50 Jahre Sputnik
Träume vom Weltraum

Ein Kuriosum besonderer Art kennzeichnet den Beginn des Raumfahrt-Zeitalters vor nunmehr 50 Jahren. Die Regierungschefs der beiden Supermächte USA und Sowjetunion nahmen „Sputnik 1“ zunächst kaum wichtig. Doch Forscher, Dichter und Denker regte der erste künstliche Satellit zu Gedanken an, die heute fantastisch erscheinen.

DÜSSELDORF. Als dem damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower am 4. Oktober 1957 die Nachricht vom Satelliten der Sowjets überbracht wurde, beunruhigte ihn diese Weltsensation nicht im Geringsten. Dies sei doch nur „ein hübscher Reklametrick der Russen“, kommentierte er , so einen „dummen Klumpen Metall“, könne jeder starten. Auch Kreml-Chef Nikita Chruschtschow erkannte das propagandistische Potenzial der sowjetischen Raumfahrt erst, als die New York Times auf der ersten Seite über Sputnik 1 berichtete.

Bei den Weltraumpionieren selbst und vielen zeitgenössischen Intellektuellen blühten dagegen vor 50 Jahren die Zukunftsfantasien. Wernher von Braun, mit dessen Saturn V die Amerikaner später auf dem Mond landeten, erklärte dem Schreiber dieser Zeilen noch Jahre nach dem Sputnik-Start, die Raumfahrt werde den Weltfrieden sichern. Denn die Sucht nach nationalem Prestige und Ruhm müsse nun nicht mehr auf dem Schlachtfeld befriedigt werden. Die Siegespalme würde vielmehr dem zuerkannt, der „bei der Eroberung des Weltraums die größten und kühnsten Leistungen erbringt“. Außerdem würde die Raumfahrt so teuer, meinte der Raketenkonstrukteur, dass sie nur durch eine exzessive Schrumpfung der Wehretats bezahlt werden könne.

Umgekehrte Prioritäten setzte vor knapp 50 Jahren von Brauns Kollege, der Raumfahrtpionier Eugen Sänger: Sobald der „Kampf um die Erdherrschaft“ entschieden sei, ergebe sich „die Möglichkeit, die gewaltigen Rüstungsindustrien der großen Industrieländer allmählich und ohne Erschütterung der Nationalwirtschaft in eine Raumfahrtindustrie zu überführen“.

Der Philosoph Martin Heidegger erschrak, als er 1966 die ersten Satellitenbilder der Erde sah: „Wir brauchen überhaupt keine Atombombe mehr,“ meinte er in einem Spiegel-Interview, „die Entwurzelung des Menschen ist schon da.“

Der kanadische Medientheoretiker Herbert Marshall McLuhan gab unter dem Eindruck des Sputniks und nachfolgender Satelliten die bis heute wirkungsmächtige Idee vom „Global Village“ zu Protokoll („Understanding Media, 1964). Durch die verbesserte weltweite Kommunikation und die neue Weltsicht würde jeder die Nöte des anderen kennenlernen, so dass sich ein solidarisches Leben und besseres Miteinander auf unserem zum „Welt-Dorf“ geschrumpften Planeten entwickeln müssten.

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