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Mein Handelsblatt (2)
Ein Interview und der Tag, an dem das Pfund starb

Im Jahr 1992 führte Werner Benkhoff für das Handelsblatt ein Interview mit Bundesbankchef Helmut Schlesinger. Und erschütterte Großbritannien und das britische Pfund in seinen Grundfesten. Der Autor erinnert sich.

DüsseldorfAn dieser Stelle möchte ich gern eine Geschichte erzählen, die zwar schon fast 24 Jahre zurückliegt, in der ich aber als Journalist nicht wie üblich nur der Zuschauer, sondern ausnahmsweise selbst ein wichtiger Akteur war, wenn auch nur in einer Nebenrolle.

Ein Zeitungsinterview, das ich im September 1992 mit dem damaligen Bundesbankchef Helmut Schlesinger führte, brachte temporär das europäische Festkurssystem EWS ins Wanken und zerstörte britische Hoffnungen auf eine exquisite Stellung in der europäischen Währungslandschaft.

Diese Story war damals gut für meine Reputation als Journalist. Im Ausland hat sie mir Tür und Tor geöffnet. Sie hat „meine“ Zeitung, das Handelsblatt, überhaupt erst schlagartig weltweit bekannt gemacht. Sprach die angelsächsische Presse bis dahin vom Handelsblatt als „einer“ deutschen Zeitung, so wurde daraus danach „Deutschlands führendes Wirtschaftsblatt“.

Ich wärme die Geschichte vor allem wieder auf, weil sie gut in mein Lieblingsthema passt. Einmal als ein Beispiel dafür, wie Engländer sich selbst immer wieder gerne sehr hoch einschätzen, aber am Ende nicht liefern können. Und sie zeigt zum anderen durch die brutalen und ungerechtfertigten Beschimpfungen Schlesingers durch Presse und Politiker die Grenzen der Fairness auf, die Engländer, zumindest die englische Presse, sich selbst gerne als Nationaleigenschaft zuschreiben.

Und das ist die Geschichte, „wie Schatzkanzler Lamont die Schlacht um Sterling verlor“ (Financial Times). Der „Tag, an dem das Pfund starb“ (Sunday Times) ist als „schwarzer Mittwoch“ in die britische Geschichte eingegangen. Und das Handelsblatt leistete dabei Sterbehilfe.

Als sich das Drama Anfang September 1992 entfaltete, war das britische Pfund bereits zwei Jahre Mitglied im europäischen Festkurssystem EWS, in dem sich die Währungen im Vorlauf auf den Euro durch Stabilität bewähren sollten. Zwar hatte die Regierung in London nicht vor, den Euro zu übernehmen, aber das Pfund Sterling sollte als starke Valuta gleichberechtigt neben dem Euro bestehen bleiben. Es wurde, wie sich später herausstellte, zu einem ambitioniert überhöhten Kurs eingebracht.

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Bei den Agenturen fehlte der entscheidende Satz

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