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Mein Handelsblatt

Beständig ist nur der Wandel

Die erste Ausgabe des Handelsblatt wurde auf drei Schreibmaschinen geschrieben. 70 Jahre später erinnert sich unser Autor an eine aufregende Zeit – und blickt optimistisch in die Zukunft.
Update: 06.05.2016 - 13:35 Uhr 11 Kommentare
Auf der Titelseite der Zeitung leuchtete die Farbe Orange durch einen breiten Balken.
14. Mai 1971

Auf der Titelseite der Zeitung leuchtete die Farbe Orange durch einen breiten Balken.

DüsseldorfSchon der antike Philosoph Heraklit profitierte vom Fortschritt seiner Zeit. Souverän setzte er sich über herkömmliche Vorstellungen hinweg, durchdrang die Ordnung der Welt und musste seine Gedanken nicht mehr mühsam in Tontafeln ritzen, sondern konnte sie seit Kurzem flüssig auf Papyrus niederschreiben. Für antike Griechen war diese Innovation ähnlich epochal  wie für heutige Zeitgenossen der mediale Umbruch - Digitalisierung, Internet und Multimedia. Diese Revolution hat das Monopol des Papiers, Nachfolger des Papyrus, als Träger des geschriebenen Worts gebrochen. Heraklits 2.500 Jahre alte Erkenntnis wirkt aktueller denn je: „Nichts ist so beständig wie der Wandel.“

Das gilt auch für den Qualitätsjournalismus. Noch nie konnte er dank der Digitalisierung mit vergleichsweise geringen Produktionskosten so viele Menschen erreichen wie heute. Noch nie hatten aber auch die Leser so viele Möglichkeiten, ihrerseits Stellung zu journalistischen Inhalten zu nehmen. „Deshalb muss sich der Redakteur davon verabschieden, über dem Leser thronend seine  Botschaften zu verkünden“, sagt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart.  Gerade wegen der anonymen Hetze in den sozialen Netzwerken ist für ihn die Zukunft des Qualitätsjournalismus interaktiv-demokratisch.

Dennoch verlangen die neuen Techniken vom Journalisten nicht, technikbesessen zu sein. Der Journalist ist ja kein Ingenieur. Technik ist für ihn nur Mittel zum Zweck, Inhalte zu transportieren und Leser durch die Informationsflut zu navigieren. Nach wie vor kommt es  darauf an zu klären, wer was wann wo wie und warum entschieden beziehungsweise getan hat und welche Folgen das haben könnte. Nach wie vor müssen seriöse Medienhäuser auch auf dem Fundament eines Wertekanons stehen, um nicht dem flüchtigen Zeitgeist zu huldigen. Innovation braucht Tradition, Neuerung muss auf Erprobtem gründen.

Das Handelsblatt hat Heraklits Devise beherzigt, sich zu verändern, um zu bewahren, was es nicht verlieren will. In schnelllebigen Zeiten feiert das Handelsblatt jetzt auf dem hart umkämpften Markt der Wirtschaftspresse seinen 70. Geburtstag.  

Die erste Ausgabe vom 16. Mai 1946 war auf drei Schreibmaschinen geschrieben worden.  Unter widrigen Umständen: Das Besatzungsregime hatte zwar die Nazi-Diktatur abgelöst, nach wie vor aber herrschten materielle Not und Elend. Einen Zeitungsmarkt gab es nicht, Papier war knapp, die Zuteilung rationiert. In den oberen Etagen des kriegsbeschädigten Pressehauses am Düsseldorfer Martin-Luther-Platz residierte ein britischer Major – der Zensor der Militärregierung prüfte vor Erscheinen alle Texte darauf, ob sie gegen demokratische Grundsätze verstießen. Die Zensur endete erst im September 1949.

Handelsblatt erscheint börsentäglich
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11 Kommentare zu "Mein Handelsblatt: Beständig ist nur der Wandel"

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  • Warum brauche ich die Auswahl zwischen 25 inhaltlich gleichen TV-Programmzeitschriften, wenn mir letztlich eine genügt?
    Sowas ist doch Wahnsinn!

  • Erstmal herzlichen Glückwunsch ans Handelsblatt für die bisherigen 70 Jahre!
    „Auflagen-Verluste der Magazine dramatischer denn je“
    Wenn der stern so weitermacht, ist er auch bald nur noch Geschichte und das absolut zurecht, Jörges sei Dank.
    Gilt für viele weitere Printerzeugnisse und Verlage. Sind ja eh alle im Eigentum der paar Großen, die den noch vorhandenen immer kleiner werdenden Markt unter sich aufteilen => Bertelsmann, Bauer, Burda, Holtzbrinck (verlegt das Handelsblatt), Springer, Gruner + Jahr, Medien-Union Schaub. Wenn man sich mal die Preise (zwischen 5 und 20 Euro) anschaut, welche zum größten Teil heute für die Printausgaben der Magazine und Sonderhefte aufgerufen werden, dann verzichte ich als möglicher Käufer gerne auf deren Nachfrage und den Kauf. Auch die Inhalte können nicht mehr überzeugen, da fast alle eh das gleiche voneinander klauen und abschreiben. Nennt sich dann politisch motivierter Journalismus. Nein, auf große Teile der aktuellen Printmedienlandschaft kann ich gut und gerne verzichten. Zu D-Mark Zeiten waren es mir die 3,50 D-Mark noch wert, ein Wochenmagazin käuflich zu erwerben. Seit sich aber die Preise mittlerweile innerhalb von nur 14 Jahren verdoppelt haben, sind mir diese Ausgaben schlicht und ergreifend zu teuer geworden. Das Internet ist für mich persönlich übrigens kein wirklicher Leseersatz zu den Printausgaben. Hinzu kommt eine Flut von Zeitschriftentiteln, die kein Mensch wirklich braucht. Ich frage mich oft, wie die Verlage diese Überproduktion finanzieren, da sich die Zeitschriften und Magazine immer mehr als Ladenhüter entpuppen.

  • @Caruso

    wie Sie sehen, wurde nun wegen "sachlich" gelöscht.......

    Einen "Grund", missliebige Meinungen zu löschen, findet sich eben immer.......

  • Ja, ich wäre auch für so ein bedingungsloses Grundeinkommen, wenn es zur Abwechslung mal die Industrie bezahlen würde. Dafür aber bräuchten wir eine Politikvertretung, die Lobbyarbeit für die Bürger und und nicht für die Industrie machen würde und so etwas gibt es nicht. Daran scheitert das Konzept.

  • @ Herr Pier
    Herr Weimer ist aber auch nur Gastautor, seine Beiträge sind die einzigen mit politischem Inhalt, die ich auf dieser Seite noch ernstnehmen kann (von den Kommentaren mal abgesehen).
    Nein, auch an mir verdient das HB schon lange keinen Cent mehr.
    Werbung? Kenne ich keine. Wozu gibt es das wunderbare Adblock Plus?

  • es ist sicher sinnvoll keine Namen zu nennen,sonst wird "gelöscht wegen "nicht persönlich werden......"

    Ich denke aber, dass jeder, der regelmäßig hier "unterwegs" ist weiß, wer gemeint ist.....
    Solange diese Leute beim HB auf der Gehaltsliste stehen, verdient das HB auch an mir, zumindest direkt, keinen Cent mehr.

    W. Weimer gehört in jedem Fall NICHT dazu.

    Werbung beachte ich gar nicht - die wird umgehend weggeklickt oder wo nicht mgl. , eben ignoriert.
    Es reicht, was ich jeden Monat an Zwangsgebühren für die ach' so neutralen GEZ-Sender abdrücken muss.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hier die Vervollständigung des letzten Absatzes (sorry, eben keine Zeit mehr gehabt):

    Ist es für die Menschen da, oder ist es umgekehrt?

    Der letzte Absatz klingt reichlich zaghaft-resigniert:

    „Die Initianten glauben auch nicht ernsthaft an einen Sieg. Sie sind schon damit zufrieden, dass jetzt über das Konzept diskutiert wird.

    Auch wenn es die meisten (noch?) als „Spinnerei“ abtun, angesichts obiger Argmente gehört das Thema dringend aus der Versenkung geholt (und an prominenterer Stelle diskutiert)!!!

  • Richtig, beständig ist nur der Wandel. So gesehen, passt der Artikel „Die nächste soziale Revolution“, rechts oben auf Seite 11 der heutigen (06.05.16) HB-Printausgabe.

    Aus besagtem Artikel hier das gewichtigste Argument „PRO bedingungsloses Grundeinkommen“:

    „Guy Standing von der Universität London forscht seit Jahrzehnten über dieses Thema. Er hat Studien in Indien begleitet, bei denen 6.000 Menschen über Jahre ein bedingungsloses Grundeinkommen in bar bekamen. „Die Leute arbeiten mehr, nicht weniger, Kinderarbeit ging dagegen zurück“.

    Das muss natürlich erstmal nochmal genau überprüft werden, aber:

    Falls es sich so bestätigen sollte, dürfte es wohl das schlagendste Argument gegen die Befürchtung, dass eine Befreiung vom Zwang zur Arbeit von den Menschen als Freibrief zur Faulheit angesehen würde. Sondern dass diese Befreiung sich – ganz im Gegenteil – als ein sehr effektiver Impuls für die (nicht zuletzt wirtschaftliche) Weiterentwicklung der heutigen Gesellschaft erweisen könnte.

    Und jetzt das Argument „contra bedingungsloses Grundeinkommen“ (bezogen auf die Abstimmung in der Schweiz):

    „In einem hochentwickelten Industrieland wie der Schweiz hätte das Konzept indes pharaonische Kosten: Rund 200 Milliarden Franken im Jahr (…) Ohne massive Steuererhöhung würde es nicht gehen. Und die Folgen für die Wirtschaft wären kaum abzusehen.

    Dazu nur soviel:

    Was genau ist „Geld“? Und, weitaus interessantere Frage noch:

    Ist es für die Menschen da, oder ist es umgekehrt?
    Der letzte Absatz klingt reichlich zaghaft-resigniert:
    „Die Initianten glauben auch nicht ernsthaft an einen Sieg. Sie sind schon sehr Spinnerei oder nicht, Dabei gehört das Thema – auch wenn es die meisten (noch) als „Spinnerei“ abtun, angesichts obiger Argmente dringend aus der Versenkung geholt (und an prominenterer Stelle diskutiert).

  • Beständig ist nur die Erkenntniss dass sich das Volk gegen die tendenziöse Berichterstattung immer mehr wehrt wenn man sich die Auflage von Bild, Spiegel und Co. anschaut. Sie werden bald ihren Pressemüll nur noch gratis ans Kanzleramt liefern können denn die Leute werden es nicht mal zum anzünden ihres Kamins oder Grills kaufen.

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