Zum Jubiläums-Special von Handelsblatt Online

Mein Handelsblatt (1)
Papier für Fische und Körbchen für Russen

Die Marktwirtschaft zu fördern, war schon immer ein besonderes Anliegen des Handelsblatts. Mal gelang dies ungewollt, mal wunderte sich die Redaktion nur noch. Drei Anekdoten aus den Jahren 1946 und 1989 zum Geburtstag.

„Ich habe mir die Zeitungen vom vorigen Jahr binden lassen. Es ist unglaublich, was für eine Lektüre dieses ist: 50 Teile falsche Hoffnungen, 47 Prozent falsche Prophezeiungen und drei Teile Wahrheit“, hatte der im 18. Jahrhundert lebende Professor für Naturwissenschaften Georg Christoph Lichtenberg gestöhnt.

Als das Handelsblatt im Mai 1946 zunächst einmal wöchentlich mit acht Seiten erschien, war die Auflage auf 10.000 beschränkt. Auch Anzeigen waren verboten. Es war heiß begehrt. Der Informationshunger war groß. Die Suche nach Orientierung noch größer.

Doch das allein machte das Blatt noch nicht zu einem „Must have“. Es wurde nicht nur wegen seines Inhaltes hoch geschätzt, sondern auch wegen des Papiers. Die Papierknappheit war groß. Deshalb rissen sich die Marktfrauen um das Blatt – als Packmaterial für Fische und anderes.

Diese besondere Form der Marktwirtschaft zu fördern, war jedoch nicht die Maxime, der sich die Redaktion in den zurückliegenden 70 Jahren verpflichtet fühlte. Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, war dies eine neue Stunde Null für das Handelsblatt. Der Vertrieb hatte zwar etwa 400 Exemplare Tag für Tag in die DDR geliefert, kannte aber die Abonnenten nicht. Sie waren geheim.

Das Blatt war aber dennoch weit verbreitet, zumindest die Artikel waren es, die die DDR-Auswerter Behörden und Betrieben zusandten. Handelsblatt-Vertriebschef Kirchner wusste sich zu helfen: Alle Betriebe, deren Anschrift den Messekatalogen zu entnehmen waren, wurden mit der Zeitung beliefert.

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