
„Der größere Teil der Welt“ - Jennifer EganJennifer Egans „Der größere Teil der Welt“ ist ein höchst intelligenter, oft finsterer Blick auf das Aufwachsen und Älterwerden im Computer-Zeitalter. Sasha, Kleptomanin, ist vom Date mit dem jüngeren Alex enttäuscht und stiehlt auf der Damentoilette eine Geldbörse. Bei der demütigenden Konfrontation mit dem Opfer schrammt sie haarscharf an der Katastrophe vorbei. Zuhause, zwischen Sex und Wannenbad, klaut sie Alex aus dessen Brieftasche einen Zettel mit der Widmung „Ich glaube an dich“. Das alles breitet die 35-jährige New Yorkerin beim Psychiater Coz aus, mit dem, da ist Sasha sicher, die Bekämpfung der Sucht gut enden wird. Wirklich? Was erst mal zählt, ist der Platz auf der Couch, von der aus sie ihrem Seelenklempner das kostbarste aller Güter klauen kann: „Diese Minuten von Coz' Zeit, eine, dann noch eine und immer wieder noch eine.“ So endet das brillant gestaltete Eröffnungskapitel von Jennifer Egans „Der größere Teil der Welt“. Zwölf weitere mit wechselnder Personengalerie folgen, in denen Sasha hin und wieder auftaucht, mal am Rande, mal mehr im Zentrum. Als begehrte College-Studentin, als heruntergekommene, vereinsamte Backpackerin in Neapel, am Ende als offenbar irgendwie zur Ruhe gekommene Arzt-Gattin in einer Wüstenstadt. Hier stellt Sashas Tochter Alison die Mutter, den Vater, ihren psychisch angeknacksten Bruder und die Probleme miteinander in den mit Pfeilen bestückten Kästen einer Powerpoint-Präsentation vor. „Die besten Pausen der Rockgeschichte“ steht drüber, denn der Bruder Lincoln interessiert sich für komplette Stille als Teil von Songs. Wie in „Foxy Lady“ von Hendrix und „Bernadette“ von den Temptations. Bildquelle: Verlag Schöffling & Co.

Meisterhaft erzählt die 49-jährige Egan hier aus der Sicht einer 12-Jährigen. Sie füllt elegant die auf Meetings aller Art zu Tode gerittene Form der Powerpoint-Präsentation über 75 Seiten mit Leben. Ihren ersten eigenen Computer bekam sie 1984 vom Apple-Gründer Steve Jobs nach Hause gebracht. Den Heiratswunsch des mit dem ersten Macintosh gerade berühmtgewordenen Mannes aus San Francisco wies Egan ab. Sie fühlte sich mit 22 zu jung. Egan springt über vierzig Jahre mal vor, dann wieder zurück und siedelt das Finale in der Zukunft an. Hier können drei Monate alte Babys auf „Smartpads“ Songs aufrufen. Egan erzählt temporeich, vor Ideen sprudelnd, kühl beobachtend, aber auch voll Mitgefühl für ihre oft strandenden Figuren. Den Pulitzerpreis 2011 hat sie auch bekommen, weil die Jury begeistert war vom scharfem Blick der Autorin auf kulturelle und andere Ströme vom Ende der Hippie-Ära bis zum bevorstehenden Ende der Twitter-Ära. Die US-Kritik war begeistert von Egans Souveränität bei der Formgebung ohne künstliche „postmoderne“ Tricks: Die 13 Kapitel können jeweils für sich allein stehen, entfalten aber durch die oft verblüffenden Querverbindungen zwischen den Figuren eine epische Breite, die die „New York Review of Books“ an Thomas Manns „Buddenbrooks“ erinnert. Inspiriert habe sie das 100 Jahre alte „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust und die vor fünf Jahren eingestellte TV-Serie „Sopranos“, erzählt Egan in Interviews. Die Zeit trennt und bindet die auf wundersame Weise verwobene Personengalerie über drei Generationen. Wie heißt es gegen Ende in Anlehnung an die SMS-Verkürzungen unserer Tage vieldeutig und mit Fragezeichen: „Wo KindR sind, gibz zukunft, odR?“. Jennifer Egan: Der größere Teil der Welt, Schöffling & Co, 392 Seiten, € 22,95, ISBN 978-3-89561-224-4Quelle: dpa

„Ende“ - David MonteagudoDas beklemmend-schöne Debüt des Spaniers David Monteagudo ist ein Buch, dessen Sog man sich kaum entziehen kann. Einen so rasanten Aufstieg wie David Monteagudo hat wohl selten jemand erlebt. Ein einziger Roman katapultierte den Mechaniker in einer Papierfabrik zu einem der gefragtesten spanischen Bestsellerautoren. Das Buch mit dem schlichten Titel „Ende“ war vor zwei Jahren der große Überraschungserfolg in Spanien. Der Autor scheint mit seinen fast fünfzig Jahren ein Spätberufener zu sein. Tatsächlich hatte er schon zehn Romane zu Hause in der Schublade liegen, die zunächst kein Verleger haben wollte. Aber dann kam „Ende“, und der katalanische Verlag Acantilado griff zu. Und das ganz zu Recht. Denn „Ende“ vereint die Qualitäten eines packenden Psycho-Thrillers mit der surrealen Aura eines Endzeit-Romans. Jetzt hat der Rowohlt Verlag die deutsche Version herausgebracht. Die Geschichte beginnt harmlos. Eine Gruppe von Freunden beschließt nach über zwanzig Jahren, sich wiederzusehen. Treffpunkt ist eine einsame Berghütte, wo man 1983 eine denkwürdige Party feierte. Man kennt solche Szenarien von eigenen Klassentreffen. Wie hat der Zahn der Zeit die Freunde verändert, wie hat er Träume und Hoffnungen glatt geschliffen? Monteagudo präsentiert uns typische Mittelklassespanier in den besten Jahren mit den üblichen Biografien: Geschiedene alleinerziehende Frauen, nervige Versicherungsvertreter, coole Geschäftsleute. Die einen fahren die etwas größeren Autos, die anderen haben dafür die schöneren Frauen. Da ist der Zyniker, der Witzbold, die schlagfertige Quasselstrippe. Animositäten und Nickeligkeiten haben sich über die Zeit gerettet. Quelle: dpa

In treffenden Dialogen und einer schnörkellosen Sprache gelingt es Monteagudo (Foto), diese offenen oder unterschwelligen Spannungen und die unterschiedlichen Charaktere herauszuarbeiten. Langsam macht sich beim Leser jedoch ein mulmiges Gefühl breit. Einer der Freunde, der sogenannte „Prophet“, ist nicht gekommen, obwohl er sich angekündigt hatte. Ihn, den Außenseiter, umgibt ein düsteres Geheimnis. Die Freunde, so ahnen wir, müssen ihm seinerzeit böse mitgespielt haben. Denn auf die eine oder andere Art fühlen sie sich bis heute schuldig. Dann ist plötzlich einer der Freunde spurlos verschwunden. Der Rest der Clique wagt einen Ausbruchsversuch hin zur nächsten Siedlung. Doch als sie dort ankommen, ist diese menschenleer. Nur herrenlose Hunde durchstreifen das Dorf, verlassene Autos stehen am Straßenrand. Die Gruppe bricht auf in die nächste Stadt, doch auf den Weg dorthin durch eine Schlucht verschwindet einer nach dem anderen plötzlich spurlos. Verzweiflung, ja Panik macht sich unter den Übriggebliebenen breit. Wer wird der nächste sein? Und warum begegnen sie keiner Menschenseele? „Ende“ ist ein Buch, das man kaum aus der Hand legen mag, so meisterhaft versteht es Monteagudo Spannung aufzubauen und das alptraumhafte Geschehen zu entwickeln. Er lässt den Leser mit den Romanhelden rätseln und fiebern: Gibt es für all die unheimlichen Geschehnisse eine rationale Erklärung, handelt es sich nur um tragische Zufälle oder sind da doch übersinnliche Kräfte am Werk? Gibt es so etwas wie biblische Rache für eine Jugendsünde oder ist es gar „das Ende, das Ende von allem“, wie eine Protagonistin verzweifelt argwöhnt? Monteagudo ist ein ebenso beklemmendes wie faszinierendes Buch gelungen, das geradezu nach Verfilmung schreit. Es verwundet deshalb nicht, dass die Filmrechte bereits vergeben sind. David Monteagudo: Ende, Rowohlt, 352 Seiten, € 19,95, ISBN 978-3-498-04520-3Quelle: Rowohlt Verlag, © AlcantiladoQuelle: Rowohlt Verlag

„Pampa Blues“ -Rolf LappertBen hat ein paar Muskeln, ist ziemlich braun gebrannt, nicht allzu dumm und ein hübscher Junge. Dennoch ist der 16-jährige Ich-Erzähler voller Komplexe: Er sei ein „unerfahrener Knilch“ und sehe aus wie ein „Zwerg mit Bulimie“. Aber wie soll er auch seine Hemmungen ablegen, wenn er immer nur in einem langweiligen Nest mit versoffenen alten Bauern herumhängt? Im Roman „Pampa Blues“ geht es um eine traurige Jugend in einem noch traurigeren Dorf. Der Schweizer Schriftsteller Rolf Lappert wagt den Schritt in das Genre Jugendroman. Bisher hatte er vor allem Erwachsenen-Romane und Gedichte verfasst. Nun schreibt Lappert über das Landleben. Das fiktive Dorf Wingroden ist nicht nur verschlafen und trist, es ist auch von der Zeit gezeichnet. Die wenigen Bauernhöfe sind nichts mehr wert. Frauen sind schon lange kaum mehr gesehen worden. Nur die schöne Friseurin Anna schneidet den Einwohnern zuweilen die Haare und verdreht dem ein oder anderen dabei den Kopf. Mehr passiert nicht. Mittendrin lebt Ben Schelling, der einzige Jugendliche im Dorf. Sein Vater ist tot und seine Mutter ist auf einer endlosen Konzertreise durch Europa. So muss sich der 16-Jährige allein um seinen dementen Großvater Karl kümmern: “ Ben nimmt Karl allabendlich mit in die Dorfschenke, in der es für den Alten nur Limo und Cola gibt. Die anderen saufen Bier bis zum Limit: „Nüchtern ist das Leben in Wingroden kaum auszuhalten.“ Der Großvater ist dabei, wenn Ben an den Baggersee fährt. Manchmal stellt er ihn einfach als lebende Vogelscheuche aufs Weizenfeld, auch wenn Vögel schon lange nicht mehr über das Dorf geflogen sind. Statt der Vögel besucht ein Raumschiff die Gegend. Es zeigt sich nacheinander allen Bauern. Aber das ist nur ein großer Coup: Der Dorf-Hallodri Maslow hat den Plan, UFO-Jünger nach Wingroden zu locken und so den Tourismus und das Leben anzukurbeln. Dafür spannt er ohne ihr Wissen die anderen Einwohner ein. Ein bisschen Aufregung entsteht am Stammtisch - aber Weltraumfans reisen keine an. Quelle: dpa

Zeitgleich kommt aber tatsächlich ein unbekanntes Wesen ins Dorf: die 20-jährige Lena, die Ben sofort in ihren Bann zieht: „Ihre braunen Augen mit den hellen Splittern in den Pupillen. Die Sommersprossen unter der leichten Sonnenbräune.“ Lappert trifft in seinen romantischen Passagen ziemlich genau das poetische Verständnis eines 16-jährigen Dorfjungen. Lena würfelt die Landwelt mächtig durcheinander. Während die Romanhandlung anfangs ein bisschen behäbig dahinplätschert, aber dennoch von der flotten Sprache Lapperts getragen wird, gewinnt sie mit der Ankunft des Mädchens enorm an Fahrt: Ein Einbrecher dreht nächtliche Runden, ein Mord geschieht und in Bens Bauch flattern heftig die Schmetterlinge. In der zweiten Buchhälfte türmt der Autor skurrile Einfälle aufeinander und fädelt unterschiedliche Handlungsstränge gekonnt zusammen. Lappert verfasst mit „Pampa Blues“ ein kurioses Kammerspiel. In dieser Form findet er den Platz, soziale Fragen anzudeuten: Was passiert, wenn ausgebildete, junge Frauen das Landleben verlassen? Was tun, wenn die eigene Heimat den Bach runter geht? Oder: Wie stehen verschiedene Generationen zueinander? So sind es auch die Episoden mit Bens Großvater, die den Roman besonders machen. Die Sprache wird dann lakonisch und ironisch. Und zuweilen macht sich Ben ganz alltägliche Gedanken: „Aber falls es Gott gibt und falls er einen Sinn für Gerechtigkeit hat, könnte er ruhig dafür sorgen, dass Karls Gehirn wieder funktioniert und ich endlich mein eigenes Leben bekomme.“ Eine solche Jugendphilosophie stellt viele Fragen - beantworten muss sie der Leser. Rolf Lappert: Pampa Blues, Hanser Verlag, 256 Seiten, € 14,90, ISBN 978-3-446-23895-4Quelle: dpa

„Henry haut ab“ - Tom SharpeDie Zeiten, in denen Tom Sharpe regelmäßig ein neues Buch schrieb, sind längst vorbei. Immerhin wird der britische Altmeister des schwarzen Humors am 30. März bereits 84. Fans seiner Lieblingsfigur Henry Wilt mussten sich daher gedulden. Aber das Warten hat sich gelohnt. Wilt ist wieder da - und wie. Alles, was Sharpe schon früher vorgeworfen wurde, lässt sich auch gegen „Henry haut ab“ ins Feld führen: Die Grenzen des guten Geschmacks werden konsequent überschritten, der Plot ist an den Haaren herbeigezogen, die Handlung überdreht, die Figuren sind überzeichnet, Klischees werden reichlich bedient. Sharpes Fans werden es lieben. Es ist, als hätte jemand den Autor aufgefordert, hemmungslos seine humoristischen Fantasien auszuleben, ohne Rücksichten auf Political Correctness zu nehmen. Genau das ist es, was viele an Sharpe schätzen, seit er in „Puppenmord“ die Figur des vom Schicksal gebeutelten Henry Wilt erfunden hat. Das war immerhin schon 1976. Wilt ist im Debütroman noch Berufsschullehrer, unterrichtet Metzger-Azubis in Literatur und gerät in peinliche Verwicklungen, als er aus einer Ohnmacht aufwacht und nackt an eine Sexpuppe gefesselt ist. Ähnlich schräg geht es im jüngsten Sharpe-Roman weiter. Wilt ist mittlerweile Dozent an einem College, nach wie vor mit Eva verheiratet, hat nun allerdings pubertierende Vierlinge, Töchter, wie man sie seinem ärgsten Feind nicht wünscht. Das Internat, das sie besuchen, kann sich die Familie eigentlich gar nicht leisten. Und es ist auch sonst nichts für die vier verzogenen Mädchen, die den Lehrern das Leben zur Hölle machen - und der Direktorin eine Männerunterhose und ein gebrauchtes Kondom ins Ehebett schmuggeln, um ihren misstrauischen Mann zur Weißglut zu treiben. Bildquelle: © Verlagsgruppe Random House GmbH

Damit die Schulgebühren finanziert werden können, fädelt Eva einen Ferienjob der besonderen Art für Henry ein: Er soll dem Sohn von Lady Clarissa solange Nachhilfe geben, bis der eine Chance auf einen Studienplatz in Cambridge hat. Dabei hat Eddie in etwa den Intelligenzquotienten einer Reiswaffel. Wofür er sich allenfalls interessiert, sind Schießübungen mit großkalibrigen Gewehren. Sir George, sein Stiefvater, ist sozial mindestens genauso gestört. Für Eddie empfindet er nur Verachtung, und zu seinen wenigen Leidenschaften gehört Sex mit dicken Frauen. Sharpe (Foto) karikiert ihn als übellauniges Großmaul. Seine Frau Lady Clarissa dagegen, Nymphomanin mit dem verhängnisvollen Hang zu Alkohol am Vormittag, Nachmittag und in den Abendstunden, vergöttert ihren Eddie in einer Form von Mutterliebe, die nicht gutgehen kann. Als Henry mit seiner Familie aufs Anwesen der seltsamen Landadelsfamilie zieht, um den debilen Sohn zu unterrichten, ist die Katastrophe programmiert. Viele böse Pointen und zwei Tote später steht Wilt mal wieder unter Mordverdacht - wie schon im Debütroman vor mehr als 35 Jahren. Auch diesmal kommt es nicht zur Anklage. Doch die ermittelnden Polizisten sind heilfroh, als es vorbei ist. Für Sharpes Fans könnte es ruhig noch ein bisschen weitergehen. Tom Sharpe: Henry haut ab, Goldmann, 320 Seiten, € 17,99, ISBN 978-3-442-31263-4Quelle: dpa

„Das Herz der Puppe“ - Rafik SchamiRafik Schami ist in vieler Hinsicht ein Grenzgänger. Auch das neueste Werk des in Syrien geborenen, aber seit langem in Deutschland lebenden Autoren zeigt das wieder: „Das Herz der Puppe“ heißt es und ist ein Kinderbuch für Leser ab acht Jahren - einerseits. Andererseits ist es viel mehr als das: eine Parabel über die Bedeutung von Freundschaft und Fantasie, das Überwinden von Ängsten und über die Chance, ein Kind zu bleiben, auch wenn man groß wird. Die Geschichte beginnt an einem grauen, trüben Samstag, als Nina und ihre Eltern auf den Flohmarkt gehen. Eigentlich wollen sie eine Lampe kaufen. Aber dann entdeckt Nina am gleichen Stand eine alte Puppe mit feuerrotem Haar und grünen Augen. „Das ist sie“, fühlt sie sofort, die Puppe, die sie immer haben wollte und nun für nur zwei Euro kaufen darf. „Es waren schon viele da, die sie haben wollten, aber sie hat auf dich gewartet“, sagt der Flohmarkthändler. „Du passt gut auf sie auf, versprochen?“ Denn Nina und die Puppe sind wie füreinander bestimmt. Jahrelang hatte sie auf einem Dachboden gelegen, vergessen von den Menschen, die dort wohnen und bedeutungslos geworden für ihre einstigen Besitzer. Sie heißt Widu und kann sprechen. Und sie hat noch eine viel wichtigere Eigenschaft, die Nina schon bald zu schätzen lernt: Sie saugt die Angst weg, ja, sie ernährt sich von Angst. Bildquelle: Hanser Verlage

Eine Win-Win-Situation der besonderen Art ist das: Nina und Widu sind bald wie dicke Freunde, wie Menschen, die sich schon lange kennen und vertrauen und miteinander wachsen. Und die auch schwierige Situationen zusammen meistern, selbst ganz schlimme wie die, als Nina mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kommt und zu sterben droht. Da entscheidet sich Widu dafür, ein Herz zu bekommen, weil sie Nina nur so retten kann Doch ein Herz für eine Puppe bedeutet, dass sie selbst sterblich wird, zum Tode verurteilt in dem Augenblick, in dem das Kind, dem sie gehört, erwachsen wird und sie vergisst. Rafik Schami (Foto) hat die Hoffnung, dass es nicht so weit kommt, dass die Chance besteht, erwachsen zu werden und dennoch ein Kind zu bleiben, das staunen und sich wundern kann. „Das Herz der Puppe“ ist deshalb viel mehr als ein simples Kinderbuch, gleichzeitig klug und sehr schön und manchmal geradezu philosophisch - zurückhaltend und sehr passend illustriert von Kathrin Schärer. Rafik Schami: Das Herz der Puppe, Hanser, 192 Seiten, € 12,90, ISBN 978-3-446-23896-1Quelle: dpa