55 000 Menschen noch auf der Flucht
Katastrophengeschütteltes Indonesien birgt seine Toten

Hilfsorganisationen haben am Donnerstag damit begonnen, die Südküste der indonesischen Insel Java nach angespülten Toten abzusuchen. Drei Tage nach dem starken Erdbeben vor Indonesien und einem vier Meter hohen Tsunami ging trotz schwindender Hoffnung auch die Suche nach Überlebenden weiter.

HB JAKARTA. Rettungskräfte suchten auf See, an der Küste und unter den Trümmern nach Leichen und möglichen Überlebenden. Um Infektionen vorzubeugen, bereiteten die örtlichen Behörden ein erstes Massenbegräbnis vor. Die Zahl der Toten durch den Tsunami von Montag stieg nach offiziellen Angaben auf mindestens 547. Rund 465 Menschen wurden verletzt, weitere 323 werden vermisst.

Nach Angaben von Internationalen Hilfsorganisationen konnten die Rettungskräfte noch nicht alle betroffenen Gegenden erreichen. Das Indonesische Rote Kreuz errichtete zehn Feldküchen, um rund 30 000 Obdachlose mit Mahlzeiten zu versorgen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat bereits 20 Tonnen besonders nahrhafter Nudeln und Biskuits in die Region um Pandangaran geschickt. Die Verteilung der Lebensmittel hat das lokale Rote Kreuz übernommen. Nach Angaben lokaler Behörden reichen die vorhandenen Lebensmittel zusammen mit dem Hilfspaket des WFP für die kommenden zehn bis 14 Tage aus.

Mehr als 55 000 Menschen aus der Krisenregion seien aus Furcht vor weiteren Erdbeben und Flutwellen noch immer nicht in ihre Heimatorte in Küstennähe zurückgekehrt und hielten sich vor allem nachts in Notunterkünften auf Hügeln im Landesinneren auf.

Auch am Mittwoch hatten die Behörden wieder eine Tsunami-Warnung herausgegeben, nachdem ein weiteres Erdbeben den Indischen Ozean erschüttert hatte. Das Zentrum des neuen Erdbebens, das nach Angaben der örtlichen Behörden eine Stärke von 6,2 hatte, lag rund 40 Kilometer unter dem Meeresboden, wie die staatliche Behörde für Meteorologie mitteilte. Bei den Erdstößen am Montag war etwa 360 Kilometer südöstlich von Jakarta eine Stärke von 7,7 registriert worden. Besonders betroffen war der Distrikt Ciamus, in dem auch das Touristenzentrum Pangandaran liegt.

In der weltweiten Diskussion über ein wirkungsvolles Warnsystem bemängelte die UNESCO am Mittwoch deutliche Schwächen. Generaldirektor Koichiro Matsuura betonte in einer Mitteilung der UN- Organisation in Paris, die nationalen Regierungen müssten einen Weg finden, die Küstenbewohner schnell zu informieren. Nur 19 Minuten nach dem Beben am Montag sei die indonesische Regierung vor einem verheerenden Tsunami gewarnt worden. Diese Warnung war jedoch bei den Menschen der betroffenen Region nicht angekommen.

Erst am 26. Dezember 2004 waren bei dem großen Tsunami in neun Staaten am Indischen Ozean mehr als 220 000 Menschen ums Leben gekommen. Allein in der Provinz Aceh auf der indonesischen Insel Sumatra starben 177 000 Menschen. Die indonesische Regierung hatte daraufhin Ende vergangenen Jahres mit dem Aufbau eines Tsunami- Frühwarnsystems begonnen.

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