Analystenberichte über Aktiengesellschaften könnten sich künftig so lesen: Der Vorstandsvorsitzende besitzt ein Anwesen auf Mallorca mit 400 Quadratmetern Wohnfläche, Hallenbad, Tennisplatz und Driving-Range. Empfehlung: Verkaufen. Denn je pompöser die Hütte, desto schlechter entwickelt sich der Aktienkurs. Das sagt eine Studie und nennt berühmte Beispiele.
FRANKFURT. Zwei amerikanische Wissenschaftler haben in einer aufsehenerregenden » Studie festgestellt: Größe und Wert der Villa eines Unternehmenslenkers sind hervorragende Indizien dafür, wie gut sich der Aktienkurs des Unternehmens in Zukunft entwickeln wird – je bescheidener die Behausung des Chefs, desto besser. Und umgekehrt. Dabei geht es nicht um kleine Unterschiede, bei denen man vermuten müsste, dass Kommissar Zufall mitmischt.
Die beiden Autoren, David Yermack von der Stern School of Business der New York University und Crocker Liu von der Arizona State University identifizierten für fast alle Chief Executive Officer (CEOs) der 500 größten US-Unternehmen Größe und Wert ihres privaten Domizils. Anwesen mit einer Wohnfläche über 920 Quadratmetern oder einer Grundstücksgröße von mehr als 4 Hektar klassifizierten sie als sehr groß. Rund 15 Prozent der CEOs haben solche Anwesen; auf mindestens einem ist eine private Pferderennbahn.
In den drei Jahren nach dem Hauskauf entwickelten sich die Aktien der übrigen 85 Prozent um fast die Hälfte besser als die der stolzen Palastbesitzer. Das typische Haus des Chefs eines der 500 größten US–Unternehmen hat „nur“ 500 qm Wohnfläche, 11 Zimmer, 4,5 Badezimmer und einen halben Hektar Grundstück.
Wie ein Lauffeuer
Ob man mit einer darauf aufbauenden Handelsstrategie noch lange Gewinn machen kann, ist allerdings unsicher, denn das Ergebnis der beiden Wissenschaftler verbreitet sich in Expertenzirkeln schnell. Es dürfte daher allmählich in die Kurse einfließen. Die Studie gehört in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu den zehn am meisten im Internet heruntergeladenen Arbeitspapieren der letzten zwei Monate. Allerdings gibt es für Deutschland und Europa noch keine vergleichbare Erhebung. Wer schnell ist, kann auf Extra-Gewinne hoffen.
Wie Yermack in einer vor wenigen Monaten veröffentlichten Studie festgestellt hat, sind auch Dienstjets für den Unternehmenschef ein recht zuverlässiges Verkaufssignal.
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