16. Internationale Konferenz
Für die Aids-Bekämpfung fehlen Milliarden

Aids wütet in Afrika nach wie vor am schlimmsten – aber Asien entwickelt sich zu einem zweiten Epizentrum der tödlichen Krankheit. Die 16. Internationale Konferenz in Toronto berät über neue Strategien gegen die unheilbare Krankheit.

OTTAWA. Diese Warnung von Unicef kommt wenige Tage vor der 16. Internationalen Aids-Konferenz, die am Sonntag im kanadischen Toronto beginnt. Mehr als acht Millionen Asiaten haben sich nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks mit dem HI-Virus infiziert. Allein in Indien sind es 5,7 Millionen. Das Land hat damit inzwischen Südafrika, das lange die traurige Statistik anführte, überrundet.

Seit die Immunschwächekrankheit vor 25 Jahren erstmals beschrieben wurde, hat die Ausbreitung von HIV/Aids die schlimmsten Szenarien übertroffen. Heute leben schätzungsweise 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, 25 Millionen starben an Aids. In Toronto wollen rund 20 000 Wissenschaftler, Politiker und Vertreter regierungsunabhängiger Organisationen über Strategien im Kampf gegen die unheilbare Krankheit beraten.

Zwischen 20 und 23 Mrd. Dollar sollten ab 2010 jährlich zur Verfügung gestellt werden, forderte die Generalversammlung der Vereinten Nationen in einer im Juni verabschiedeten Erklärung. 2005 standen nur 8,2 Mrd. Dollar bereit. Und auch für die kommenden Jahre klafft zwischen dem, was benötigt wird, und den zugesagten Mitteln eine Milliardenlücke.

Die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates hat diese Woche angekündigt, dem globalen Fonds zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten 500 Mill. Dollar spenden zu wollen. Außerdem fördert sie die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Immunschwächekrankheit mit 287 Mill. Dollar. Der unabhängig verwaltete Fonds finanzierte 2005 ein Fünftel der weltweiten Programme im Kampf gegen HIV. Aus seinen Mitteln wurden Aids-Medikamente für 544  000 Menschen bezahlt.

Beim Kampf gegen die Seuche dürfe man nicht nachlassen, man müsse vielmehr „in Jahrzehnten denken“, mahnt Peter Piot, Direktor des Uno-Programms Unaids. „Aids muss mehr Aufmerksamkeit bekommen“, fordert auch Renate Bähr, Vize-Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Die Forschung nach einem Impfstoff und in der Prävention müsse einen neuen Schub bekommen. Zudem hätten HIV-Infizierte in den meisten Entwicklungsländern nach wie vor keinen Zugang zu Kombinationspräparaten, die ein Leben mit HIV ermöglichen: Nur 20 Prozent der Menschen mit fortgeschrittener Infektion erhalten die „antiretrovirale Therapie“. Bähr verweist auch auf die zunehmende „Feminisierung von Aids“. Weltweit seien heute 50 Prozent der Infizierten Frauen, in den südlichen Ländern Afrikas sogar 60 Prozent. Dort sind drei von vier Jugendlichen, die sich anstecken, Mädchen.

Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen hoffen, dass von Toronto neue Impulse im Kampf gegen die Krankheit ausgehen. Der jüngste Uno-Bericht über die globale Epidemie unterstreicht, wie wichtig das wäre: Allein 2005 starben 2,8 Millionen Menschen an Aids, vier Millionen Menschen infizierten sich neu mit dem HI-Virus. Die meisten der heute 38,6 Millionen Infizierten wissen nichts von ihrer Erkrankung.

Während Afrika und Asien noch die größten Krisenherde sind, breitet sich die Epidemie auch in Osteuropa, in der Ukraine und in Russland weiter aus. Erfolge im Kampf gegen Aids werden aus einigen Ländern Afrikas, Asiens und der Karibik gemeldet, darunter Kenia und Simbabwe und die städtischen Gebiete von Burkina Faso und Haiti.

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