Zum Jubiläums-Special von Handelsblatt Online

Mein Handelsblatt
Beständig ist nur der Wandel

Die erste Ausgabe des Handelsblatt wurde auf drei Schreibmaschinen geschrieben. 70 Jahre später erinnert sich unser Autor an eine aufregende Zeit – und blickt optimistisch in die Zukunft.
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DüsseldorfSchon der antike Philosoph Heraklit profitierte vom Fortschritt seiner Zeit. Souverän setzte er sich über herkömmliche Vorstellungen hinweg, durchdrang die Ordnung der Welt und musste seine Gedanken nicht mehr mühsam in Tontafeln ritzen, sondern konnte sie seit Kurzem flüssig auf Papyrus niederschreiben. Für antike Griechen war diese Innovation ähnlich epochal  wie für heutige Zeitgenossen der mediale Umbruch - Digitalisierung, Internet und Multimedia. Diese Revolution hat das Monopol des Papiers, Nachfolger des Papyrus, als Träger des geschriebenen Worts gebrochen. Heraklits 2.500 Jahre alte Erkenntnis wirkt aktueller denn je: „Nichts ist so beständig wie der Wandel.“

Das gilt auch für den Qualitätsjournalismus. Noch nie konnte er dank der Digitalisierung mit vergleichsweise geringen Produktionskosten so viele Menschen erreichen wie heute. Noch nie hatten aber auch die Leser so viele Möglichkeiten, ihrerseits Stellung zu journalistischen Inhalten zu nehmen. „Deshalb muss sich der Redakteur davon verabschieden, über dem Leser thronend seine  Botschaften zu verkünden“, sagt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart.  Gerade wegen der anonymen Hetze in den sozialen Netzwerken ist für ihn die Zukunft des Qualitätsjournalismus interaktiv-demokratisch.

Dennoch verlangen die neuen Techniken vom Journalisten nicht, technikbesessen zu sein. Der Journalist ist ja kein Ingenieur. Technik ist für ihn nur Mittel zum Zweck, Inhalte zu transportieren und Leser durch die Informationsflut zu navigieren. Nach wie vor kommt es  darauf an zu klären, wer was wann wo wie und warum entschieden beziehungsweise getan hat und welche Folgen das haben könnte. Nach wie vor müssen seriöse Medienhäuser auch auf dem Fundament eines Wertekanons stehen, um nicht dem flüchtigen Zeitgeist zu huldigen. Innovation braucht Tradition, Neuerung muss auf Erprobtem gründen.

Das Handelsblatt hat Heraklits Devise beherzigt, sich zu verändern, um zu bewahren, was es nicht verlieren will. In schnelllebigen Zeiten feiert das Handelsblatt jetzt auf dem hart umkämpften Markt der Wirtschaftspresse seinen 70. Geburtstag.  

Die erste Ausgabe vom 16. Mai 1946 war auf drei Schreibmaschinen geschrieben worden.  Unter widrigen Umständen: Das Besatzungsregime hatte zwar die Nazi-Diktatur abgelöst, nach wie vor aber herrschten materielle Not und Elend. Einen Zeitungsmarkt gab es nicht, Papier war knapp, die Zuteilung rationiert. In den oberen Etagen des kriegsbeschädigten Pressehauses am Düsseldorfer Martin-Luther-Platz residierte ein britischer Major – der Zensor der Militärregierung prüfte vor Erscheinen alle Texte darauf, ob sie gegen demokratische Grundsätze verstießen. Die Zensur endete erst im September 1949.

Kommentare zu " Mein Handelsblatt: Beständig ist nur der Wandel"

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  • Warum brauche ich die Auswahl zwischen 25 inhaltlich gleichen TV-Programmzeitschriften, wenn mir letztlich eine genügt?
    Sowas ist doch Wahnsinn!

  • Erstmal herzlichen Glückwunsch ans Handelsblatt für die bisherigen 70 Jahre!
    „Auflagen-Verluste der Magazine dramatischer denn je“
    Wenn der stern so weitermacht, ist er auch bald nur noch Geschichte und das absolut zurecht, Jörges sei Dank.
    Gilt für viele weitere Printerzeugnisse und Verlage. Sind ja eh alle im Eigentum der paar Großen, die den noch vorhandenen immer kleiner werdenden Markt unter sich aufteilen => Bertelsmann, Bauer, Burda, Holtzbrinck (verlegt das Handelsblatt), Springer, Gruner + Jahr, Medien-Union Schaub. Wenn man sich mal die Preise (zwischen 5 und 20 Euro) anschaut, welche zum größten Teil heute für die Printausgaben der Magazine und Sonderhefte aufgerufen werden, dann verzichte ich als möglicher Käufer gerne auf deren Nachfrage und den Kauf. Auch die Inhalte können nicht mehr überzeugen, da fast alle eh das gleiche voneinander klauen und abschreiben. Nennt sich dann politisch motivierter Journalismus. Nein, auf große Teile der aktuellen Printmedienlandschaft kann ich gut und gerne verzichten. Zu D-Mark Zeiten waren es mir die 3,50 D-Mark noch wert, ein Wochenmagazin käuflich zu erwerben. Seit sich aber die Preise mittlerweile innerhalb von nur 14 Jahren verdoppelt haben, sind mir diese Ausgaben schlicht und ergreifend zu teuer geworden. Das Internet ist für mich persönlich übrigens kein wirklicher Leseersatz zu den Printausgaben. Hinzu kommt eine Flut von Zeitschriftentiteln, die kein Mensch wirklich braucht. Ich frage mich oft, wie die Verlage diese Überproduktion finanzieren, da sich die Zeitschriften und Magazine immer mehr als Ladenhüter entpuppen.

  • @Caruso

    wie Sie sehen, wurde nun wegen "sachlich" gelöscht.......

    Einen "Grund", missliebige Meinungen zu löschen, findet sich eben immer.......

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