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Mein Handelsblatt (3)
Erhard und der Geistesblitz von Oberkassel

Eine Geschichte aus der großen alten Zeit des Handelsblatts: Wie Ludwig Erhards Bestseller „Wohlstand für alle“ wirklich zu seinem Titel kam und welche Rolle ein deutscher Wirtschaftsjournalist dabei spielte.

BerlinEigentlich begann es 1947. Dr. Wolfram Langer, Nationalökonom und Jurist, knapp über 30 Jahre alt, ehemaliger Offizier, aus Kriegsgefangenschaft entlassen, arbeitete als Preis-Referent im Bizonen-Verwaltungsamt für Wirtschaft in Minden.

Dort war er alles andere als glücklich; ein guter, einflussreicher Bekannter gab daraufhin dem damaligen Chefredakteur und späteren Verleger des Handelsblatts, Dr. Friedrich Vogel, einen Tipp: Da ist ein guter Mann, es würde für ihre Zeitung passen. Vogel kam bald von Düsseldorf zu Langers angereist, die in einem möblierten Zimmer mit Küchenbenutzung wohnten. Man wurde sich einig. Von nun an firmierte Dr. Wolfram Langer als Berichterstatter des Handelsblatts aus Frankfurt.

Nur wenig später, am 21. April 1948, wird der junge Journalist Ohrenzeuge der ersten Rede, die Ludwig Erhard vor der 14. Vollversammlung des Vereinigten Wirtschaftsrates hält. Von den Gedankengängen, den wirtschaftspolitischen Zielsetzungen enthusiasmiert, spricht Langer Professor Erhard in der Wandelhalle an.

Offenbar verstand man sich auf Anhieb, denn beide Männer gingen, ohne einen Moment zu zögern, in das gegenüberliegende Wirtshaus Weihenstephan, um das Gespräch bei einigen Gläsern Dünnbier fortzusetzen. Und schon bald darauf meldet sich Erhard bei Langer. Er bestellt ihn in sein Büro in der McNaire-Kaserne in Hoechst. Also besteigt Langer das alte Fahrrad, das sein Vater aus Breslau gerettet hatte, um die 20 Kilometer zu bewältigen. Korrespondentenalltag im Nachkriegsdeutschland.

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