diese "Hot Paper" Artikel


weiterDas Grüner-Blog

Verblüffende Wirtschaftstheorie 

25.08.2008Das Grüner-Blog

Ein kürzlich im Journal of Economic Theory erschienenes Papier von Maitreesh Ghathak (LSE) und Koautoren stellt gleich mehrere ökonomische Lehrsätze zu Gewinnbesteuerung und Mindestlöhnen in Frage. Blog


weiterKrämers Konjunktur-Kommentar

Deutsche Auftragseingänge: Wieder ein Einbruch 

04.09.2008Krämers Konjunktur-Kommentar

Im Juni waren die deutschen Auftragseingänge gegenüber Mai bereits um 2,6% eingebrochen. Deshalb hatten die Volkswirte für den Juli zumindest mit einer schwarzen Null gerechnet (0,3%). Blog


weiterHarald Uhlig - Makro und mehr

Danke, lrland! 

15.06.2008Harald Uhlig - Makro und mehr

Demokratie und Freiheit funktionieren noch in Europa!   Nachdem das Volk Europas das 400-Seiten starke Eurokraten-Monstrum, dass man tatsächlich mal “Vefassung für Europa” nannte, in Bausch und Bogen abgelehnt hatte, hatte die Politiker-Elite Europas eine clevere Idee. Blog