+++ Liveblog zum Hoeneß-Urteil +++
Richter: „Erheblich zu Ihren Gunsten entschieden“

Das Landgericht München setzt die Haftstrafe für FCB-Präsident Uli Hoeneß aus – aber nur vorerst. Der Bayern-Aufsichtsrat kündigt am Freitag eine Entscheidung an. Und auch die Urteilsbegründung liegt nun vor.
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MünchenUli Hoeneß ist zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Landgericht München sprach den Präsidenten des FC Bayern München am Donnerstag wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen schuldig. Es bleiben aber auch Fragen offen, etwa: Wie konnte der Manager so viel Geld verspekulieren? Wird das Urteil rechtskräftig, wenn ja, wann? Alle Reaktionen auf das Urteil sowie die aktuellen Weiterentwicklungen finden Sie hier im Liveblog.

+++ Sponsoren schweigen +++

Neben dem FC Bayern wollten sich auch die großen Vereinspartner oder -sponsoren Adidas, Audi, Volkswagen und die Deutsche Telekom am Donnerstag nicht zu der Entscheidung des Münchner Landgerichts äußern. Auch vom Versicherungskonzern Allianz, Namensgeber der Münchener Arena und Anteilseigner der FC Bayern München AG, war keine Stellungnahme zu erhalten.

+++ Die Kernaussagen von Richter Rupert Heindl in der Urteilsbegründung +++

„Das bloße Berufen darauf, die Bank habe quasi alles alleine gemacht, nehmen wir Ihnen nicht ab. Sie waren getrieben von der Angst vor Entdeckung. Sie hatten viele Jahre Zeit, ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Sie haben es nicht getan, sondern, wie sie selbst eingeräumt haben, auf Zeit gespielt. (...) Die Dimensionen waren Ihnen bekannt. Die Grundentscheidung haben Sie getroffen. (...) Wir kommen zu dem Ergebnis, dass nur mit den vorgelegten Unterlagen keine wirksame Selbstanzeige hätte erstattet werden können. Es ist keine missglückte Selbstanzeige, sondern eine unzureichende Selbstanzeige. (...) Dennoch haben wir natürlich ganz erheblich zu Ihren Gunsten das Geständnis gewertet. (...) Es wird manchmal vergessen, dass die Steuerhinterziehung ein Vorsatzdelikt ist. (...) Über Ihre Lebensleistung ist schon so viel gesagt worden - das möchte ich nicht wiederholen.“

+++ Aktionärsschützer: Rücktritt überfällig +++

Nach der Verurteilung von Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung fordern Aktionärsschützer den sofortigen Rücktritt des Fußballmanagers als Präsident des FC Bayern. „Das Urteil zeigt, wie überfällig die Entscheidung bereits ist“, sagte der Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz. „Für die im Aufsichtsrat des FC Bayern engagierten Unternehmen kann es jetzt eigentlich kein ,Weiter so' mehr geben.“ Bereits mit der Zulassung des Strafverfahrens durch das Gericht wäre eigentlich ein Rücktritt angesagt gewesen, sagte der Aktionärsschützer. Der frühere Postchef Klaus Zumwinkel sei bereits vier Tage nach den bloßen Medienberichten über ein Steuer-Ermittlungsverfahren gegen ihn zurückgetreten.

+++ FCB-Gremien: Entscheidung nicht vor Freitag +++

Der FC Bayern München hat nach dem Urteil gegen Uli Hoeneß eine kurzfristige Beratung der wichtigsten Gremien angesetzt. Wie der deutsche Fußball-Rekordmeister am Donnerstag mitteilte, werden die entsprechenden Gremien des Vereins und der Aktiengesellschaft, also Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat, zusammenkommen. Zeitnah, aber nicht vor dem Freitag, werde man über das Ergebnis informieren.

+++ „Nachspiel“: Buch über Hoeneß in Leipzig präsentiert +++

Punktgenau zum Urteil gegen Uli Hoeneß wird bei der Leipziger Buchmesse ein neues Porträt des Fußball-Managers vorgestellt. Unter dem Titel „Nachspiel“ zeichnet der frühere „Stern“-Reporter Peter Bizer Karriere und Fall des FC-Bayern-Präsidenten nach. „Wer den Menschen Hoeneß von früher Jugend kennt, konnte davon nicht überrascht sein. Gnadenlos ehrgeizig wurde Uli Hoeneß zu einem oft zwiespältig gedeuteten Phänomen“, heißt es in der Verlagsankündigung.

+++ ARD mit Brennpunkt +++

Die ARD sendet an diesem Donnerstagabend um 20.15 Uhr einen „Brennpunkt“ zum Urteil gegen Uli Hoeneß. Der Präsident des FC Bayern München ist zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Landgericht München sprach ihn wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen schuldig. Durch die Sondersendung verschiebt sich die Live-Übertragung des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Song Contest um 15 Minuten auf 20.30 Uhr.

+++ Keine Bayern-Stellungnahme +++

Der FC Bayern München wird sich zum Urteil gegen Präsident Uli Hoeneß nicht äußern. Laut Mediendirektor Markus Hörwick vom Donnerstag ist dagegen eine kurze schriftliche Erklärung des Aufsichtsrates im Laufe des Tages zu erwarten.

+++ 28,5 Millionen: Der Soli kommt hinzu +++

Das Landgericht München geht im Fall des zu Haft verurteilten Uli Hoeneß von einer Steuerschuld in Höhe von 28,5 Millionen Euro aus. Die zuletzt genannte Summe von 27,2 Millionen Euro habe sich erhöht, weil noch Solidaritätszuschlag einberechnet werden müsse, sagte Richter Rupert Heindl am Donnerstag bei der Urteilsbegründung. Es handele sich bei den Vergehen des Präsidenten des FC Bayern München nicht um einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung. Allerdings sei Steuerhinterziehung ein Vorsatzdelikt, betonte Heindl. „Das bloße Berufen darauf, die Bank habe quasi alles alleine gemacht, nehmen wir ihnen nicht ab.“

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Seite 2:

Anwalt will Revision

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  • 5 der sechs verurteilten Nazitotschläger, die Jonny K. am Alexanderplatz in Berlin zu Tode geprügelt haben, sind noch immer auf freiem Fuß. Der Haupttäter verbüßt eine lächerliche Jugendstrafe. Warum werden in Deutschland Steuerhinterzieher härter bestraft als Nazimörder?

    Es ist richtig Steuerhinterziehung zu bestrafen. Aber die Verhältnismäßigkeit zu Kapitalverbrechen stimmt hier nicht.

  • Interessant wird, ob noch nachgeforscht wird, woher denn die 800 Mio. Franken Zockerkohle kamen.

    Meine Version: Es handelt sich um die Schwarzgeldkasse des FCB. Konsequenz wäre, dem FCB wird der Vereinsstatus aberkannt, zur Liquidation der Steuerschulden werden die Spieler verkauft, Deutschland fährt mit 7 Arbeitslosen zur WM.
    Wenn man dann noch bedenkt, wer alles im Aufsichtsrat des FCB rumsitzt, bekommt die ganze Angelegenheit eine politische Dimension.
    Dieses rasant schnelle Verfahren, mit einem für Herrn Hoeneß so schockierenden Urteil ist meines Erachtens ein klares Indiz für den Versuch, hier so schnell wie möglich einen Deckel drauf zu bekommen, um die Herkunft des Geldes unter den Teppich kehren zu können.
    Da auch die anderen Vereine im Deutschen Profifußball mit ziemlicher Sicherheit über solche Schwarzgeldkästchen verfügen würde die endgültige Aufarbeitung das Ende des Deutschen Profifußballs bedeuten.
    Dies wird jedoch verhindert werden, denn das Volk braucht ja Brot und spiele!

  • @warodaju,
    er ist deshalb nicht im Knast weil auch die Jugendlichen welche einen Mann auf dem Bahnsteig zu Tode getreten haben aufgrund Ihrer schweren Jugend auch nicht im Knast sitzen.Wenn einer unserer Kulturbereicherer aufgrund seiner verletzten Ehre seine Frau absticht auch nicht in den Knast muss und viele weitere ähnliche Fälle, dann schäme ich mich auch im In- und Ausland. Was bringt es mir wenn Herr Hoeneß im Knast sitzt und nebenbei seine Firma den Bach runter geht, dann darf ich als Steuerzahler seine entlassenen Mitarbeiter finanzieren. Er zahlt seine Steuern mit Strafe nach und anschließen würde eine Strafzahlung von weiteren 5-10 Mio. € vollkommen ausreichen. Ich würde mir wünschendas die Politiker welche jetzt zufrieden in die Kameras tröten, genauso konsequent sind wenn es wieder mal um Vertragsbrüche geht wo dann wieder Mrd. nutzlos verschwendet werden.

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