Olympia
Die Angst der Athleten vor Olympia: Bleibt die Lage stabil?

Der politische Konflikt zwischen den USA und Nordkorea scheint etwas an Schärfe verloren zu haben - rund elf Wochen vor Olympia in Pyeongchang ist die Sorge der deutschen Wintersportler aber nach wie vor groß.
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Manch einer erwägt trotz vierjähriger Vorbereitung einen Startverzicht, sollte sich die Lage wieder zuspitzen. Denn die Spiele finden nur etwa 80 Kilometer von der inner-koreanischen Grenze statt. Die meisten vertrauen den Empfehlungen der Sportfunktionäre, ergab eine dpa-Umfrage unter den Olympia-Kandidaten: Wenn von offizieller Seite das Okay gegeben wird, sind die Sportler dabei.

Stellvertretend für viele sagte Biathletin Laura Dahlmeier: „Ich freue mich auf der einen Seite wahnsinnig auf Olympia. Es ist ein Kindheitstraum. Ich denke, dass es sportlich tolle Wettkämpfe werden, aber natürlich spielt die Sicherheitslage schon eine gewisse Rolle.” Es sei aber an der Zeit, dass sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Fachverbände äußerten. „Wir müssen uns auf den Sport konzentrieren und ich hoffe einfach, dass wenn die Spiele beginnen, es keine sicherheitstechnischen Bedenken gibt”, sagte die siebenmalige Weltmeisterin aus Garmisch-Partenkirchen.

Shorttrackerin Anna Seidel macht die angespannte Situation Angst. „Man hat das stets im Hinterkopf. Aber es wird viele Sicherheitsmaßnahmen geben. Ein Nichtstart ist für mich jedenfalls keine Option”, sagte die Dresdnerin. „Es sei denn, Olympia wird abgesagt. Das wäre ein riesiger Einschnitt.”

Angesichts der angespannten politischen Situation können die Eisschnellläufer selbst über eine Reise zu den Winterspielen (9. bis 25. Februar) entscheiden. Das stellt Sportdirektor Robert Bartko klar: „Wir haben sehr großes Vertrauen in die Bundesregierung und das Auswärtige Amt. So lange diese Institutionen grünes Licht für einen Start bei den Spielen geben, werden wir als Team dort dabei sein.” Wegen des Atomprogramms Nordkoreas ist die Situation auf der koreanischen Halbinsel nach wie vor brisant.

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein ist optimistisch, Spiele ohne Sicherheitsprobleme zu erleben. „Wir waren 2002 in Salt Lake City nach dem Attentat von 9/11 in New York. Und Salt Lake war bei den Winterspielen damals der sicherste Ort der Welt. Im nächsten Jahr wird Pyeongchang der sicherste Ort der Welt sein”, sagte die 45-jährige Medaillenkandidatin.

Ziemlich genau wird sich Felix Neureuther die Sicherheitsfrage stellen. Der Jung-Vater liebäugelt zwar mit seiner ersten olympischen Medaille, aber nur, wenn er ruhigen Gewissens losfliegen kann. Zu Beginn der Saison kritisierte er bereits die Verbände IOC und DOSB für deren öffentliche Zurückhaltung. „Wahnsinn! Du musst doch einmal Stellung beziehen!”, sagte Deutschlands bester Skirennfahrer. Das Thema werde von den Sportverbänden „ziemlich runtergespielt”. Als einer der wenigen Wintersportler positionierte sich Neureuther klar.

Eine kritische Haltung hat auch der zweimalige Biathlon-Weltmeister Erik Lesser. „Über die Vergabe von Großereignissen muss ich nicht schwadronieren. Das sehen mittlerweile viele Sportfans kritisch wie wir, die in dem System sind, ob Fußball-WM, Biathlon-WM oder Olympia. Da gehört viel Geld dazu, dass man sich irgendwelche Stimmen kauft. Das ist ja ein offenes Geheimnis. Man muss damit leben und das Beste draus machen.” Als Athlet müsse man sich nun darauf verlassen, was die Bundesregierung empfehle, sagte der Thüringer. „Damit darf ich mich jetzt nicht befassen, weil ich mich auf Olympia vorbereite.”

Auch Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster verlässt sich auf Entscheidungen der Politik. „Sollte die Situation wirklich eskalieren und ich hoffe sehr, dass es auf anderer Ebene gelöst wird, bevor es eskaliert, möchte ich nicht, dass wir Trainer und Sportler vor die Entscheidung gestellt werden zu sagen: Ich traue mich rüber oder ich traue mich nicht rüber”, sagte der Österreicher. Olympiasieger Eric Frenzel (Nordische Kombination) sorgt sich weniger: „Mir ist wichtig, dass wir tolle Spiele erleben können, wo auch immer. Südkorea ist nicht Nordkorea.”

Und Eishockey-Präsident Franz Reindl hat einen Rat für die Aktiven: „Als Sportler sage ich, 100 Prozent vorbereiten, kein Zögern, kein Wenn und Aber. Absagen kann man immer noch, wenn sich eine Gefahrensituation herauskristallisiert und unsere Institutionen DOSB und BMI entsprechende Warnungen aussprechen.”

DOSB zu Winterspielen in Pyeongchang

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