:-) Das E-Mail-Grinsen wird 30

Emoticons haben sich im digitalen Schriftverkehr mehr als etabliert. Vor 30 Jahren begann alles mit einem Smiley. Mittlerweile sind die Variationen unzählig, beschäftigen Linguisten weltweit. Das gefällt nicht jedem.
Kommentieren
Wie Japaner virtuell lachen
eBay durch Skype-Milliardenabschreibung mit hohem VerlustSkype Smiley Chat
1 von 9

Weil über reinen Text keine Emotionen ausgedrückt werden, hat sich mit dem Siegeszug des Internets eine Ersatz-Mimik in Form sogenannter Emoticons etabliert: Mittels Satzzeichen werden Gesichtsausdrücke nachgeahmt - beispielsweise :-) für ein lachendes Gesicht oder :-( für ein trauriges - die beiden einfachsten und bekanntesten Emoticons.

Emoticons
2 von 9

Dabei sind die Zeichen keineswegs eine Erfindung des Inernetzeitalters. Schon im Jahre 1881 – die Schreibmaschine wurde gerade populär – veröffentlichte das US-Magazin Puck Vorschläge, wie Freude, Traurigkeit, Gleichgültigkeit oder Erstaunen mittels Satzzeichen symbolisch dargestellt werden könnten.

A woman decorates a photograph of herself on an electronic monitor to simulate Hello Kitty during a press preview for an event entitled "House of Hello Kitty" in Tokyo
3 von 9

Neben den hierzulande bekannten westlichen Emoticons haben sich in Fernost, vor allem Japan, aber auch alternative Ausdrucksformen entwickelt. Anders als die westlichen Zeichen liegen die asiatischen Emoticons nicht "auf der Seite", der Betrachter muss seinen Kopf also nicht neigen. Japaner nennen sie Emoji, Bildbuchstaben. Vor allem unter Jugendlichen sind die japanischen Varianten inzwischen auch im Westen populär.

Smilies
4 von 9

Die Gegenüberstellung zeigt verschiedene Varianten eines lachenden Smileys im Westen (oben) und als japanisches Emoji. Auf den ersten Blick fällt auf: Während die westlichen Emoticons Emotionen über den lachenden Mund ausdrücken, konzentrieren sich die japanischen auf die Augen. Das hat einen kulturellen Hintergrund: In Asien ist bei Emotionen mimische Zurückhaltung kulturell erwünscht. Das hat Auswirkungen darauf, worauf Asiaten achten, wenn sie Emotionen interpretieren sollen. In einer Studie der Glasgow-Universität aus dem Jahre 2009 hatten Teilnehmer aus Fernost größere Probleme, bestimmte Emotionen auseinanderzuhalten als Westler. Der Grund: Sie achteten in erster Linie auf die Augen, während Europäer und Amerikaner das gesamte Gesicht betrachteten.

Ebenfalls noch interessant: Japanische Frauen lachen virtuell anders als Männer. Während letztere die Zähne beim lachen zeigen dürfen (^_^), zeigen die Frauen noch mehr Zurückhaltung und lächeln nur ohne Zähne (^.^).

Emoticons
5 von 9

Auch Entsetzen drückt sich in Japan virtuell anders aus als bei uns. Die obere Reihe zeigt Emoticons aus dem Westen, wo Entsetzen durch einen aufgerissenen Mund symbolisiert wird. Bei den asiatischen Emoji in der unteren Reihe bleibt der Mund neutral - nur die Augen werden aufgerissen. Das Beispiel zeigt, dass Japaner nicht nur Zeichen aus dem ASCII-Zeichensatz nutzen - also den Grundzeichen, die jeder Computer beherrscht - sondern auch allerlei Sonderzeichen verwenden. Vor allem die Silbenzeichen Katakana werden dafür genutzt.

Smilies
6 von 9

Wer in einem westlichen Chat-Room ausdrücken möchte, dass er von der Konversation genervt ist, verzieht virtuell die Mundwinkel (oben). Bei den japanischen Emoji wird auch diese Emotion über virtuellen die Augen signalisiert.

Emoticons
7 von 9

Ein böses Lächeln wird im westlichen Kulturraum durch ein Smiley mit angedeuteten Teufelshörnern angedeutet (oben), in Japan hat das Böse große runde Augen und ausgeprägte Augenbrauen.

Stuttgart/PekingEs gibt ihn lachend :-) ebenso wie traurig :-( oder zwinkernd ;-) und selbst die Zunge rausstrecken :-P kann er. Am 19. September wird der auf der Seite liegende Smiley 30 Jahre alt. Längst ist die auf jeder gängigen Tastatur zu erzeugende Zeichenfolge rund um den Online-Smiley Bestandteil der Schreibkultur wie etwa in E-Mails, Chats oder der Kurzmitteilung SMS.

Als Geburtshelfer des Seitwärts-Smileys gilt Scott E. Fahlman, Professor für künstliche Intelligenz an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh. Der Forscher grübelte in einem internen Onlineforum der Universität am 19. September 1982, wie man Humor im Netz markieren könnte - dort, wo beim rein Schriftlichen nun einmal Mimik, Gestik, Betonung und Stimmlage fehlen. Denn immer wieder kam es dazu, dass die Verfasser von Beiträgen in einem Online-Forum Humor, Ironie oder Sarkasmus einfach nicht erkannten, was die Diskussionen häufig erschwerte.

Also postete Fahlman die wegweisende Idee: „Ich schlage folgende Zeichen-Sequenz für Spaßmacher vor: ":-)". Lest es seitwärts.“ Und einen kleinen Seitenhieb auf den Diskussionsverlauf erlaubte er sich auch noch: „Eigentlich wäre es angesichts des aktuellen Trends hier vielleicht zielführender, Dinge zu markieren, die KEINE Witze sind.“ Dafür schlug er dann :-( als Markierung vor. 30 Jahre ist das her.

Inzwischen sind die Smileys viel mehr als Helfer, die Humor in einem Text kennzeichnen. Längst gibt es auch Rosen @}--->--- oder B-) Sonnenbrillenträger. Weil Emotionen transportiert werden, sprechen Sprachwissenschaftler auch von sogenannten Emoticons - was sich zusammensetzt aus Emotion und dem Wort Icon (englisch für Symbol).

Für den Sprachwissenschaftler Professor Peter Schlobinski von der Leibniz Universität Hannover sind derartige Kniffe im Text durchaus clever und bestimmt kein Zeichen für Verfall und Niedergang der Schriftsprache. Beim Austausch von knappem Text per Internet oder SMS sei es von Vorteil oder gar nötig, nonverbale Merkmale gesondert darzustellen, da der Gesprächspartner nun einmal nicht zu sehen ist.

Daher hat der Seitwärts-Smiley längst auch Verwandtschaft wie etwa „lol“ (laughing out loud, lauthals lachen) oder ko15mispä (komme 15 Minuten später). „Sprachökonomie“, nennt Schlobinski das in seinem Buch „Von hdl bis dubidodo - (K)ein Wörterbuch zur SMS“, wobei diese Abkürzungen für „hab' dich lieb“ und „du bist doch doof“ stehen.

Andere Länder, andere Sitten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu ":-): Das E-Mail-Grinsen wird 30"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%