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HANDELSBLATT, Montag, 21. August 2006, 16:40 Uhr
Aktienempfehlungen

Besser nur auf erfolglose Analysten hören


Anleger sollten Analysten, deren Prognosen in der Vergangenheit besonders treffsicher waren, mit Vorsicht begegnen, zeigt eine aktuelle Studie. Nach einer Erfolgssträhne werden Marktbeobacher übermütig - und machen besonders viele Fehler.


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DÜSSELDORF. Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase Ende der 90er Jahre waren sie die unbestrittenen Herrscher über die Finanzmärkte: Star-Analysten wie Mary Meeker von Morgan Stanley und Henry Blodget von Merrill Lynch bewegten mit ihren Aktienempfehlungen Milliarden. Später wurde bekannt: Oftmals bewarben vermeintlich unabhängige Analysten bewusst bestimmte Unternehmen – auch marode –, weil die Kollegen aus dem Investment-Banking gute Geschäfte mit diesen Firmen machten.

Auch aus anderen Gründen hat das Image der Berufsgruppe in den vergangenen Jahren Schrammen bekommen. So zeigen Untersuchungen von Ökonomen: Analysten geben zu optimistische Prognosen ab. Sie überschätzen systematisch die Umsatz- und Ertragsentwicklung von Unternehmen. All dies hat dazu geführt, dass der Berufsgruppe intensiver auf die Finger geschaut wird. So finden Rankings zur Treffsicherheit der Umsatz- und Gewinnprognosen große Aufmerksamkeit.

Aber was sagt die Performance eines Analysten in der Vergangenheit über seine künftige Arbeit aus? Zwei Ökonomen aus Hongkong und New York haben diese Frage in einer Studie untersucht, die jüngst in der führenden Fachzeitschrift „Management Science“ erschienen ist.

Das Fazit ist ernüchternd. Analysten, die in der Vergangenheit Umsatz und Ertrag besonders treffsicher vorausgeschätzt haben, sind nicht etwa auch in der Zukunft besser. Im Gegenteil: Nach einer überdurchschnittlich erfolgreichen Phase werden sie mit ihren Voraussagen mutiger – und schlechter.

Grundlage der Untersuchung sind die quartalsweisen Umsatz- und Gewinnprognosen von US-Analysten von 1980 bis 1997. Diese haben die Wissenschaftler in einer Datenbank mit den tatsächlichen Ergebnissen verglichen. So konnten sie für jeden einzelnen Analysten und jedes einzelne Unternehmen beobachten, wie sich die Prognose-Güte veränderte – für insgesamt fast 47 000 Quartalsprognosen.

Das Ergebnis ist eindeutig: „Die Abweichung von der Durchschnittsprognose und die Prognose-Fehler korrelieren positiv mit dem vergangenen Erfolg eines Analysten“, schreiben die Autoren Gilles Hilary von der Hongkong University und Lior Menzly von Vega Asset Management, New York. Marktbeobachter, die mit ihren Vorhersagen vier Quartale lang besser lagen als der Durchschnitt, hauen danach auffallend oft daneben. Ihre durchschnittliche Fehlerquote ist neun Prozent höher als im Durchschnitt der Kollegen. „Das Phänomen ist ökonomisch und statistisch signifikant“, heißt es in der Studie.

Der Befund gilt für erfahrene Analysten genauso wie für Greenhorns – und ist unabhängig davon, ob ein Prognostiker bei einer großen oder kleinen Bank arbeitet. Bei Analysten, die mehrere Konzerne beobachten, hat eine Erfolgssträhne bei einem Wert oft auch oft schlechtere Prognosen für seine anderen Unternehmen zur Folge.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie lässt sich das Phänomen erklären?


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