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21.06.2007 
George Akerlof greift Neoklassiker scharf an

Wo Keynes Recht hatte und Friedman irrte

von Olaf Storbeck, Chicago

Der Ökonomienobelpreisträger und derzeitige Präsident der American Economic Association, George Akerlof, nutzte seine Ansprache bei der Jahrestagung des Vereins für eine Generalabrechnung mit der Neoklassik - und für eine Rehabilitation des Keynesianismus.Jetzt ist die viel beachtete Rede Akerlofs im "American Economic Review" erschienen.

Ausgerechnet Chicago. Ausgerechnet hier, wo die neoklassischen "Chicago Boys" um Milton Friedman Ende der sechziger Jahre den Angriff auf den Keynesianismus begonnen hatten, eröffnete Ökonomie-Nobelpreisträger George Akerlof jetzt eine Gegenoffensive. Es sei höchste Zeit für einen erneuten Paradigmenwechsel in der Makroökonomie, forderte der Präsident der American Economic Association (AEA) in seiner „Presidential Address“ auf der Jahrestagung des Verbandes zu Jahresbeginn in Chicago. Die viel beachtete Rede ist jetzt im "American Economic Review" erschienen - und sorgt in der ökonomischen Zunft für einige Diskussionen.


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Kein Wunder, war der Vortrag doch eine Generalabrechnung mit der Makro-Ökonomie der vergangenen drei Jahrzehnte - und eine Rehabilitierung des Keynesianismus. Anders als die Neoklassiker hätten „die frühen Keynesianer einen Großteil des ökonomischen Systems richtig verstanden“, sagte Akerlof.

Sein zentraler Kritikpunkt: Die Annahmen, die neoklassische Ökonomen über das menschliche Verhalten treffen, seien viel zu eng und realitätsfremd. Die heutige Makro-Ökonomie blende wichtige Motivationen des menschlichen Verhalten aus. Menschen orientierten sich nicht nur an ihrem eigenem Nutzen, sondern auch an gesellschaftlichen Normen.

In die Mikroökonomie hat diese Einsicht schon lange Einzug gehalten. Zahlreiche Experimente haben gezeigt: Menschen verhalten sich in der Realität nicht so egoistisch und rational, wie es Wirtschaftswissenschaftler traditionell annehmen. Akerlof fordert, diese Erkenntnisse endlich auch auf die gesamtwirtschaftliche Ebene zu übertragen. „Berücksichtigt man solche Motivationsaspekte kommt man zu einer Makroökonomie, die wichtige Anleihen an frühes keynesianisches Denken macht", sagte Akerlof.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum der Keynesianismus aus der Mode geraten war

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