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Irma überschwemmt Florida

Wassermassen wälzten sich durch das Bankenviertel von Miami, die meisten Flughäfen schlossen. „Irma“ ist zum tropischen Sturm herabgestuft worden, doch nach dem Wind kommt nun das Hochwasser. Die Ereignisse des Tages.
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Mit schierer Urgewalt hat Hurrikan „Irma“ Florida heimgesucht. Mittlerweile wurde „Irma“ zum tropischen Sturm herabgestuft. In Florida beginnen die Menschen damit, die Schäden zu begutachten, die der Wirbelsturm verursacht hat. Letztlich haben sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet. Hier die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

  • 6,3 Millionen Menschen wurden aufgefordert, sich vor „Irma“ in Sicherheit zu bringen.
  • „Irma“ war der stärkste je über dem Atlantik gemessene Hurrikan. Sein Auge erreichte die Südspitze Floridas als Sturm der Stärke 4.
  • Satellitenaufnahmen zeigten die gewaltige Ausdehnung des Sturms - „Irma“ ist viel größer als Deutschland.
  • 127.000 Menschen suchen Schutz in Notunterkünften.
  • 12.000 Flüge weltweit ausgefallen – Flughäfen in Florida bleiben geschlossen

+++Die Flut nach dem Sturm+++

Überschwemmungen waren die größte Sorge in der Küstenstadt Naples am Golf von Mexiko. Das Nationale Hurrikanzentrum meldete, dort seien die Pegel am Sonntagabend in nur 90 Minuten um mehr als zwei Meter gestiegen. Das Hochwasser in Jacksonville brach den Rekordwert von 1964 deutlich. Der Wetterdienst forderte die Menschen auf, höheres Gelände aufzusuchen. Außerhalb von Orlando wurden die ersten Häuser geräumt, weil das Hochwasser stieg.

+++Schwere Schäden für Zuckerindustrie+++

Kubas Zuckerindustrie hat offiziellen Angaben zufolge durch den Wirbelsturm schwere Schäden erlitten. Ersten vorläufigen Berichten zufolge sei der Zuckerrohr-Anbau auf etwa 300.000 Hektar - eine Fläche größer als das Saarland - mehr oder minder betroffen, sagte ein Sprecher des staatlichen Monopolkonzerns Azcuba am Montag amtlichen Medien. Zudem seien 40 Prozent der Zuckermühlen beschädigt wie auch Lagerhäuser und andere Teile der Infrastruktur.

+++„Irma“ nun tropischer Sturm+++

„Irma“ ist am Montag zum tropischen Sturm herabgestuft worden. Das US-Hurrikanzentrum berichtete am Morgen (Ortszeit), „Irma“ werde vom nördlichen Florida mit 30 Kilometern pro Stunde Richtung Georgia ziehen und am Dienstag Alabama erreichen. Dort wird sich der Sturm weiter abschwächen.

+++Autoproduktion teilweise lahmgelegt+++

Der Hurrikan „Irma“ trifft auch die im Süden der USA angesiedelte Autoindustrie. Die beiden südkoreanischen Hersteller Kia und Hyundai schließen ihre Werke in der Region vorübergehend. In den Fabriken der deutschen Hersteller läuft die Produktion dagegen überwiegend weiter - hier dürfte der Sturm nicht mehr mit voller Stärke zuschlagen. Über Festland verlieren Hurrikane Energie.

+++Studie: US-Ostküste drohen häufiger Überschwemmungen+++

Der Ostküste der USA drohen laut einer aktuellen Studie in Zukunft immer häufiger Überschwemmungen. Das haben Wissenschaftler der Universitäten Bonn, South Florida und Rhode Island herausgefunden. Besonders gefährdet sind demnach die Bundesstaaten Virginia, North Carolina und South Carolina. Nicht unbedingt Wirbelstürme mit verheerenden Regenfällen wie bei Katrina, Harvey oder Irma seien Schuld an den Überschwemmungen, erklären die Forscher. Das Problem seien die Küstengebiete selbst, die jedes Jahr um bis zu drei Millimeter Richtung Meer absinken - unter anderem aufgrund menschlicher Eingriffe in die Umwelt, heißt es weiter.

++Reparaturen an Stromleitungen dürften Wochen dauern+++

Nach Angaben des größten Stromversorgers in Florida, FPL, wird es Wochen dauern, bis die Schäden an den Stromleitungen und Anlagen behoben sein werden. FPL erklärte, seine beiden Atomkraftwerke seien sicher und weiter am Netz. In dem rund 50 Kilometer südlich von Miami gelegenen AKW Turkey Point sei nur einer der beiden Reaktoren heruntergefahren worden, da der Hurrikan entgegen der ursprünglichen Vorhersage seinen Kurs geändert habe. Die Reaktoren im Kraftwerk St. Lucie rund 190 Kilometer nördlich von Miami seien in Betrieb. In Georgia waren nach Angaben von Versorgungsunternehmen am Montagmorgen rund 90.000 Kunden ohne Strom. Die Zahl dürfte sich aber erhöhen, da der inzwischen auf die Kategorie Eins heruntergestufte Wirbelsturm nach Norden zieht und immer noch in Böen Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometer pro Stunde erreicht.

+++Zehn Tote in Kuba durch Hurrikan „Irma“+++

In Kuba sind zehn Menschen durch Hurrikan „Irma“ ums Leben gekommen. Das berichteten Staatsmedien der Karibikinsel am Montag. Die meisten seien in Havanna gestorben, wo manche dicht bewohnte Stadtteile von brusthohem Wasser überflutet wurden. Mehrere Menschen seien getötet worden, als Gebäude teilweise zusammenstürzten, berichteten die Staatsmedien. In anderen Teilen der Karibik kamen mindestens 24 Menschen ums Leben, als der Hurrikan durchfegte.

+++Tampas Bürgermeister gibt leichte Entwarnung+++

In Tampa hat „Irma“ weniger Schaden angerichtet als befürchtet. „Statt des erwarteten Schlags in Gesicht war es ein Streifhieb“, sagte Bürgermeister Bob Buckhorn am Montag dem Sender MSNBC. Es gebe aber sehr wohl einige Zerstörung, viele Strommasten seien etwa umgeknickt. Er rechne damit, dass einige Teile Tampas noch mehrere Tage lang keinen Strom haben werden, sagte Buckhorn.

+++Mindestens vier Todesopfer+++

Der Sender ABC berichtet von fünf Toten, die bei Autounfällen starben oder tot in ihren Häusern gefunden wurden. Die „New York Times“ schrieb von vier Toten. Die Zahlen könnten aber noch steigen. Mehr als 600 Kilometer vom Auge des Sturms entfernt, sorgt „Irma“ noch für tropensturmartige Winde, wie es vom Hurrikan-Warnzentrum hieß. In benachbarten Bundesstaaten Floridas wurde der Notstand ausgerufen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, möglichst bald nach Florida reisen zu wollen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen.

+++5,7 Millionen Haushalte ohne Strom+++

Hurrikan „Irma“ hat 5,7 Millionen Haushalte in Florida von der Stromversorgung abgeschnitten. Damit sind mehr als die Hälfte (58 Prozent) aller Haushalte in dem US-Bundesstaat ohne Elektrizität, wie der Katastrophenschutz am Montag in Tallahassee mitteilte. Floridas Gouverneur Rick Scott riet Einwohner, die sich mit privaten Generatoren helfen, Benzinvorräte sicher zu lagern. Der Generator solle mindestens fünf Meter vom Haus entfernt stehen und das Benzin von jeglichen Zündquellen ferngehalten werden, schrieb Scott im Kurznachrichtendienst Twitter.

+++ „Irma“ nur noch Kategorie 1 +++

Der Hurrikan „Irma“ hat sich während seines Wegs über das Festland von Florida abgeschwächt. Das nationale Hurrikanzentrum stufte den Sturm auf die niedrigste Hurrikan-Kategorie eins zurück, wie es am frühen Montagmorgen (Ortszeit) bekanntgab. Die Winde hätten sich auf bis zu 135 Stundenkilometer reduziert. Zuvor waren Windgeschwindigkeiten von bis zu 229 Stundenkilometern gemessen worden. Im Laufe des Montags sollte „Irma“ vom Hurrikan zum Tropensturm werden, während der Sturm über Nord-Florida ist. Wie groß die Schäden durch den Hurrikan sind, ist noch völlig unklar.

+++Rettungskräfte rücken bei Tagesanbruch aus+++

„Ich habe das Gefühl, dass wir noch einmal davongekommen sind“, sagte Jonathan Brubaker aus Bradenton südlich von Tampa. Der 51-Jährige hat in seinem verbarrikadierten Haus an der Westküste ausgeharrt, Taschenlampen und Kerzen immer griffbereit. Er werde noch bis Montagmorgen warten, bis er sich schlafen lege. „Dann haben wir es hoffentlich geschafft.“ Die Rettungskräfte wollten mit ihren Einsätzen bis Tagesanbruch warten, sagte der Chef des Katastrophenschutzes, Bryan Koon, der Zeitung „Miami Herald“. Dann erst könne man auch das Ausmaß der Schäden abschätzen und die Zahl der Toten für den ganzen Bundesstaat bekanntgeben.

+++„Die Elemente wenden sich gegen uns“+++

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, warnt vor verheerenden Folgen auch für Europa. „Das Jahr 2017 zeigt uns auf bitterste Weise, warum die Wissenschaft seit Jahrzehnten vor dem Klima-Chaos warnt: Die Elemente Feuer, Wasser und Luft wenden sich nun gegen uns, weil wir den Planeten aus dem Gleichgewicht bringen“, erklärte Schellnhuber am Montag. Viele weitere Wirbelstürme könnten die Menschheit heimsuchen. „Und über Andalusien und Sizilien könnte noch in diesem Jahrhundert die Sahara nach Europa eindringen.“ Zugleich kritisierte er, dass das Thema im Bundestagswahlkampf nahezu völlig ausgeblendet werde.

+++Bis zu 40 Milliarden Dollar Versicherungsschaden+++

Der Hurrikan hat Branchenexperten zufolge hohe Kosten für die Versicherungsbranche verursacht. Die versicherten Schäden in den USA könnten zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar liegen, erklärte der Fachdienst Air Worldwide. Die Ratingagentur Moody's und der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück gehen von erheblichen Schäden für die Branche aus. Zu den wichtigsten Rückversicherern für ausschließlich in Florida tätige Sachversicherer zählt Moody's zufolge auch die Allianz. Die Münchener Rück und der Wettbewerber Hannover Rück könnten nach eigener Darstellung dennoch glimpflich davonkommen. Der Marktanteil der Hannover Rück in Florida und Texas liege deutlich unter zwei Prozent, erklärte der Konzern. Die Münchner Rück sei in Florida nicht stark engagiert, hatte Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek am Sonntag gesagt.

+++Pferde finden Schutz im Wohnzimmer+++

Eine Wohngemeinschaft im Okeechobee County in Florida hat zwei Pferde in ihrer Wohnung vor Hurrikan „Irma“ in Sicherheit gebracht. Auf Facebook veröffentlichte eine der Mitbewohnerinnen ein Video, in dem die Pferde in ihrem Wohnzimmer zu sehen sind. Der Zoo in Miami hat einige seiner Tiere in bunkerähnlichen Gebäuden untergebracht. Größere Tiere blieben aber in ihren Gehegen, berichteten amerikanische Medien. Der Zoo hat seine Gehege demnach nach Hurrikan „Andrew“ 1992 für solche Fälle verstärkt.

+++ Nicht nur Südflorida ohne Strom +++

Am Montagmorgen deutscher Zeit sind 3,6 Millionen Haushalte in Florida ohne Strom. Das teilt der Stromversorger Florida Power and Lights auf seiner Homepage mit. Im Landkreis Miami-Dade mit der größten Stadt des Bundesstaats, Miami, sind demnach 858.000 von 1,1 Millionen vom Unternehmen versorgte Kundenanschlüsse ohne Strom. Ausfälle gibt es in allen Distrikten südlich von Tampa und entlang der gesamten Ostküste Floridas.

+++Plünderungen und Wohnungseinbrüche in Florida+++

Diebe haben Berichten zufolge das Chaos durch Hurrikan „Irma“ in mehreren Städten an der Ostküste Floridas genutzt, um Geschäfte zu plündern und in Wohnungen einzubrechen. Viele der Täter seien bewaffnet. In der Stadt Weston wurde nach Angaben verschiedener lokaler Medien ein 17 Jahre alter Dieb von einem Sicherheitsbeamten angeschossen. Der 17-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht, während sein Komplize direkt verhaftet wurde. Auch bei vielen anderen Vorfällen seien die beobachteten Täter jung oder in Gruppen organisiert gewesen. Nach Angaben des Fernsehsenders NBC wurden am Sonntag mehrere Verdächtige wegen der Plünderungen festgenommen. Der Sender zeigte ein Video von einem Diebstahl, den ein Reporter des Senders demnach selbst beobachtet hatte.

+++Überflutungen im Bankenviertel von Miami+++

Hurrikan „Irma“ hat Überflutungen in der Innenstadt von Miami ausgelöst. Wassermassen wälzten sich durch die Straßen der Altstadt sowie durch das Bankenviertel Brickell, berichtete die ortsansässige Zeitung „Miami Herald“. Auf zahlreichen Bildern und Videos war zu sehen, dass heftige Stürme das Wasser in die Stadt drückten und große Straßen zu reißenden Flüssen machten. Nach Angaben der Zeitung stand das Wasser in den Straßen bereits am Sonntagabend (Ortszeit) rund einen Meter hoch.

+++„Irma“ zieht Floridas Halbinsel aufwärts+++

Das Auge bewegt sich in langsamem Tempo nordwärts und wird voraussichtlich zwischen den beiden Großstädten Tampa und Orlando hindurchziehen, wie der Sender ABC berichtete. In einem Landkreis an der Golfküste Floridas wurden die Polizisten in ihre Wachen zurückgerufen, um nicht selbst verletzt zu werden. Der Sender warnte, es seien keine Einsatzkräfte unterwegs. Die Straßen im Landkreis Sarasota waren mit Trümmern übersät, der Sturm riss Straßenlaternen und Ampeln aus ihrer Verankerung.

+++Flughäfen bleiben geschlossen+++

Der internationale Flughafen in Miami bleibt wegen Hurrikan „Irma“ am Montag geschlossen. Am Dienstag sollen nur vereinzelt Flüge abgefertigt werden. Der Fort-Lauderdale-Hollywood-Flughafen teilte auf seiner Internetseite mit, dass es zunächst keine Pläne für eine Wiedereröffnung gebe. Dort waren die letzten Flugzeuge am Freitag gestartet. Der Airport in Orlando hatte am Samstag seinen Betrieb eingestellt, auch der Flughafen in Tampa wurde geschlossen.

+++ Zwei Seekühe gerettet +++

Zwei nach Hurrikan „Irma“ gestrandete Seekühe sind an der Küste Floridas von Anwohnern gerettet worden. Sie seien an die Bucht von Sarasota Bay im Bezirk Manatee County gespült worden, schrieben mehrere Facebook-User und posteten Fotos der Meeressäuger. Ein Nutzer erklärte, die Tiere seien viel zu schwer gewesen, um sie anzuheben und hätten daher lediglich mit Wasser versorgt werden können. Ein anderer gab an, eine Gruppe habe es schließlich geschafft, die Seekühe auf eine Plane zu bringen und sie in tiefere Gewässer zu ziehen.

+++Böe mit 230 Stundenkilometern in Naples gemessen+++

Extrem starke Böen und rasch ansteigendes Wasser: Die Stadt Naples an der Westküste des US-Bundesstaates Florida ist vom Hurrikan „Irma“ stark getroffen worden. Am Flughafen sei eine Böe mit 229 Stundenkilometern gemessen worden, teilte das US-Hurrikanzentrum am Sonntagabend mit. Zudem stieg der Spiegel des Ozeans vor Naples innerhalb von nur 90 Minuten um mehr als zwei Meter an.

+++Trump sieht Kosten der Schäden von „Irma“ als zweitrangig+++
„Im Augenblick machen wir uns Sorgen über Menschenleben, nicht über Kosten.“

(US-Präsident Donald Trump am Sonntag über das Ausmaß an Schäden durch Hurrikan „Irma“)

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