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01.01.2007 
Handelsblatt Ranking Volkswirtschaftslehre (VWL)

Ökonomische Zwei-Klassen-Gesellschaft

von Olaf Storbeck

Das Handelsblatt VWL-Forschungsranking legt ein gewaltiges Leistungsgefälle offen. Einer kleinen Spitzengruppe von Top-Fakultäten steht eine große Gruppe von Unis gegenüber, die keine Forschung auf internationalem Niveau betreiben. Jeder vierte deutsche Professor hat in seiner Karriere nicht einen Aufsatz in einer der 182 international wichtigsten Zeitschriften veröffentlicht.

DÜSSELDORF. Blümlialpstraße 10 in 8006 Zürich – das ist die beste Adresse für ökonomische Forschung im deutschsprachigen Raum. Hier, in einem nüchternen Betonbau mit dem Charme der frühen siebziger Jahre, arbeiten zwei der produktivsten Volkswirte fast Tür an Tür: Bruno Frey und Ernst Fehr. Zusammen kommen die Professoren der Universität Zürich auf mehr Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften als das gesamte VWL-Personal der Uni Köln, der größten deutschen Fakultät für Wirtschaftswissenschaften.

Das sind Ergebnisse einer umfassenden Handelsblatt-Studie zur Forschungsleistung der Volkswirte in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Für die Untersuchung analysierte das Handelsblatt die Literaturverzeichnisse von mehr als 850 Forschern an gut 90 Unis und Instituten. Die Methodik folgt international etablierten Standards zur Evaluierung ökonomischer Forschung. Gezählt wurden Aufsätze in den 182 wichtigsten internationalen Fachzeitschriften. Die Qualität der Journale wurde anhand von zwei europäischen Studien bewertet.

Ähnliche Kriterien legen moderne VWL-Fakultäten bei der Berufung neuer Professoren an. „Wer heute als Volkswirt wissenschaftlich Karriere machen will, sollte zeigen, dass er mit seinen Papieren in anerkannte Fachzeitschriften kommt“, sagt Hans Peter Grüner, Ökonomie-Professor in Mannheim.

In Deutschland bildet sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der Fakultäten heraus. Zum einen gibt es eine kleine Spitzengruppe von Top-Fakultäten, die international konkurrenzfähig sind und die besten Nachwuchswissenschaftler des Landes an sich binden. Dieser Elite steht eine große Gruppe von rund 50 Fakultäten gegenüber, die nicht ansatzweise den Anschluss an internationale Wissenschaftsstandards gefunden hat.


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Dieses Ergebnis ist brisant. Denn die Forschung ist neben der Lehre die Hauptaufgabe der Hochschulen – doch viele VWL-Professoren vernachlässigen sie offenbar. Nur knapp ein Dutzend Fakultäten bringen es pro Professor und Jahr auf mindestens einen Aufsatz in einer Zeitschrift der niedrigsten in der Handelsblatt-Studie noch berücksichtigten Qualitätsstufe. Ein Viertel aller deutschen Professoren hat während ihrer gesamten Karriere nicht ein einziges Mal einen Aufsatz in einer dieser Zeitschriften veröffentlicht.

„Es steht nicht gut um die internationale Präsenz von Forschern in Deutschland“, sagte Jacques Drèze, Grandseigneur der europäischen Wirtschaftswissenschaft, im August auf der Jahrestagung der European Economic Association (EEA) in Wien. Der 77-jährige Belgier betonte aber auch: „An mehreren deutschen Universitäten gibt es Fortschritte.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Bonner Volkswirte haben Konkurrenz bekommen

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