14 Festnahmen
Überfallserie auf Ausländer von Berlin bis Lübeck

Überfallserie am Himmelfahrtstag: Die Berliner Polizei meldete am Donnerstag gleich mehrere ausländerfeindliche Zwischenfälle. Auch in Wismar, Weimar und Lübeck kam es zu Übergriffen. Einige der Opfer wurden erheblich verletzt.

BERLIN. In Berlin nahm die Polizei insgesamt 14 Personen fest. Sie hatten sich an drei ausländerfeindlichen Überfällen an Himmelfahrt beteiligt. Die Übergriffe richteten sich gegen vier Türken, einen Libanesen und einen Mann aus Guinea. Zudem berichteten die Beamten von einem antisemitischen Zwischenfall.

Im Stadtteil Hellersdorf seien aus einer Wohnung heraus antisemitische Parolen gerufen und Musik mit beleidigenden Inhalten abgespielt worden. Gegen sieben der zehn in der Wohnung anwesenden Personen wurde Anzeige erstattet. Es seien 60 CDs wegen des Verdachts auf indizierte Inhalte sichergestellt, berichtete die Polizei.

Der Mann aus Guinea sei von einem 38-Jährigen auf einem S-Bahnhof am Wedding beleidigt und mit Knallkörpern beschossen worden. Das Opfer wurde dabei leicht verletzt. Der Libanese wurde auf einem U-Bahnhof in Kreuzberg von einer Gruppe von neun Männern beleidigt. Als er zu fliehen versuchte, warfen sie eine Flasche nach ihm, trafen ihn aber nicht.

Nach einem Überfall auf vier Türken in Prenzlauer Berg wurde heute ein vierter Tatverdächtiger festgenommen. Nach Angaben der Polizei hatte der 46-Jährige am Donnerstag gemeinsam mit drei jüngeren Männern vier Türken mit fremdenfeindlichen Sprüchen beleidigt und ein Handgemenge provoziert. Ein Türke wurde dabei verletzt. Die drei anderen Tatverdächtigen wurden kurz danach festgenommen.

Erst am vergangenen Wochenende war der türkischstämmige Linkspartei-Politiker Giyasettin Sayan in Lichtenberg aus fremdenfeindlichen Motiven von zwei Männern angegriffen und schwer verletzt worden. Er hatte eine Gehirnerschütterung und Prellungen davongetragen.

Zu ausländerfeindlichen Übergriffen kam es auch in Weimar und in Wismar. In Weimar wurden drei Männer aus Kuba und Mosambik von mutmaßlich rechtsradikalen Schlägern überfallen und zum Teil schwer verletzt. Bei den Schlägern handelt es sich nach Angaben der Polizei um Männer im Alter von 19 bis 29 Jahren. Sie hatten am Abend eine private Feier in einem Hof in der Innenstadt überfallen.

Skinheads randalierten in Lübeck

Ein 46-jähriger Mosambikaner erlitt den Angaben zufolge Kopfverletzungen, ein Schädel-Hirn-Trauma, Schürfwunden und Prellungen. Er befindet sich noch in stationärer Behandlung. Es besteht aber keine Lebensgefahr. Ein weiterer 45-jähriger Mosambikaner und ein gleichaltriger Kubaner wurden bei dem Überfall ebenfalls erheblich verletzt. Sie trugen Prellungen davon, eines der Opfer erlitt außerdem einen Nasenbeinbruch. In Wismar wurde ein Inder verletzt.

Eine Gruppe von Skinheads randalierte in Lübeck. Sie griffen mehrere Menschen an. 16 Männer wurden festgenommen. Einige Personen seien sicher der rechten Szene zuzuordnen und polizeibekannt. Die alkoholisierten Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren seien bei einer Vatertagstour pöbelnd und randalierend durch Teile der Stadt gezogen. In einer Gartenanlage hätten sie dann mehrere Menschen angegriffen und Zäune sowie Gartentüren beschädigt.

Vizekanzler Franz Müntefering rief indes zum gemeinsamen Kampf gegen Nationalismus und Extremismus aufgerufen. Den Widerstand müssten auch diejenigen spüren, die „solche Dinge finanzieren, um junge Leute zu verführen“, sagte Müntefering auf dem DGB-Kongress in Berlin. Niemand in Deutschland dürfe Angst wegen seiner Hautfarbe haben. „Jeder muss frei und liberal im guten Sinn leben können“, bekräftigte der SPD-Minister. „Dazu wollen wir beitragen.“

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