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19.06.2006 
Finanzwissenschaft

Spätes Lob für Eichels Unternehmensteuer-Reform

von Olaf Storbeck

Anfang 2000 war sich Hans Eichel seiner Sache sicher: Die für den Jahresbeginn 2001 geplante Reform der Unternehmensteuer werde „für einen kräftigen Konjunkturimpuls und die Vertiefung eines wirtschaftlichen Aufschwungs sorgen“, versprach der Finanzminister. Auch Volkswirte lobten Eichels Reformplänen als „Wachstums- und Beschäftigungsprogramm“, und die Börse reagierte mit einem Kursfeuerwerk.

Quasi zeitgleich mit dem Inkrafttreten der Reform schlitterte Deutschland jedoch in eine dreijährige Stagnation. Die Bruttoanlageinvestitionen brachen drastisch ein; im vergangenen Jahr waren sie noch fast 14 Prozent niedriger als im letzten Jahr vor der Reform. Auch bei den ausländischen Direktinvestitionen gab es deutliche Rückschläge.

Eichels Unternehmensteuerreform – ein Flop auf ganzer Linie? Nein, meint ein Forscherteam von der Uni Köln. Die Finanzwissenschaftler Johannes Becker, Clemens Fuest und Thomas Hemmelgarn haben versucht, die Auswirkungen der Steuerreform auf das Investitionsverhalten zu berechnen.

Sie stellen die These auf: Die Reform habe sehr wohl die Investitionsneigung der Unternehmen beflügelt – nur habe der Konjunktureinbruch diesen positiven Effekt überlagert. „Der Abschwung wäre ohne die Steuerreform noch deutlich größer ausgefallen“, sagt Fuest.

Für 2830 ausländische Firmen, die in Deutschland aktiv sind, analysierten die Ökonomen die individuelle Steuerlast und das Investitionsverhalten – für jedes Jahr zwischen 1997 und 2003. Dabei berücksichtigten die Forscher die individuelle wirtschaftliche Situation der einzelnen Firma – von der Umsatz- und Gewinnentwicklung über die Finanzierungsstruktur bis hin zur Größe der Belegschaft und des Kapitalstocks. Die Daten stammten von der Bundesbank, die eine detailreiche Paneldatenbank zu Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland pflegt.

Um die Folgen der Steuerreform für das Investitionsverhalten isolieren zu können, machten sich die Ökonomen die Tatsache zu nutze, dass nicht alle Firmen im gleichen Ausmaß von den Gesetzesänderungen profitierten. Bei einigen Unternehmen sank die effektive Steuerlast stärker als bei anderen – je nach Finanzierungsstruktur, Kapitalstock und Profitabilität. Zum Beispiel sank die effektive Steuerlast von Firmen, die eine hohe Eigenkapitalquote haben, stärker. Unternehmen mit vielen Sachanlagen profitierten weniger stark, weil sie stärker von den verschlechterten Abschreibungsbedingungen betroffen waren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Welche Folgen hätte die für 2008 diskutierte neue Reform?

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