Münchens Nobeldisco
Das P1 feiert Geburtstag

Ein Student lässt sich ans Kreuz schlagen, Tom Cruise quatscht mit der Toilettenfrau, die Toten Hosen prügeln sich und die Scorpions kommen gar nicht erst rein: Geschichten aus den 30 Jahren in Münchens Nobelclub P1.
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MünchenAn der Tür des Münchner Nobelclubs P1 gelten harte Regeln: „Heiße Hasen dürfen immer rein.“ Und: „Zwei Scheißtypen ohne Girl - das geht gar nicht.“ Aufgestellt hat sie einer, der es wissen muss. Mehr als 20 Jahre lang arbeitete Klaus Gunschmann als Türsteher und Geschäftsführer in Münchens wohl bekanntestem und teuerstem Club: dem P1. Das feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag - mit einer großen Party am Donnerstagabend.

„In zu sein, ist eine momentane Erscheinung, der Beste zu sein, ist eine Kunst“, heißt es auf der Einladung. Es ist ein Zitat aus dem Jahr 1968 und stammt von Alecco, dem ersten Besitzer des P1, das es eigentlich schon viel länger gibt als 30 Jahre. Seine Ursprünge hat der Club als Offiziersverein der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, 1984 übernahm schließlich der Promi-Wirt Michael Käfer den Laden - der Grund für die große Party in diesem Jahr.

Party ist das Stichwort. Kaum ein Lokal steht so für ausschweifendes Feiern mit großer Promi-Dichte wie das P1. Ex-Türsteher Gunschmann schreibt in seinem Buch „Du kommst hier nicht rein! - Der Mann an der härtesten Tür Deutschlands packt aus“ von einer handfesten Auseinandersetzung, in die die Toten Hosen und die Münchner Freiheit verwickelt waren - und von einer wodkaseligen Versöhnung der beiden Bands. Von einem Tom Cruise erzählt er, der sich auf der Premierenparty zum Deutschland-Start seines Films „Minority Report“ zehn Minuten mit Toilettenfrau Sofie unterhielt. „Wir fragen uns heute noch, worüber die beiden wohl geredet haben, da Sofie kein einziges Wort Englisch konnte.“

Oliver Kahn und Verena Kerth fanden sich einst im P1, Rolling Stone Mick Jagger erklärte den Club zu seinem Jagdrevier, Oskar Lafontaine, Jon Bon Jovi, Leonardo DiCaprio und Tatjana Patitz feierten an einem denkwürdigen Abend zusammen, und Puff Daddy und Jennifer Lopez vergaßen im Rausch der Nacht glatt, die rund 10 000 D-Mark für den Champagner zu bezahlen und überwiesen das Geld nach Angaben Gunschmanns erst Wochen später. Ihnen ging es in jedem Fall besser als den Scorpions. Sie kamen gar nicht erst durch die damals „härteste Tür Deutschlands“. „Wir sind aber die Scorpions“, sollen sie gesagt haben. Die Antwort folgte auf dem Fuße: „Eben drum.“

Seit dem Sommer 2013 haben zwei junge Burschen Mitte 20 die Geschäftsführung des Clubs inne: Sebastian Goller, der Sohn des Mitinhabers Franz Rauch, und Sebastian Kunzler. Von einem „kleinen Generationswechsel“ sprechen sie. „Wir möchten die Qualität, für die wir seit 30 Jahren stehen, bewahren und frische Ideen unterstützen. Wir möchten die Balance von Zeitgeist und Zeitlosigkeit finden.“

Auch wenn die Musik heute vielleicht doch woanders spielt, die Promis sich inzwischen eher in Berlin die Nächte um die Ohren schlagen und der Hauptstadt-Club Berghain dem P1 den Rang als „härteste Tür“ längst abgelaufen hat: Die Partys im Nobelclub müssen einst legendär gewesen sein: Nach durchzechter Nacht der Gäste standen Gunschmann und seine Kollegen am Morgen, wenn das Licht anging, immer wieder „knöcheltief“ in Zigarettenasche, Wodka, Glassplittern und zerrissenen Slips. Einmal, so erinnert sich der Ex-Türsteher, sei auch ein Gebiss unter den Überbleibseln gewesen - „natürlich mit goldenen Schneidezähnen“.

Für einen Skandal sorgte die Mottoparty „Römerfest“ im Jahr 1993. Und das lag nicht nur daran, dass Studentinnen sich als laszive Römerinnen verkleidet, durch den Club räkelten, sondern daran, dass ein Student sich für 200 Mark an ein Holzkreuz hängen ließ und so die Kreuzigung Jesu nachstellte. Im Hintergrund lief der Softporno „Caligula“. Die Empörung der Kirche ließ sich nur mit einer großzügigen Spende aus der Welt schaffen. Heutzutage feiert CSU-Chef Horst Seehofer im P1 seine Facebook-Party.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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