99-jährig verstorben
Philosoph Klibansky tot

Im Alter von 99 Jahren ist der Philosoph Raymond Klibansky, ein Schüler von Ernst Cassirer und Karl Jaspers, in Montréal gestorben.

HB MONTRÉAL. Klibansky war in Deutschland aufgewachsen und hatte in Heidelberg, Kiel und Hamburg studiert. Er emigrierte 1933 nach Großbritannien, setzte seine Studien in Oxford und London fort und nahm 1946 den Lehrstuhl für „Logik und Metaphysik“ an der McGill Universität in Montréal an. Eine Sprecherin der Hochschule bestätigte am Montagabend seinen Tod. Den Angaben zufolge starb Klibansky bereits am 5. August.

Der Sohn eines jüdisch-orthodoxen Weinhändlers wurde 1905 in Paris geboren und siedelte beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges in die Heimat seines deutschen Vaters über. Klibansky besuchte mit den Kindern von Thomas Mann und Max Weber in Frankfurt die Schule und war in ihren Familien zu Hause. Während seiner Studienzeit unterhielt er enge Kontakte zu Cassirer, dem Kulturhistoriker Aby Warburg und dem Romanisten Ernst Curtius.

Klibansky schuf sich mit Schriften über den Philosophen Nikolaus von Kues und den mittelalterlichen Mystiker Meister Eckhart einen Namen. Er untersuchte zusammen mit Erwin Panofsky und Fritz Saxl die Geschichte vom Begriff der Melancholie von der Antike bis zur Renaissance. Darüber hinaus schrieb er mehrere Bücher über Platons Werk und die platonische Tradition im Mittelalter. Als sein Verdienst gilt, die Philosophie bei der UN-Bildungsorganisation Unesco ins Spiel gebracht zu haben. Obwohl er seinen Lehrstuhl in Montréal fast drei Jahrzehnte ausfüllte, war Klibansky zu Gastprofessuren in aller Welt unterwegs, darunter in den 1970er Jahren in Teheran und Tokio.

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