50 Menschen erlagen in Paris dem trockenen, heißen Sommer
Mörderische Temperaturen in Paris

Der Sommer rafft in der französischen Hauptstadt die Menschen hinweg: 50 Todesfälle in Paris gehen auf das Konto der Hitzewelle, in ganz Frankreich sollen es mehrere Hundert sein. Experten sprechen von der "nationalen Gesundheitskatastrophe".

HB/dpa PARIS.Es ist der heißeste und trockenste Sommer seit langem - und der mörderischste. Während das Thermometer in Paris und auf der Ile-de-France seit einer Woche schon rekordverdächtig mit der Schwelle von 40 Grad liebäugelt, rafft die Gluthitze immer mehr alte und kranke Menschen dahin.Die Rettungsdienste und Krankenhäuser sind überlastet, in den Leichenhallen des Pariser Beckens ist mittlerweile kein Platz mehr. Offiziell gibt es bisher keine Zahlen, doch rechnet auch die nationale Gesundheitsdirektion DGS „über den Daumen gepeilt leider mit Hunderten von Hitzetoten“. Mancherorts in Frankreich wird bereits das Militär zu Hilfe gerufen, weil Betreuungspersonal fehlt.

Der Chef der Pariser Krankenhaus-Notärzte konnte mit seinem Zorn nicht hinter dem Berg halten. „Die übergeordneten Stellen wagen es immer noch, von natürlichen Todesfällen zu sprechen, doch wir haben in den vergangenen vier Tagen im Großraum praktische 50 Hitzetote gezählt“, sagte Patrick Pelloux in einem TV-Interview. „Das ist im August ein wirklicher Massentod, denn die Alten sterben vor Hitze.“

"Die nationale Gesundheitskatastrophe"

„Die Gluthitze wird zum Drama“ und „Das Mordswetter tötet in Frankreich“, so und ähnlich alarmierten die Pariser Zeitungen am Montag auf den Titelseiten. Und das haben die Bestattungsunternehmen auf der Ile-de-France noch nie erlebt: In den Leichenhallen ist kein Platz mehr. „Ich habe schon mehreren Familien absagen müssen, die einen Todesfall haben“, berichtet ein Bestatter: „Manche Familien geraten in Panik, aber wir müssen sie an Unternehmen außerhalb der Ile-de-France verweisen.“ In Villeneuve-Saint-Georges bei Paris zählte ein Bestatter „drei bis vier Mal so viele Tote wie normal.“

Auf Anordnung der Pariser Polizei hin wurde jetzt sogar das gerichtsmedizinische Institut „dienstverpflichtet“, Kühlboxen für Tote zu öffnen, auch wenn es sich nicht um suspekte Fälle handelt. Der Chef der Pariser Notärzte spricht bereits von einer „nationalen Gesundheitskatastrophe“ und verlangt den Einsatz von Sanitätern des französischen Militärs in den großen Krankenhauszentren. Denn dieser Haupturlaubsmonat der Franzosen ließ in den Hospitälern oft viel zu wenig Personal zurück, und die Kritik an der Regierung wird bereits laut, nicht genügend getan zu haben.

Eiswürfel gegen Hitzeschlag

Das regionale Krankenhauszentrum von Orléans hat schon an die Armee appelliert, Sanitäter zu schicken. Gerade alte und bettlägerige Kranke sind gefährdet, zumal, wenn sie allein leben. Und in den Seniorenheimen fehlen oft Klimaanlagen. Wasserverlust und Austrocknung des Körpers sind lebensgefährlich.

In Paris haben die Notarztwagen und Feuerwehren seit dem Wochenende in der Regel einen Sack mit Eis dabei - im Ernstfall kann die Kühlung durch Eiswürfel die einzige Chance sein, die Körpertemperatur der Opfer dieser Gluthitze rasch zu senken. „Wir haben das mit dem Eis von unseren Kollegen in Chicago gelernt, die Mitte der neunziger Jahre mit den Folgen einer starken Hitzewelle zu kämpfen hatten“, sagt ein Pariser Feuerwehrmann. Von den 100 Feuerwehr-Einsätzen am vergangenen Wochenende in Paris galten immerhin 85 alten Menschen.

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