224 Tote nach Flugzeugabsturz
„Viele starben angeschnallt in ihren Sitzen“

Keiner der 224 Passagiere hat das Flugzeugunglück über der Sinai-Halbinsel überlebt. Der Islamische Staat will die Maschine abgeschossen haben und liefert dafür gar einen vermeintlichen Beweis. Russland reagiert prompt.

KairoDen ägyptischen Rettern bot sich ein Bild des Grauens. „Ich sehe nun die tragische Szene. Zahlreiche Tote liegen auf dem Boden und viele starben angeschnallt in ihren Sitzen“, berichtete ein Offizier per Telefon von der Absturzstelle der Agentur Reuters. „Das Flugzeug ist in zwei Teile zerbrochen, das hintere mit dem Leitwerk brennt, das vordere ist in einen Felsen gerammt.“

Gut zwanzig Minuten nach dem Start im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich war die russische Urlaubsmaschine am Samstagmorgen im Norden des Sinai abgestürzt. Nach Angaben der Rettungstrupps an der bergigen Unglücksstelle überlebte niemand der 224 Passagiere, darunter 17 Kinder und sieben Besatzungsmitglieder. Am Nachmittag behauptete der Islamische Staat (IS) im Internet in einem Bekennerschreiben, „die Soldaten des Kalifates“ hätten das Flugzeug über dem Sinai abgeschossen.

Parallel dazu tauchte auf Youtube ein mysteriöses Video auf, auf dem – unterlegt von koranischen Gesängen – der Abschuss eines großen Flugzeugs zu sehen ist, was gehüllt in eine schwarze Rauchfahne zu Boden rast. In der Absturzregion tobt seit zwei Jahren ein unerbittlicher Krieg zwischen der ägyptischen Armee und Dschihadisten der „Provinz Sinai“, die sich als eine Filiale des IS verstehen.

Moskau reagierte mit Skepsis auf die IS-Bekennerbotschaft. „Diese Information kann nicht als exakt angesehen werden“, erklärte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow am Samstag laut russischen Nachrichtenagenturen. Moskau sei in engem Kontakt mit den „ägyptischen Kollegen und den Luftfahrtbehörden dieses Landes“. Diese verfügten derzeit über „keinerlei Information“, die „solche Andeutungen“ bestätigten, fügte Sokolow hinzu.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax dagegen hatte zuvor berichtet, der Pilot habe der Flugsicherung ein technisches Problem gemeldet und um Erlaubnis gebeten, auf dem nächstliegenden Flughafen notzulanden. Danach sei die Funkverbindung abgebrochen. Nach Informationen der Website FlightRadar 24 verlor die Maschine sehr plötzlich an Geschwindigkeit und stürzte innerhalb von Minuten aus ihrer Reiseflughöhe von 9450 Metern zu Boden. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte über dem Sinai gutes Wetter. Nach Angaben der Behörden in Kairo konnten die beiden Flugschreiber geborgen werden.

In Russland erklärte Wladimir Putin den Sonntag zum Staatstrauertag und schickte eine Sondermaschine mit eigenen Bergungskräften zur Absturzstelle. Nach Auskunft des Kremls richtete Russlands Präsident einen Krisenstab ein. Er ordnete an, eine eigene Kommission solle den Grund der Katastrophe ermitteln. Nach Informationen der ägyptischen Sicherheitskräfte gibt es entgegen dem IS-Bekennerschreiben bisher keine Indizien für einen Terrorangriff.

Alle Spekulationen zur Unglücksursache seien verfrüht, erklärte Ägyptens Minister für Zivilluftfahrt. Die jüngste Flugzeugkatastrophe in Ägypten ereignete sich 2004, als eine Chartermaschine der einheimischen Gesellschaft Flash Airlines kurz nach dem Start in Scharm el Scheich in das Rote Meer stürzte. Alle 148 Menschen an Bord starben.

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IS-Kämpfer verüben im Norden der Halbinsel schwere Anschläge

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