200 Grad heißer Dampf aus Reaktor ausgetreten
Vier Tote bei Unfall in japanischem Kernkraftwerk

Vier Menschen sind am Montag bei einem Unfall in einem japanischen Kernkraftwerk nach Krankenhausangaben ums Leben gekommen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Behörden zufolge trat keine Radioaktivität aus.

HB TOKIO. Das Unglück wurde durch ein Dampfleck im Mihama-Reaktor in der westjapanischen Präfektur Fukui ausgelöst. Wie es zu dem Dampfleck kam, war zunächst unklar. Der Zwischenfall fand am 59. Jahrestag des Atombomben-Angriffs auf Nagasaki statt. Ein Drittel des japanischen Energiebedarfs wird durch Kernkraft gedeckt.

„In dem ausgetretenen Dampf war kein radioaktives Material enthalten“, erklärte ein Sprecher der Behörde für Atomare und Industrielle Sicherheit. „Wir haben einen Bericht erhalten, nach dem es keine Strahlungseinwirkung auf die Umwelt gegeben hat.“ Ort des Zwischenfalls war eine Turbinenhalle für den Reaktor Nummer drei. Ein Sprecher des Handelsministeriums sagte, beim Reaktor selbst lägen keine technischen Probleme vor. Die Behörden waren zunächst von fünf Toten ausgegangen.

Der Sender NHK berichtete, das Leck sei um etwa 15.30 Uhr (Ortszeit, 08.30 Uhr MESZ) entstanden, nachdem einige Arbeiter die Anlage betreten hatten, um vor einem geplanten Herunterfahren des Reaktors Messungen vorzunehmen. In Medienberichten wurde die Temperatur des austretenden Dampfes auf etwa 200 Grad geschätzt. Der Betreiber der Anlage, Kansai Electric Power Co, teilte mit, der betroffene Teil der Anlage sei abgestellt worden. „Jetzt untersuchen wir die Ursache“, sagte ein Firmensprecher. Wann der Reaktor wieder angefahren werden könne, sei nicht abzusehen.

Das bislang folgenschwerste Reaktor-Unglück in Japan hatte es im Herbst 1999 in der Uran-Aufbereitungslage in Tokaimura nördlich der Hauptstadt Tokio gegeben. Damals waren zwei Arbeiter gestorben und hunderte Anwohner radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden. Schlecht ausgebildete Arbeiter hatten mit Eimern radioaktive Stoffe in einer Wanne gemischt und dabei eine Kettenreaktion ausgelöst.

Am Montag kam es zu einem zweiten Zwischenfall in einem japanischen Atomreaktor. Die Tokyo Electric Power Co. (TEPCO) teilte mit, sie habe wegen eines Wasserlecks einen der Reaktoren des Fukushima-Daini-Kraftwerks heruntergefahren. TEPCO musste bis April 2004 alle ihre 17 Atomkraftwerke für kurze Zeit herunterfahren, nachdem die Firma zugegeben hatte, mehr als ein Jahrzehnt lang Sicherheitsdokumente manipuliert zu haben. Der Fall hatte das Vertrauen der japanischen Öffentlichkeit in die Kernkraft schwer erschüttert. Zahlreiche Städte in Japan haben in Referenden gegen den Bau weiterer Atomkraftwerke gestimmt.

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