„1Live Krone“: Rettet das Radio!

„1Live Krone“
Rettet das Radio!

Kreischende Mädels, strahlende Scheinwerfer und jede Menge Stars. Der Radiosender „1Live“ verleiht seinen Radio-Award. Unsere Reporter haben die Künstler am roten Teppich gefragt: Radio? Ist das noch angesagt?
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BochumTim Bendzko hat ein Problem. Der Mann, der seit seinem Song „Nur noch kurz die Welt retten“ zu Deutschlands bekanntesten Musikern zählt, ist für viele Fans nicht erreichbar. Der Grund? „Weil Spotify mich boykottiert“, sagt er und zuckt mit den Achseln. „Warum, weiß ich nicht.“ Um so mehr feiert Bendzko ein Medium, das schon Oma und Opa nutzten: das Radio. „Radio ist der beste Weg, Menschen zu erreichen. Es kostet nichts. Sonst musst du sehr viel Werbung machen, um auf dich aufmerksam zu machen. Beim Radio reicht Glück.“

So wie Tim Bendzko geraten noch immer viele Künstler ins Schwärmen, wenn sie vom Radio reden. „Radio ist geil, weil man dadurch Sachen kennenlernt, die man vorher nicht kannte“, sagt auch der Rapper MoTrip („So wie du bist“). „Man ist immer vom Radio umgeben, ob im Auto oder in der Küche von Mutti.“

Im Auto und Muttis Küche hat das Radio auch weiterhin einen festen Platz. Anders sieht das im Kinderzimmer, auf dem Schulhof, in der Straßenbahn und in der Uni aus: Hier verstummen die Radiosender zunehmend. Am größten ist der Hörerschwund bei den zehn bis 19-Jährigen: Schalteten 2011 noch täglich mehr als 5,7 Millionen Jugendliche ein, sind es heute nur noch gut fünf Millionen. Und das immer kürzer: Statt anderthalb Stunden wie vor fünf Jahren, hören die unter 20-Jährigen heute nur noch 75 Minuten am Tag Radio.

Viele Jugendliche weichen auf Streamingdienste oder Videoplattformen aus. Von denen gibt es immer mehr. Frank Giersberg, Mitglied der Geschäftsführung beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien, nennt Spotify und Co. eine „Bedrohung“. Zwar steige die Nachfrage nach Audio-Inhalten. Aber es gebe immer mehr Angebote. Das mache den Radios zu schaffen. Für Giersberg ist daher klar: „Wir müssen mit unseren Angeboten auf alle Plattformen, auf denen die Hörer sind.“

Deutschlands Top-Musiker hoffen, dass den Radios das gelingt. Denn über die Gema-Abgaben verdienen sie noch immer gut, wenn die Sender ihre Songs spielen. Zwar erhalten die Künstler auch Geld von Streaming-Diensten wie Spotify. „Dort profitieren aber vor allem die etablierten Sänger“, erklärt Tim Bendzko. So wie Lena Meyer-Landrut, die 2010 den Eurovision Song Contest gewann. Sie drückt es simpel aus: „Ich glaube es ist besser, etwas auf Spotify zu veröffentlichen als es nicht auf Spotify zu veröffentlichen.“

Noah Gottschalk
Noah Gottschalk
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter und Redakteur

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