120. Todestag Stitting Bulls
Requiem für einen Freiheitskampf

Als am 15. Dezember 1890 der Indianer-Häuptling Sitting Bull ums Leben kommt, stirbt mit ihm die letzte Hoffnung der amerikanischen Ureinwohner auf ein Leben ohne Reservate. Der legendäre Krieger wurde aber ausgerechnet durch eine Show weltberühmt, die mit billigen Klischees nur so um sich war.
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HB NEW YORK. Krieg, Verrat und Vertreibung, Hunger und Kälte, Feuerwasser und Tod - Häuptling Sitting Bull war einer der einflussreichsten amerikanischen Ureinwohner der Geschichte und hatte nur wenig mit den Indianer-Klischees, die aus "Winnetou" bekannt sind, zu tun. Vor 120 Jahren wurde der schon zu Lebzeiten legendäre Krieger unter bis heute nicht endgültig geklärten Umständen erschossen.

Geboren wurde er als "Springender Biber" in einem Indianerzelt in South Dakota, vermutlich im Jahr 1831 - so genau wusste er das selbst nicht. Er war der Sohn eines Häuptlings der Lakota, die mit den Dakota und den Nakota die Gruppe der Sioux bilden. Im Alter von zehn Jahren jagte er den ersten Bison, mit 14 war er beim Kriegszug gegen die Crow erfolgreich. Wegen seines Mutes erhielt er von seinem Vater den Ehrennamen "Sich setzender Büffel", Sitting Bull. Doch als sein Vater 1859 getötet wurde, wurde nicht Sitting Bull der neue Häuptling - der Stamm war längst zerrissen.

Die Kultur der Prärie-Indianer, die viele von Karl May kennen, war nur ein kurzes Kapitel im Geschichtsbuch der Ureinwohner. Diese Stämme standen stets unter dem Druck der einwandernden Europäer. Die Regierung in Washington wollte neben Land für die einströmenden Neuamerikaner vor allem Ruhe im Westen und ließ die Indianer notfalls von der Armee "befrieden". Innerhalb eines Jahrhunderts erlebte die Kultur der Prärie-Indianer ihre höchste Blüte und ihren Niedergang.

Ein Teil der Lakota wollte sich in den 1860er Jahren fügen und in die kleinen unwirtlichen Reservate umziehen, aber bei weitem nicht alle. Sitting Bull wurde einer der Führer der Renegaten und nahm für den legendären Häuptling Red Cloud an kleineren Gefechten teil. "Sitting Bull lehnte jeglichen Verzicht auf Land und Freiheit ab", schreibt der Historiker Rudolf Oeser, "während andere Indianerführer sich schon seit Jahren in den Reservaten niedergelassen hatten".

Bei seinem größten Erfolg war Sitting Bull gar nicht dabei. Er war auch geistiger Führer seiner Krieger und hatte sich beim Sonnentanz so verausgabt, dass er bei der Schlacht am Little Bighorn 1876 fehlte. Eine Woche vor dem 100. Geburtstag der USA rieben seine Krieger unter Führung von Crazy Horse die Truppe von Oberstleutnant George Custer auf, Gefangene machten die Indianer nicht. Der größte Erfolg gegen die US-Armee gelang den Indianern allerdings nicht durch taktische Finesse. Ihre Führung war chaotisch, aber immer noch besser als die des talentierten, aber hoffnungslos arroganten Custer.

Es war der letzte Sieg der Indianer. Sitting Bull floh mit seinen Männern nach Kanada, vier Jahre später zog er ins Reservat. Die Weißen behandelten ihn mit Respekt und nahmen ihn auf Vortragstouren mit. Der Weltruhm kam mit William Cody, der als Buffalo Bill mit seiner Wildwestshow der Welt das Geschrei mit der auf den Mund klopfenden Hand als Kriegsgeheul der Indianer verkaufte. Cody behandelte Sitting Bull fair und bezahlte ihn ordentlich, schreibt Oeser. Auf der Europatournee war er allerdings nicht dabei. Wie ein Tomahawk schlug die Show insbesondere in Deutschland ein - das lag auch an Karl May.

Zurück im Reservat blieb Sitting Bull ein Rebell. Als die Behörden von der sogenannten Geistertanz-Bewegung hörten, vermuteten sie nicht zu Unrecht in der Religion auch Aufruhr. Sitting Bull sollte als ihr potenzieller Führer festgenommen werden. Am 15. Dezember 1890 umstellten indianische Polizisten seine Hütte. Einer von Sitting Bulls Leuten feuerte und es entwickelte sich eine wilde Schießerei.

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