173. Wiesn: Hintergrund
Vom Wechsel und dem Schlegel: Das Anzapfritual

Eines der bekanntesten Rituale in Bayern ist jedes Jahr das Anzapfen des ersten Fasses auf dem Münchner Oktoberfest und damit der offizielle Beginn des größten Volksfestes der Welt.

HB MÜNCHEN. Erst wenn der Oberbürgermeister das von vielen sehnlichst erwartete „Ozapft is“ ins Mikrofon gerufen hat, beginnt die Wiesn. Das Anzapfen wird live im Fernsehen übertragen, und für jeden Münchner Rathauschef vom Nachkriegs-Oberbürgermeister Thomas Wimmer bis zum derzeitigen OB Christian Ude war es Pflicht, dabei eine gute Figur zu machen.

Gleichsam zur „Dienstkleidung“ des anzapfenden Oberbürgermeisters gehört der grüne oder lederne Schaber, ein Schurz, der ursprünglich als Arbeitsschutz für die Schankkellner galt. Der Schaber dient heute mehr dazu, das gute Gewand vor Bierspritzern zu schützen.

Das girlandengeschmückte Fass beim Anzapfen heißt der „Hirsch“. Den Namen hat das Fass mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern vom gleichnamigen Tier. In den Händen hält der OB zwei Gegenstände: den Schlegel und den Wechsel. Der Schlegel ist ein runder Hammer aus heimischem Hartholz, mit dem das Zapfwerkzeug aus Messing, genannt der Wechsel, ins Fass getrieben wird. Das entsprechende Loch im Fass wird „Schredel“ genannt.

Der Könner hält während der Schläge den Ring zum Aufdrehen des Wechsels mit dem Daumen gut fest. Grund: Die „Kegl“ genannte Drehvorrichtung zum Herauslassen des Bieres könnte durch den Druck herausgeschleudert werden. Eine in die Höhe schießende Bierfontäne wäre die Folge.

Um den Unterdruck zu beseitigen, der im Fass nach dem Abzapfen etlicher Maß Bier entsteht, wird am „Hirsch“ ein Ventil („Pfeiferl“) eingeschlagen. Dadurch gerät Luft ins Fass, und das Bier läuft ohne zu viel Schaum („Foam“) in den Krug.

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