Anselm Kiefer
Künstler will altes Atomkraftwerk kaufen

Der Künstler Anselm Kiefer will das stillgelegte Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich kaufen. Der Energiekonzern RWE bestätigte Gespräche mit dem Künstler. Man sei grundsätzlich offen für eine Veräußerung, so eine Sprecherin.
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Frankfurt/Düsseldorf„Dieses Atomkraftwerk ist so fantastisch. Wunderbar. Das ist mein Pantheon“, sagte Kiefer dem „Spiegel“. Er sei mit dem RWE-Chef zu dem Werk nordwestlich von Koblenz gefahren. Der Kühlturm sei nicht verstrahlt. „Aber ich hätte gerne auch das ganze Kraftwerk.“ Der Energiekonzern bestätigte die Gespräche und zeigte sich offen für eine Veräußerung des seit vielen Jahren stillgelegten Kraftwerks. „Ein Verkauf könnte frühestens im Laufe des nächsten Jahres über die Bühne gehen, wenn der Kühlturm nicht mehr unter das Atomgesetz fällt“, sagte ein RWE-Power-Sprecherin. „Entschieden ist aber noch nichts.“

Kiefer hat nach eigenen Worten noch nicht entschieden, was er mit dem Gelände nach einem Kauf machen will. „Aber ich denke, man muss mit diesen Atomkraftwerken etwas tun. Noch sind die Menschen nicht fähig, die Technik zu beherrschen. Aber Kernkraftwerke sind die fantastische Form der Energieerzeugung. Das ist ein Perpetuum mobile, das hat etwas Mythologisches.“

Das Kraftwerk Mülheim-Kärlich nahm 1986 seinen Probebetrieb auf, wurde wegen Mängeln aber nach 13 Monaten wieder abgeschaltet. Seit 2004 wird das Kraftwerk nun abgebaut. Nach RWE-Angaben wurden im Sommer 2002 die letzten Brennelemente und damit 99 Prozent des radioaktiven Materials abtransportiert. Einem Verkauf von Anlagen an Kiefer müssten auch die Behörden zustimmen, sagte die Firmensprecherin. Auch andere Energiekonzerne wie E.ON, Vattenfall oder EnBW werden den Verkaufsprozess von Mülheim-Kärlich mit Interesse verfolgen.

In Deutschland sind nach der jahrzehntelangen Nutzung der Atomenergie mehr als ein Dutzend Atomkraftwerke stillgelegt worden. Im Anschluss müssen die Betreiber den Kernbrennstoff entsorgen und die Anlage über viele Jahre abreißen, so dass dort am Ende wieder eine leere Fläche entsteht. Diese kann nach der Freigabe durch die Behörden für andere Zwecke genutzt werden. Ein Beispiel ist das Atomkraftwerk Kalkar am Niederrhein, das wegen Sicherheitsbedenken und Protesten der Bevölkerung nie in Betrieb ging. 1995 kaufte der Niederländer Hennie van der Most den „Schnellen Brüter“ und baute das Gelände zu einem Hotel-, Tagungs- und Freizeitzentrum um.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Ja" Künstler brauchen Ihren künstlerischen Spielraum obwohl bei einer solchen Kapitalanlage auch Zentraler gelegen wo möglich wäre.Wenn wirklich ganze 11 Unterlagen zum Kauf aufgebracht werden müssen möchte der Bezirksrat wohl Heut und Morgen noch nicht verkaufen. Ev. möchte er jüngere Unternehmer mit Zukunftsträchtigeren Einfällen.Und das ganze als ( Kieferhöhle ) zu verkaufen wirft einfach ein schlechtes Licht auf die Regierung. Es ist Klar das Deutschland nicht alle 56 Kernkraftwerke an Holland verkaufen kann. Es ist und bleibt ein Kauf mit Auflagen.
    Wie z.B.die Absicherung des Geländes oder Wiederbegrünnung von Min. 30 % der Fläche , Recycling von etwaigen Altlasten die den Heutigen Baustandard nicht mehr entsprechen,(Asbest,PVC,Sauerkrautplatten).Reizvoll ist so ein Kauf sicher weil der Kaufpreis nur einen Obligatorischen Wert veranschlagt. Weil wohl Agrar bau vorerst nicht betrieben werden darf und so einen Kühlturm
    klein zumeißeln danach auf die Deponie zu Fahren Kostet sicher auch eine Kleinigkeit.Kann mich nicht Irgendjemand Herrn Kiefer als Stiller Teilhaber Vorschlagen? Ich möchte
    auch mal mit dem Chef von RWE zum Behördengang fahren. Wie wohl die Mitarbeiter des Bürgeramtes auf solch ein Treffen reagieren? Oder werden Anwälte in Auftrag zu Rate gezogen.
    Wie es aussieht bleibt der Besitz bei der Obersten Zehntausender grenze.Der Schlagzeile das der Käufer für die Beseitigung der Reststrahlung aufkommen muß schenke ich nur wenig Glauben. Das ist nur wieder eine Behauptung um Mitbieter oder Konkurrenz klein zu halten oder von vornherein aus zu Kommerzen.Wie es Markler nun einmal app
    einer gewissen Grundgröße tun.

    Sandro König
    (Prinz der Oranie)

  • DerSpiegel 12/89
    "Weil RWE-Ingenieure sich über "zu strenge" Sicherheitsauflagen beschwert hatten, wurden..."Gutachterbedingungen erheblich abgeschwächt zugunsten der Antragsteller". Auf diesem Weg wurde die wichtige Auflage, aus dem Sekundärkreislauf dürfe keine radiologische Belastung bei Dampfabgabe in die Atmosphäre erfolgen, zurückgenommen."
    Damit hat der Hersteller bestätigt, dass der Sekundärkreislauf, d.h. der Kühlkreislauf nicht ohne radioaktive Belastung sein kann.

    Und weiter:"Mehrfach mahnten die Prüfer, daß die von den Kraftwerksbauern vorgelegten Unterlagen für eine Bearbeitung nicht ausreichten. Nur eine von elf eingereichten Unterlagen hatte "einen gewissen Aussagewert". Von Anfang an tat sich der TÜV mit der Beurteilung des Reaktorkonzepts schwer."
    "Die Auftragsvergabe überraschte die Atombranche. Die Mannheimer BBR hatte bis dahin keinerlei Erfahrung im Kernkraftwerksbau.Das wußte auch die Mainzer Landesregierung. Nach einem Gespräch zwischen Wissenschaftlern, Ministerpräsident Kohl und Wirtschaftsminister Holkenbrink notierte ein Ministerialer, daß sich "die Bedenken eines Gesprächsteilnehmers, daß Rheinland-Pfalz als ,Versuchskaninchen' dienen soll, sich eher bestätigt als abgeschwächt haben". ... Bis heute (Artikel von 12/1989) hat kein bundesdeutscher Gutachter die Original-Rechenprogramme zu sehen bekommen."

    Wir kennen einen Menschen, der Anfang der 80er in Mannheim an der "Spinne" gearbeitet hat, ein Gestänge das die Brennstäbe fasst, an denen sie herein- u. herausfahren. Der Betrieb, BBR, sei gut gesichert gewesen-gemeint waren die Zugangskontrollen. Dort sei auch ein Granulat in die Glasröhren abgefüllt worden. Ja, das sei Uran gewesen, aber es war alles hinter Glas, alles gesichert. Sein Sohn, der kurz danach geboren wurde ist behindert und sucht noch heute einen festen Arbeitsplatz.
    Die BBR habe mit der Technik erhebliche Probleme gehabt, die sie nie in den Griff bekamen. 1988 wurde die BBR aufgelöst (ABB)

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