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26.11.2007 
VWL vor Paradigmenwechsel?

Schlammschlacht um Friedmans Erbe

von Olaf Storbeck

Weggefährten verteidigen den vor fast genau einem Jahr verstorbenen Nobelpreisträger vehement gegen Kritiker, die eine Abkehr von Friedmans Lehren fordern. Beide Seiten schrecken dabei nicht vor verbalen Tiefschlägen zurück. Ein Frontbericht.

Milton Friedman im Jahr 1971Lupe

Milton Friedman im Jahr 1971

Er war einer der wichtigsten Protagonisten der Gegenreformation und gründete im 16. Jahrhundert die Gesellschaft Jesu, kurz Jesuiten, den bis heute wichtigen katholischen Männerorden – Ignatius von Loyola. Ihm wird die Devise zugeschrieben: „Ich glaube, dass das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die hierarchische Kirche es so bestimmt.“

Geht es nach dem Princeton-Ökonomen Paul Krugman, dann ist der Ende 2006 verstorbene Milton Friedman eine Art Ignatius von Loyola der Ökonomie. So, wie sich Loyola gegen Martin Luther und den Protestantismus wandte, sei Friedman gegen John Maynard Keynes und den Keynesianismus zu Felde gezogen.


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„Wie die Jesuiten agierten Friedmans Gefolgsleute als eine disziplinierte Armee der Gläubigen, die die keynesianische Ketzerei auf breiter Front zurückdrängten“, schreibt Krugman in einem provokanten Essay. Darin wirft er dem Nobelpreisträger von 1976 intellektuelle Unredlichkeit, Engstirnigkeit und überzogene Marktgläubigkeit vor. Der von Friedman begründete Monetarismus sei wissenschaftlich überholt. Krugman: „Was die Welt jetzt braucht, ist eine Gegen-Gegenreformation zum Friedmanismus.“

Das Essay mit dem Titel „Who was Milton Friedman?“, das im Februar im „New York Review of Books“ erschien, hat eine hitzige Debatte über das akademische Vermächtnis von Friedman ausgelöst. Darin schrecken beide Seiten nicht vor verbalen Tiefschlägen zurück. Fast genau ein Jahr, nachdem der Nobelpreisträger am 16. November 2006 im Alter von 94 Jahren gestorben ist, haben seine Anhänger jetzt zum Gegenschlag ausgeholt – allen voran die 92-jährige Anna J. Schwartz, die 1963 mit Friedman das monumentale Werk „A Monetary History of the United States“ verfasste. Zusammen mit Edward Nelson von der Federal Reserve Bank of St. Louis hat sie eine Replik auf Krugman geschrieben, die jüngst als wissenschaftliches Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research erschienen ist.


»  Debatte: Handelsblatt-Leser über Friedman und Keynes - diskutieren Sie mit!


Die 39-seitige Arbeit mündet in der These, Krugman habe kein Recht, über Friedman zu urteilen. Der Princeton-Professor sei zwar ein „respektierter Handelstheoretiker“, in monetärer Ökonomie fehle ihm aber die wissenschaftlicher Expertise. „Krugmans wissenschaftlicher Hintergrund qualifiziert ihn nicht als Autorität zu Friedmans Arbeit“, schreiben Schwartz und Nelson. „Friedmans Reputation ist intakt – trotz Krugmans kläglicher Versuche, ihn und seine Leistungen zu verunglimpfen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Krugman ist mit seiner Kritik in guter Gesellschaft

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