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28.08.2006 
Beschäftigungspolitik

Arbeitslosigkeit bekämpft man am besten im Kindergarten

von Norbert Häring, Frankfurt

Wer Produktivität und Beschäftigungschancen von Niedrigqualifizierten verbessern will, kann damit gar nicht früh genug anfangen, lautet das Fazit einer interdisziplinären Studie von US-Wissenschaftler. Je jünger der Adressat, desto größer die Chancen auf Besserung und desto höher die soziale Rendite. Förderprogramme sollten daher am besten schon im Kleinkindalter ansetzen.

Sozialhilfe vererbt sich – zu dieser Erkenntnis sind Wirtschaftsforscher und Soziologen in Deutschland schon vor längerer Zeit gekommen. Drei von zehn jungen Erwachsenen, deren Eltern bereits Sozialhilfe bezogen haben, sind selbst auf diese staatliche Unterstützung angewiesen.

Auch Schulwahl und Schulerfolg hängen vom Elternhaus ab: Kinder aus der Unterschicht haben mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit eine schlechte Bildung, finden seltener einen Ausbildungsplatz und haben oft wenig Sozialkompetenz und Motivation. Geht es darum, einen Job zu finden, haben sie schlechte Karten. Geringqualifizierte sind die größte Problemgruppe auf dem Arbeitsmarkt. Und allen Prognosen zufolge werden sich ihre Beschäftigungsmöglichkeiten weiter verschlechtern.

Was kann die Politik gegen die Misere unternehmen? Ein interdisziplinäres Forscherteam aus Ökonomen, Psychologen, Neurobiologen und Verhaltenswissenschaftlern – darunter der Ökonomie-Nobelpreisträger James Heckman – haben Antworten auf diese Frage aus ihren jeweiligen Disziplinen zusammengetragen. Zwar bezieht sich die Untersuchung auf die Situation in den USA, doch die meisten Erkenntnisse sind grundsätzlicher Natur, so dass eine Übertragung auf andere Länder möglich ist.

Die Botschaft ist klar: Fördermaßnahmen für ältere Jugendliche und Erwachsene haben oft wenig Aussicht auf Erfolg. Wer Produktivität und Beschäftigungschancen von Niedrigqualifizierten verbessern will, kann damit gar nicht früh genug anfangen. Je jünger der Adressat, desto größer die Chancen auf Besserung und desto höher die soziale Rendite. Förderprogramme sollten daher am besten schon im Kleinkindalter ansetzen.

Die dahinter liegende Argumentationskette stützt sich auf Erkenntnisse aus allen vier Fachrichtungen. Menschen mit niedriger Motivation und Sozialkompetenz sowie schlechter Ausbildung kommen oft aus ärmlichen Verhältnissen. Ihre Eltern sind zudem eher ungebildet, haben oft psychische Probleme und vernachlässigen ihre Kinder.

Bereits im Kindesalter werden die Weichen dafür gestellt, wie motiviert und leistungsfähig ein Mensch im produktiven Alter sein wird. Da dies später nur noch äußerst schwer zu revidieren ist, sollten Fördermaßnahmen vor allem in dieser kritischen Phase ansetzen.

Die Autoren der Untersuchung verweisen auf zahlreiche wissenschaftliche Studien, die zeigen: Förderangebote für Kinder aus problematischen Milieus – am besten schon für Kleinkinder – sind überaus effizient. Später sind ähnliche Erfolge nur noch mit deutlich mehr Aufwand und höheren Kosten zu erreichen.

Die Entwicklungspsychologische und neurowissenschaftliche Forschung kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass in den ersten Lebensjahren die Grundlagen für viele Fähigkeiten und Fertigkeiten gelegt werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Welcher Förderprogramme sind besonders erfolgreich?

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