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HANDELSBLATT, Montag, 18. Juni 2007, 08:00 Uhr
Studie: Staatliche Beschäftigungspolitik bringt wenig

Geld vernichten mit aktiver Arbeitsmarktpolitik


Sie sind teuer und bringen wenig bis gar nichts - staatliche Programme zur Förderung der Beschäftigung. Eine neue Studie der Universität St. Gallen kommt für Deutschland sogar zu dem Ergebnis: Wer im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gefördert wird, ist mitunter sogar länger arbeitslos.


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Dreizehn Milliarden Euro – soviel gibt die deutsche Wirtschaftspolitik derzeit pro Jahr für Beratung und Weiterbildung von Arbeitslosen aus. Mit gut 60 Förderprogrammen versucht der Staat, die Arbeitsmarkt-Chancen der Menschen ohne Job zu verbessern. Angesichts von mehr als 3,5 Millionen Arbeitslosen keine schlechte Idee, möchte man meinen.

Ökonomen jedoch, die die Wirkungen aktiver Arbeitsmarktpolitik untersuchen haben, lassen an ihnen kaum ein gutes Haar. „Der umfangreiche und intransparente Katalog der Maßnahmen könnte deutlich gekürzt werden, ohne Einbußen bei der Wirksamkeit der Instrumente befürchten zu müssen“, schreiben die Ökonomen Werner Eichhorst und Klaus Zimmermann vom Institut zur Zukunft der Arbeit in einer vor kurzem veröffentlichten Studie. Danach fließt nur etwas mehr als jeder vierte Euro in Maßnahmen, für die eine positive Wirkung auf die Beschäftigungschancen der Geförderten nachweisbar ist.


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Selbst dieses ernüchternde Urteil ist womöglich noch zu optimistisch, legt eine neue Studie der Universität St. Gallen nahe. Die Ökonomen Conny Wunsch und Michael Lechner haben der aktiven Arbeitsmarktpolitik der Jahre 2000 bis 2002 in Deutschland den Zahn gefühlt.

„Alle Programme scheitern daran, innerhalb von 2,5 Jahren die Chancen der Teilnehmer zu verbessern, eine normale, nicht subventionierte Arbeit zu finden“, so das vernichtende Fazit der Forscher. In vielen Fällen verlängere aktive Arbeitsmarktpolitik sogar die Arbeitslosigkeit, weil sie Arbeitslose davon abhält, einen normalen Job zu suchen und zu finden.

Basis der Studie sind Daten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit erhebt seit 1990 Informationen über zwei Prozent aller deutschen Arbeitnehmer. Die Forscher kennen Ausbildung und Qualifikation der betrachteten Personen sowie ihre Einkommensentwicklung und Arbeitgeber. Zudem geht aus den Daten hervor, ob und an welchen Arbeitsmarkt-Programmen sie teilgenommen haben.

Das ermöglicht es den Forschern nicht nur, auf der Ebene einzelner Arbeitsloser nachzuvollziehen, wie sich die Erwerbsbiographie nach der Teilnahme an einem Förderprogramm entwickelt hat. Noch wichtiger ist: Die Forscher konnten eine Art „künstliche Kontrollgruppe“ konstruieren. Darin enthalten waren Arbeitslose, die nicht bei Förderprogrammen dabei waren, aber in allen anderen Punkten den Teilnehmern ähnlich waren. Kern der Studie ist der Vergleich der Beschäftigungsperspektiven dieser beiden Gruppen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie sich kurz- und langfristige Effekte unterscheiden


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