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HANDELSBLATT, Freitag, 15. Juni 2007, 17:09 Uhr
Automobilbranche

Formel E

Von Franz Rother

Die meisten Spitzenkräfte der großen Automobilkonzerne treten dieser Tage äußerst umweltbewusst auf. Unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Befürchtung, den Anschluss zu verlieren, hat bei den Herstellern das Umdenken begonnen. Wie die Klimadebatte die Unternehmen zwingt, in neue spritsparende Technik zu investieren.



Quelle: Wirtschaftswoche
Quelle: Wirtschaftswoche

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Dieses Auto ist für jeden Umweltschützer in diesen Tagen eine einzige Provokation: tiefschwarz und tiefgeduckt steht es in Halle 4 des Genfer Automobilsalons. Der Plakatständer davor macht alles noch schlimmer: "Weltrekord", steht dort in großen Lettern. Unter Aufsicht des TÜV Süd, erfährt der Leser weiter, hätte der 730 PS starke und 348 000 Euro teure Brabus Rocket auf Basis des Mercedes CLS auf der High-Speed-Kreisbahn im süditalienische Nardo eine Geschwindigkeit von fast 366 Stundenkilometer erreicht. Die Frage nach dem Benzinverbrauch und dem Kohlendioxidausstoß bleibt der Erbauer der schwarzen Rakete, die Bottroper Tuning-Schmiede Brabus, erst einmal schuldig. Die Daten (14,9 Liter Benzin im Drittelmix, 357 Gramm CO2 pro Kilometer nach Euro-Norm) finden sich erst ganz hinten im Firmenprospekt. Wie hoch die Werte im Alltagsverkehr sind, lässt sich nur erahnen.

Obwohl es angeblich nur noch 15 Jahre bis zur Klimakatastrophe sind, gibt sich Raketenkonstrukteur und Brabus-Geschäftsführer Bodo Buschmann gelassen: "Im Ausland spielt die Klimadebatte bislang keine Rolle." Im Übrigen, erläutert er mit breitem Grinsen, könne sich die Ökobilanz des Unternehmens sehen lassen: Mit einem durchschnittlichen Wert von 173 Gramm CO2 pro Kilometer stehe die Brabus-Flotte deutlich besser da als mancher der großen deutschen Hersteller von Premium-Autos. Die Erklärung: Das Unternehmen verkauft neben PS-strotzenden und spritsaufenden Mercedes-Sportwagen in großer Zahl auch veredelte Ausgaben des Sparmobils Smart.

So viel Chuzpe wie Buschmann haben in diesen, durch die Klimadebatte aufgeheizten Tagen nicht viele Automanager aus Deutschland. Die meisten Spitzenkräfte der großen Konzerne treten derzeit lieber leise, defensiv und umweltbewusst auf. So ließ sich VW-Chef Martin Winterkorn publikumswirksam statt im Zwölfzylinder-Phaeton in einem kleinen Polo Blue Motion durch Genf chauffieren, an dessen Flanke groß die Aufschrift "102g/km" prangte. Smart-Chef Ulrich Walker schickte eine Flotte von rot und gelb lackierten Exemplaren des neuen ForTwo Diesel in die Stadt, die mit Emissionen von nur 88 Gramm pro Kilometer derzeit stolz den Titel des "CO2-Champions" beanspruchen. DaimlerChrysler präsentierte den Mercedes C-Vision mit einem besonders sauberen und sparsamen Dieselmotor, BMW feierte eine neue Motorengeneration mit Benzin-Direkteinspritzung und das neue 1er-Coupé, das serienmäßig eine spritsparende Start-Stopp-Automatik sowie Bremsenergie-Rückgewinnung an Bord hat. Opel kündigte die Wiederaufnahme der Produktion sparsamer Eco-Modelle an, Audi eine Reihe von Fahrzeugen mit einem großen E für Eco im Typenschild. Sogar der Sportwagenhersteller Porsche bemüht sich um ein besseres Klima: Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche kündigte Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer nicht nur eine ganze Palette von Fahrzeugen mir Hybridantrieb an und verriet, dass sich das Unternehmen intensiv mit der Dieseltechnologie auseinandersetzt: "Kein Porsche-Fahrer möchte sozial unverträglich erscheinen".

Soviel Öko war nicht mehr, seit Volkswagen auf der IAA 1997 mit dem Lupo TDI das weltweit erste 3-Liter-Auto präsentierte. Die Diskussion um den Klimawandel und das Scheitern der europäischen Autohersteller an den selbstgesteckten Zielen zur Minderung der CO2-Emissionen aus dem Pkw-Verkehr hat die deutsche Autoindustrie mächtig in Zugzwang gebracht. Wegen ihrer PS-starken Autos rangieren Mercedes, BMW & Co. derzeit in Europa nur auf den hinteren Plätzen der Klima-Autobilanz.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Toyota triumphiert - und die deutschen Autobauer blasen zur Aufholjagd.


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