13 Menschen beschossen, zehn starben
US-Sniper will nun doch Rechtsbeistand

Der mutmaßliche Heckenschütze von Washington, John Allen Muhammad, tritt in dem Prozess um den ersten der zehn Morde, die er und Lee Malvo begangen haben sollen, nun doch nicht mehr als sein eigener Verteidiger auf.

HB VIRGINIA BEACH. Der 42-Jährige hat dem zuständigen Richter LeRoy Millette Medienberichten zufolge am Mittwoch mitgeteilt, dass er sich ab sofort wieder von seinen beiden Rechtsanwälten vertreten lassen wolle. Er habe eingesehen, dass die Selbstverteidigung nicht seinen Interessen diene.

Erst am Montag hatte Richter Millette der überraschenden Bitte des 42-jährigen Muhammad stattgegeben, sich selbst verteidigen zu wollen. Er sagte zu diesem Zeitpunkt: „Er wird wie jeder andere Rechtsvertreter behandelt.“

Der Golfkriegsveteran Muhammad steht in Virginia Beach im US-Bundesstaat Virginia vor Gericht, rund 200 Kilometer von den Tatorten im Umkreis der US-Hauptstadt Washington entfernt. Das Verfahren wegen der tödlichen Schüsse auf den 53-jährigen Kunden einer Tankstelle wurde von den übrigen Fällen abgetrennt.

US-Justizminister John Ashcroft hatte den Bundesstaat Virginia für das erste Verfahren ausgewählt, weil hier für Mord die Todesstrafe verhängt werden kann. Muhammad hatte sich bei der Verlesung der Anklage vorige Woche in allen Punkten als „nicht schuldig“ bezeichnet.

Dem 42-Jährigen wird vorgeworfen, im Oktober 2002 gemeinsam mit seinem damals 17-jährigen Begleiter Lee Malvo nach und nach in Virginia, im US-Bundesstaat Maryland und in Washington 13 Menschen beschossen zu haben. Zehn davon starben. Die Serie hatte die Menschen rund um die Hauptstadt für Wochen in Angst und Schrecken versetzt.

In seinem Eröffnungsplädoyer legte Staatsanwalt James Willett am Montag das automatische Gewehr vor, das bei der Festnahme von Muhammad und Malvo gefunden wurde. Zudem zeigte er den Geschworenen Fotos des blauen Chevrolet Caprice der beiden, in dessen Kofferraum mutmaßlich für den Lauf der Waffe ein Loch geschnitten war. „Mit dem Caprice konnten sie sich ungestraft bewegen, wie sie wollten, parken, wo sie wollten, und töten, wen sie wollten“, sagte Willett. „Je mehr sie töteten, desto mehr wurde ihr Revier ... Feindesland“.

Muhammad ist in dem ersten Verfahren zusätzlich unter dem Anti-Terror-Gesetz des Bundesstaates Virginia angeklagt, das nach den Anschlägen von 11. September 2001 erlassen wurde. Gegen den mittlerweile 18-jährigen Malvo soll ebenfalls in Virginia und nach Erwachsenen-Strafrecht verhandelt werden. Auch ihm droht bei einem Schuldspruch die Todesstrafe. Er steht vom 10. November an in Chesapeake, unweit von Virginia Beach, vor Gericht.

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