2005 überraschend gut
Banken erwarten abgeschwächtes Wachstum

Nach einem unerwartet erfolgreichen Jahr für die deutschen Kreditinstitute rechnet der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken für 2006 nur mit einem abgeschwächten Wachstum in der Branche.

HB FRANKFURT. "Die meisten Häuser rechnen nicht damit, ihr Ergebnis von 2005 im nächsten Jahr noch entscheidend übertreffen zu können", sagte Klaus-Peter Müller, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), am Donnerstag im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Zweistellige Steigerungsraten seien nach den klaren Zuwächsen in diesem Jahr kaum mehr möglich. Das Jahr 2005 bezeichnete Müller, der auch Vorstandschef der Frankfurter Commerzbank ist, als überraschend gut. Dazu hätten die strikte Kostenkontrolle, eine deutlich geringere Risikovorsorge für faule Kredite und eine positive Entwicklung an den Börsen beigetragen.

Dennoch habe die Branche im laufenden Jahr mehrfach vor einer Krise gestanden. Beispielsweise habe nur der schnelle Verkauf der angeschlagenen Hypothekenbank AHBR Schaden vom Finanzplatz Deutschland abgewendet. Die AHBR, die vor Jahren wegen Zinsspekulationen in eine Schieflage geraten und immer wieder von ihren Eigentümern finanziell gestützt werden musste, ging schließlich an den US-Investor Lone Star, der dafür noch Geld erhielt. Müller sagte, auch der Einlagensicherungsfonds der Banken werde einen Beitrag leisten. Er nannte in diesem Zusammenhang aber keine Zahlen. Ein Zusammenbruch der AHBR wäre die größte Pleite seit dem Kollaps der Herstatt-Bank im Jahr 1974 gewesen.

Ferner habe die schwierige Lage der offenen Immobilienfonds der Branche zu Schaffen gemacht. "Ich sehe nach den starken Rückflüssen aber wieder eine Normalisierung des Marktes", sagte Müller. Es habe zwischenzeitlich die "Gefahr einer Systemkrise" bestanden, die aber abgewendet sei. Die Deutsche Bank hatte den Markt verunsichert, weil sie den Fonds einer Tochter, der voraussichtlich vor Wertberichtigungen steht, geschlossen hat - ein in Deutschland einmaliger Vorgang. Sie hat einem Teil der Anleger aber versichert, für einen "fairen Wertausgleich" zu sorgen. Andere Häuser, wie die DekaBank, hatten ihre Krisenfonds nicht geschlossen und die rückfließenden Mittel selbst übernommen.

Müller forderte erneut, Sparkassen zu privatisieren und damit einen wirklich fairen Wettbewerb zu schaffen. In Deutschland dürfen öffentlich-rechtliche Institute zwar private Banken kaufen, sind selber aber vor Übernahmen geschützt. Aus den Kommunen werde im kommenden Jahr vermutlich der Druck auf die Landesgesetzgeber zunehmen, die Sparkassengesetze zu ändern. "Es wird sich zeigen, wie lange die Bürgermeister sich leisten können, Schulen nicht wieder zu streichen und Kindergärten zu schließen, nur weil sie ihre Sparkassen halten wollen." Bisher sind alle Bemühungen zur Privatisierung von Sparkassen gescheitert.

Müller ergänzte, die Einführung von börsennotierten Real Estate Investment Trusts (REITs) als neue immobilienbasierte Anlageform sei nach den jüngsten Treffen mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf gutem Wege. "Ich denke, dass wir in zwölf Monaten REITs haben." Bis dahin müssten alle steuerrechtlichen Fragen geklärt sein. Bei REITs handelt es sich um börsennotierte Firmen, die ausschließlich in Immobilien investieren und ihre Gewinne fast ganz an Anleger ausschütten. Mit den REITs soll ein liquider Immobilienhandel möglich werden, den es so noch nicht gibt. Anders als geschlossene Immobilienfonds sind REIT-Anteile an der Börse frei handelbar. In den USA gibt es die Anlageform schon lange.

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