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Mein Handelsblatt (7)
Die dementierte Fusion

Die Mischkonzerne Veba und Viag bestritten Ende der 1990er Jahre hartnäckig Berichte über die Fusion zur Eon AG. Nach zwei Monaten gaben sie den Widerstand auf, legten Pläne offen – und handelten sich prompt Ärger ein.

DüsseldorfEine der größten Fusionen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte war für das Handelsblatt eher Zufallsfund. Die Redaktion analysierte im Sommer 1999 den Strommarkt. Der war ein Jahr zuvor gerade liberalisiert worden.

Und in der Branche brodelte die Gerüchteküche. Es gab viel zu viele Unternehmen, die nach Meinung von Fachleuten allein keine Überlebenschance hatten. „Jeder redet mit jedem“, versicherten Manager in beinahe jedem Gespräch. Doch wer genau redet mit wem?

Das Handelsblatt wollte es wissen. Doch dieselben Manager blieben stumm. Man sondiere die Lage, lenkten sie ab. Dabei waren einige von ihnen schon weiter als sie es zugeben wollten. Ausgerechnet die Nummern Zwei und Drei auf dem deutschen Strommarkt, Veba und Viag, bastelten bereits im Hintergrund an einem Zusammenschluss.

Der sollte sie gemeinsam zum mächtigsten deutschen Stromversorger machen. 180 Milliarden Kilowattstunden Stromabsatz, 125 Milliarden D-Mark (64 Milliarden Euro) Umsatz, 78 Milliarden D-Mark (40 Milliarden Euro) Börsenkapitalisierung. Damals eine große Nummer.

Das blieb den Rechercheuren natürlich nicht verborgen. Zumal die Unternehmen beim Bundeskartellamt eine Voranfrage eingereicht hatten, um die Chancen einer Freigabe durch die Wettbewerbshüter auszuloten.

An einem Freitag, dem 30. Juli 1999, titelte dann das Handelsblatt: „Mischkonzerne Veba und Viag planen Fusion“. Das war der öffentliche Startschuss für eine – nach damaligen Verhältnissen – Megafusion unter deutschen Unternehmen. Es war aber auch der Beginn einer der ungewöhnlichsten Wirtschaftsgeschichten. Denn: Die beteiligten Unternehmen dementierten hartnäckig. Fast zwei Monate lang. Erst am 27. September legten sie ihre Fusionspläne auf den Tisch.

Das sollte Folgen haben. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC ermittelte wegen „Irreführung der Aktionäre“. Was in Deutschland bei den Betroffenen auf großes Unverständnis stieß. Was aber auch ein Lehrstück über die sehr unterschiedliche Aktienkultur in Deutschland und den USA bot.

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