80 000 Menschen betroffen
China: Arsen vergiftet Trinkwasser

Ein undichtes Abwasserbecken in einem zentralchinesischen Chemiewerk hat das Trinkwasser für mindestens 80 000 Menschen mit Arsen vergiftet. Die Bevölkerung von Chengguang in der Provinz Hunan wurde eindringlich davor gewarnt, Leitungswasser zu trinken.

dpa PEKING. „Die Menschen sind besorgt„, schilderte am Sonntag ein Arbeiter die Situation telefonisch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Peking. „Viele kaufen große Mengen Trinkwasser in Geschäften. Andere gehen zu Bekannten in Nachbardörfer, die eigene Brunnen haben.“ Restaurants seien leer, weil sich die Menschen sorgten, ob das Wasser sicher sei.

Die Behörden hätten 18 Feuerwehrwagen entsandt, um die Bevölkerung mit sauberem Wasser zu versorgen, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Die Versorgung der Menschen sei „ausreichend“, versicherte eine Mitarbeiterin des zuständigen Informationsamtes. Nach Angaben des örtlichen Umweltamtes wurde die Verschmutzung am Freitag bei den täglichen Untersuchungen der Wasserqualität im Xinqiang-Fluss entdeckt. „Wir haben höhere Werte gefunden.“ Laut Xinhua lagen sie um ein Zehnfaches über dem zulässigen Standard. Die Behörden hätten Alarm geschlagen und einen Notfallplan umgesetzt.

Das Tieshan-Reservoir weiter flussaufwärts lasse seit Samstag mehr Wasser ab, um das Gift zu verdünnen und die Fließgeschwindigkeit des Flusses zu erhöhen. Die Behörden hätten die zusätzliche Nutzung von Grundwasser erlaubt, schrieb Xinhua. Verursacher der Verschmutzung sei 50 Kilometer flussaufwärts ein Chemiewerk in Linxiang gewesen, das nach dem Leck in dem Abwasserbecken stillgelegt worden sei.

Die Staatsagentur warnte in ihrem Bericht, Arsen sei hochgiftig, löse Unwohlsein, Erbrechen, Magenschmerzen sowie Muskelkrämpfe aus und könne bei schlimmen Vergiftungen zum Koma oder Tod führen. Die langfristige Aufnahme von Arsen führe zu Leberschäden, Nieren-, Lungen- oder Hautkrebs. Nach Schilderungen der Betroffenen wurden Schulen vorläufig geschlossen und die Kinder nach Hause geschickt.

Das Abwasserleck setzt die Serie von Chemieunfällen in China fort, die immer wieder Flüsse und die Trinkwasserversorgung großer Städte bedrohen. Seit der zunächst vertuschten Katastrophe auf dem Songhua-Strom in Nordostchina im vergangenen Herbst, als fast vier Millionen Einwohner der Metropole Harbin vier Tage ohne Wasser waren, machen Umweltbehörden solche Unfälle heute eher bekannt, weil ihnen sonst auch Konsequenzen drohen.

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