Handelsblatt-Ranking VWL 2007 | ||||||||||||||||||||||||||||||
Wer Deutschlands Top-Ökonomen sind | ||||||||||||||||||||||||||||||
Von Olaf Storbeck und Norbert Häring | ||||||||||||||||||||||||||||||
Wer ist 2007 der forschungsstärkste Volkswirt im deutschsprachigen Raum? Welcher Wissenschaftler ist der größte Aufsteiger, wessen Karriere befindet sich im Sinkflug? Die Neuauflage des Handelsblatt-Ökonomenrankings VWL beantwortet all diese Fragen. Die Kernbotschaft ist positiv: Die Qualität der volkswirtschaftlichen Forschung im deutschsprachigen Raum steigt deutlich. | ||||||||||||||||||||||||||||||
Der Mann ist gekommen, um etwas zu bewegen. „Ich möchte in Deutschland die Umsetzung ökonomischer Erkenntnisse in die Praxis vorantreiben“, sagt der 37-jährige Ökonom Roman Inderst, der Ende 2006 von der London School of Economics nach Frankfurt wechselte. Besonders am Herzen liegen ihm die Themen Bankenregulierung und Wettbewerbspolitik. Noch macht Inderst um die deutsche Öffentlichkeit allerdings einen großen Bogen – in den vergangenen Monaten lehnte er mehrere Interview-Anfragen des Handelsblatts und anderer Medien ab. Sollte Inderst aber beim Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis auch nur annähernd so erfolgreich sein wie in der akademischen Forschung, dann dürfte tatsächlich einiges in Bewegung geraten: Der in Mannheim und Berlin ausgebildete Wissenschaftler ist derzeit mit Abstand der produktivste deutschsprachige Ökonom – seine jährliche Publikationsleistung ist dreimal so hoch wie die eines durchschnittlichen Professors in der Top 100. Das ist ein Ergebnis der Neuauflage des Handelsblatt-Ökonomenrankings Volkswirtschaftslehre (VWL). » Top-Ökonomen: Alle Ergebnisse des neuen Handelsblatt-Rankings Die Studie, die im September 2006 erstmals veröffentlicht und jetzt aktualisiert wurde, analysiert die Publikationsleistung aller im deutschsprachigen Raum tätigen Volkswirte. Grundlage ist eine Datenbank, in der die Veröffentlichungen von fast 1200 Forschern an gut 90 Universitäten und Instituten in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz erfasst sind. Bei der Bewertung der Publikationen folgt das Handelsblatt international etablierten Standards zur Evaluierung ökonomischer Forschung. Gezählt werden Aufsätze in den wichtigsten internationalen Fachzeitschriften. Zwischen den Journalen gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede, die durch unterschiedlich hohe Punktzahlen berücksichtigt werden. Publikationen in international anerkannten, quasi immer englischsprachigen Fachzeitschriften sind heute weithin akzeptierter Maßstab für die Qualität wissenschaftlicher Forschung. Ohne solche Veröffentlichungen können Wirtschaftswissenschaftler auch in Deutschland kaum noch Karriere machen. Der Bonner Ökonom Martin Hellwig (58) ist gemessen an seinem Lebenswerk der forschungsstärkste Volkswirt in Deutschland, zeigen die Ergebnisse. Kein anderer Ökonom des Landes kann eine bessere Publikationsleistung vorweisen als Hellwig. Er hat sich auf ökonomische Theorie spezialisiert und war bis 2004 Chef der Monopolkommission. Heute leitet er das Max-Planck-Institut für die Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn. Betrachtet man auch die Ökonomen in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz, so liegt Bruno Frey (66) aus Zürich vor Hellwig. Frey ist auf dem Gebiet der empirischen Wirtschaftsforschung aktiv und machte sich unter anderem mit Arbeiten zur Ökonomie des Glücks einen Namen. Betrachtet man nicht das Lebenswerk, sondern die Forschungsleistung der vergangenen fünf Jahre, so liegen jüngere Forscher vorn – der 37-jährige Frankfurter Roman Inderst, der sich auf Finanzwirtschaft und Wettbewerbspolitik spezialisiert hat, und der 38-jährige Münchener Außenhandelsspezialist Peter Egger aus München. Das Handelsblatt- Ökonomenranking zeigt: Insgesamt sind Ökonomen aus dem deutschsprachigen Raum heute auf internationaler Ebene deutlich präsenter als in den neunziger Jahren. Die Publikationsleistung der 100 aktivsten Forscher ist im Durchschnitt ein Drittel höher als vor zehn Jahren. Wer 1997 unter den aktivsten Volkswirten der vergangenen fünf Jahre noch auf Rang 50 lag, würde es mit derselben Publikationsleistung heute nur noch auf Platz 90 schaffen. „Die Produktivität der deutschen Ökonomen ist in den letzten Jahren stark gestiegen“, bestätigt der Konstanzer VWL-Professor Heinrich Ursprung, der sich intensiv mit der Evaluierung ökonomischer Forschung beschäftigt. Die größten Verbesserungen innerhalb der 100 aktivsten Forscher gab es dabei nicht etwa in der Spitzengruppe der 25 bestplatzierten Ökonomen. Besonders stark gesteigert haben sich die Forscher aus dem Mittelfeld – die „zwar forschungsorientierten, aber eben nicht wirklich prominenten Forscher“, so Ursprung. Die Untersuchung unterstreicht den deutlichen Wandel der VWL in den vergangenen Jahren: „Für Ökonomen im deutschsprachigen Raum ist das Veröffentlichen in internationalen Journalen ein relativ neues Terrain“, sagt Friedrich Schneider, Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik, der wichtigsten Ökonomen-Vereinigung des deutschsprachigen Raums. „Traditionell war hierzulande das Schreiben von Büchern wichtiger als von Aufsätzen.“ Zudem publizierten viele deutsche Forscher bis in die neunziger Jahre hauptsächlich in ihrer Muttersprache. Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Leistungsgefälle zwischen beiden Gruppen ist enorm | ||||||||||||||||||||||||||||||
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