7,0 auf der Richter-Skala
Eine Minute bebt die Erde in Japan

Ein schweres Erdbeben hat am Montag den Norden Japans erschüttert. Auch in der rund 300 Kilometer weiter südlich gelegenen Hauptstadt Tokio schwankten Gebäude.

HB/Reuters TOKIO. Das Beben habe Stärke sieben auf der Richter-Skala erreicht, teilte der Wetterdienst mit. Das Epizentrum lag den Angaben zufolge 300 Kilometer vor der Nordostküste und das Erdbeben erschütterte am stärksten die Region um die Millionenstadt Sendai, das Zentrum der stark landwirtschaftlich geprägten Region Touhoku. Es bestehe wegen der Tiefe von rund 60 Kilometern in der Erde aber keine Gefahr von Flutwellen, so genannten Tsunamis, teilte der Wetterdienst weiter mit. Über mögliche Opfer gab es zunächst keine Berichte.

Am Devisenmarkt reagierten Euro und Dollar zum Yen mit deutlichen Zugewinnen. Der deutsche Aktienindex reagierte kurzfristig, holte seine spontanen Verluste aber wieder auf, als sich abzeichnete, dass Tokio von dem Beben kaum betroffen war. Das Beben war das heftigste in Japan seit drei Jahren und hatte dieselbe Stärke wie das Beben 1995, das die Stadt Kobe im Westen Japans hart getroffen hatte. Damals starben mehr als 6400 Menschen, und die Regierung war kritisiert worden, sie habe zu langsam reagiert. Diesmal signalisierte die Regierung ein schnelles Eingreifen: Sie habe sofort eine Arbeitsgruppe eingerichtet, sagte ein Regierungsvertreter. „Wir sind derzeit dabei, Informationen über mögliche Opfer und Schäden zu sammeln.“

Das Beben war in Sendai etwa eine Minute lang zu spüren. In Gebäuden nahe dem Stadtzentrum zerbrachen Fensterscheiben. Das Fernsehen zeigte Bilder der Stadt aus der Luft. Demnach brannten im Zentrum der Stadt mindestens zwei Häuser. Auf der Website der Stadtverwaltung von Sendai hieß es, über große Schäden sei nichts bekannt. „Ich war in der Universität, als es geschah“, sagte der Englischlehrer Richard Halberstadt an der Universität Ishinomaki, die an der Küste liegt. „Wir sind alle rausgelaufen. Es war beunruhigend, aber nicht so schlimm, als dass wir nicht hätten stehen können.“

Der Energielieferant Tohoku Electric Power teilte mit, der Atomreaktor Onagawa 3 mit einer Leistung von 825.000 Kilowatt habe sich mit dem Erdbeben automatisch abgeschaltet. Der Reaktor liegt wir Sendai in der Präfektur Miyagi. Die Eisenbahn im Osten Japans erklärte, der Betrieb von Hochgeschwindigkeitszügen in der Region um Sendai sei eingestellt worden. Die größte Erdölraffinerie des Landes, die Nippon Oil, begann nach eigenen Angaben damit, die Produktion in ihrer Raffinerie in Sendai herunterzufahren.

In Tokio schwanken die Häuser

Auch in Tokio schwankten die Häuser. In den Supermärkten fielen Gegenstände aus den Regalen und in den Bürogebäuden gerieten Lampen ins Pendeln. Aber nur wenige Menschen gerieten in Panik und eilten zu den Ausgängen der Bürogebäude. Auf den Straßen setzte sich der Verkehr ohne Beeinträchtigungen fort. Die Reaktionen am Devisenmarkt waren deutlicher: Unmittelbar nach den Berichten über das Erdbeben stieg der Euro auf ein Rekordhoch von zeitweise 138,69 Yen. Der Dollar stieg bis auf 117,39 Yen. Die Nachricht von dem Beben habe den Yen bewegt, sagte ein Händler.

In Frankfurt gab der Dax rund 15 Punkte nach, lag im weiteren Verlauf aber wieder deutlich oberhalb seiner Notierung vor der Erdbebennachricht, und zwar mit 0,72 Prozent im Plus bei rund 2842 Zählern. Ein Händler sagte: „Der Dax hat ganz kurz gezuckt nach der Meldung, aber da man noch keine genaueren Informationen hat und die Auswirkungen noch nicht abschätzen kann, hält sich die Reaktion in Grenzen. Tokio scheint nach den bisherigen Meldungen aber nicht so stark betroffen zu sein.“

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