125 Jahre Eiffelturm
Vom „unwürdigen Skelett“ zum Touristenmagnet

Geplant war er als Provisorium, Gegner verunglimpften ihn als ein „unwürdiges, riesiges Skelett“. Doch heute ist der Eiffelturm in Paris eines der strahlendsten Wahrzeichen der Welt. Das „Gerippe“ wird 125 Jahre alt.
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ParisFür Guy de Maupassant war es nur eine „dürre Pyramide aus Eisentreppen, ein unwürdiges, riesiges Skelett“. Künstler veröffentlichten während seines Baus ein Pamphlet, man möge sich nur mal vorstellen, wie „scheußlich die Stadt mit diesem lächerlichen Stahlgerüst aussähe“.

Die Rede ist vom Eiffelturm. Eigentlich stand fest, dass er ein paar Jahre nach der Weltausstellung, für die er 1889 gebaut wurde, wieder demontiert werden sollte. Doch am Montag wird das Provisorium 125 Jahre alt. Es ist zum bekanntesten Wahrzeichen der Stadt geworden, und noch immer steigen die Besucherzahlen.

Ein großes Fest wird es nicht geben, denn derzeit wird die dürre Hippe wieder einmal neu eingekleidet. Auf dem Boden wurden drei kleine Gebäude abgerissen, die durch größere und schönere ersetzt werden und als Empfangshallen für die Besucher dienen, die auf einen der Aufzüge warten. Völlig neu gestaltet wird die erste Etage in 57 m Höhe. Dort entstehen neue Restaurants und ein Teil des undurchsichtigen Bodens wird durch Glas ersetzt. Mitte des Jahres sollen die Umbauten abgeschlossen sein.

Paris wird um sein 324 m hohes Wahrzeichen von vielen Städten auf der Welt beneidet. Trotz seiner Höhe wird der von Gustave Eiffel konstruierte und gebaute Stahlturm insgesamt „nur“ 10100 t. 2,5 Millionen Nieten halten die Träger zusammen.

Bis zur höchsten Plattform führen 1665 Stufen hoch. Obwohl er recht beschwerlich ist, ziehen manche Besucher diesen Weg vor: Die Wartezeit am Boden ist deutlich kürzer, als wenn man einen der Aufzüge wählt. Die gab es bei der Eröffnung noch nicht. Alle sieben Jahre wird der Turm neu gestrichen, was ungefähr 60 Tonnen an Farbe erfordert.

Weil die Stadt sich lange nicht entschließen konnte, ob sie die Stahlkonstruktion wieder abreißen sollte oder nicht, geschahen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die absonderlichsten Geschichten. Manche wirken wie ein dummer Witz: Ein Betrüger nutzte die Vermutung, der Turm werde zu Alteisen gemacht, und spielte mehreren Schrotthändlern vor, er sei mit dem Verkauf beauftragt.

Die naiven Geschäftsleute witterten die Chance ihres Lebens und gaben dem Betrüger eine saftige Anzahlung. Der verschwand mit dem Geld, wurde aber ein paar Jahre später gefasst und musste ins Gefängnis. Entscheidend für das Überleben des Turms war unter anderem der Wunsch der Militärs: Die hatten im Ersten Weltkrieg festgestellt, dass er hervorragend als Funkstation geeignet war und auch genutzt werden konnte, um den feindlichen Funkverkehr abzuhören.

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Herausforderung für die Polizei

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