| HANDELSBLATT, Dienstag, 16. Januar 2007, 12:45 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Studie zu Einkommensdifferenzen | ||||||||||||||||||||||||
Frauen schlechter zu bezahlen lohnt sich | ||||||||||||||||||||||||
Von Norbert Häring | ||||||||||||||||||||||||
Frauen verdienen weniger als Männer. Um genau so viel zu verdienen, müssen sie besser sein. Warum ist das so? Leben die Chefs und Personaler Vorurteile gegen Frauen aus? Mögen sie Frauen nicht, oder vielleicht nur als Haus- und Ehefrauen? Unfug, meinen die Autoren einer neue Studie. | ||||||||||||||||||||||||
ERLANGEN. Drei Wirtschaftsforscher von der Universität Erlangen-Nürnberg haben sich einen großen Datensatz angeschaut und stützten damit eine alternative Erklärung. Frauen bekommen weniger Geld, weil ihnen Geld nicht so wichtig ist. Wichtig bedeutet hier: Sie machen ihre Entscheidung ob und für wen sie arbeiten, weniger vom Geld abhängig als Männer, zeigt die Studie. In der Sprache der Ökonomen heißt das: Die Unternehmen sehen sich unterschiedlichen Angebotselastizitäten bei Frauen und Männern gegenüber. Wenn ein Unternehmen zehn Prozent weniger zahlt, als ein vergleichbarer Arbeitgeber, dann laufen ihm die männlichen Angestellten als erste davon. Will das Unternehmen seine Mitarbeiter halten, muss es ihnen höhere Gehälter zahlen. Wenn es aber die Erfahrung gemacht hat, dass die Frauen aus Treue oder aus Scheu vor langen Pendelzeiten nicht so leicht abwandern wie Männer, dann stellt sich das Unternehmen besser, wenn es vor allem den Männern mehr bietet. Diskriminierung von Frauen wäre damit eine gewinnmaximierende Strategie und nicht das Ausleben von Vorurteilen zum eigenen Nachteil. Die Frauen würde durch niedrigere Gehälter dafür bestraft, dass sie ihre berufliche Rolle oft als Zweitverdiener definieren oder definieren lassen. Sie ziehen um, wenn ihr Mann den Arbeitgeber wechselt. Aber sie tun sich schwer, ihre Familie zum Umzug zu bewegen, wenn ihnen in einer anderen Region ein besser bezahlter Job winkt. Die Unternehmen nehmen das zur Kenntnis und konzentrieren sich vor allem auf die Männer, die sich mit Geld leichter halten oder anwerben lassen. Damit diese Argumentationskette funktioniert, darf eine zentrale Annahme der traditionellen Arbeitsmarkttheorie nicht erfüllt sein – die vollkommene Konkurrenz auf dem Markt für Arbeitskräfte. An dieser Annahme aber hängen viele Ökonomen sehr – obwohl sie der Lebenserfahrung widerspricht. Vollständige Konkurrenz bedeutet: Ein Unternehmen, das ein bisschen mehr zahlt als ein Wettbewerber mit vergleichbaren Arbeitsplätzen, kann aus jeder Menge Bewerbungen aussuchen. Umgekehrt laufen einem Arbeitgeber, der etwas weniger zahlt als seine Konkurrenz, die Mitarbeiter in Scharen davon. Technisch gesprochen ist die Elastizität des Arbeitsangebots sehr hoch. Lesen Sie weiter auf Seite 2: In welchem Fall der Lohnnachteil sinkt | ||||||||||||||||||||||||
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