Abergläubische Briten sind überzeugt: Auf der geplanten Verbindung von Charles und Camilla lastet Dianas Fluch
Die Pannenhochzeit von Windsor

Ein „gesundes Leben und viele Kinder“, wünscht der Absender des Telegramms. Kein Brite hat es abgeschickt, sondern der Bulgare Valcho Atanassov, an dessen Hochzeit Prinz Charles einst teilnahm. Die Landsleute des britischen Thronfolgers tun sich schwerer mit Glückwünschen für die Hochzeit des 56-Jährigen mit seiner ein Jahr älteren Langzeitpartnerin Camilla Parker Bowles. Für sie steht die für morgen geplante Trauung unter keinem guten Stern.

HB LONDON. Gestern beschrieben zwei Reporter des Boulevardblatts „Sun“, wie sie auf Schloss Windsor, wo die Zeremonie stattfindet, problemlos eine Bombenattrappe einschleusten. Und als der Wetterbericht für Samstag auch noch Eis und Hagel ankündigte, stand für abergläubische Briten endgültig fest: Bei der Pannenserie, die der Hochzeit vorausging, hat Prinzessin Diana ihre Hand im Spiel.

Der Fluch der Verstorbenen lastet über der Rivalin, die von Diana einst „Rottweiler“ getauft wurde. Seither hängt Camilla das Image an, für den Niedergang der Märchenprinzessin verantwortlich zu sein. Diana ist bei dieser Hochzeit der unsichtbare Gast. Und sollte alles doch noch klappen und Camilla das Standesamt als „Königliche Hoheit, Herzogin von Cornwall“ verlassen, werden glühende Diana-Anhänger die Fäuste in der Tasche ballen.

Denn den Titel „Königliche Hoheit“ hatte man Diana nach der Scheidung von Charles aberkannt. Dass Camilla ihn nun tragen soll und einmal sogar „Queen Camilla“ werden könnte, macht königstreue Briten wütend. Michael Thornton etwa, ein Autor, der sich in der „Daily Mail“ als „feuriger Monarchist und herausragender königlicher Biograph“ beschrieb, meldete sich bei der Königin als loyaler Untertan ab. „Tut mir leid, Ma’am, nun glaube ich, dass sich das Haus Windsor selbst überlebt hat.“

Seit der „Daily Star“ über die Hochzeitsankündigung mit der Schlagzeile „Boring Old Gits to Wed“ (etwa „Langweilige alte Knacker heiraten“) berichtete, überschlagen sich die Zeitungen in der Negativberichterstattung. Anlässe gab es genug. Die Verschiebung der Hochzeit wegen der Beerdigung des Papstes etwa – und die daraufhin nötige Verschiebung des „Grand-National“-Pferderennens um 25 Minuten. Das traditionelle Hindernisrennen in Aintree ist nicht nur für die Queen die größere Attraktion. Rund 18 Millionen Briten wollen das Rennen ansehen, weniger als die Hälfte zeigen Interesse an der Hochzeit. Als Charles im Juli 1981 Diana heiratete, schauten weltweit 750 Millionen Menschen zu.

Umstritten ist die Hochzeit auch deshalb, weil sie auf dem Standesamt stattfindet. Die 20-minütige Zeremonie im Ascot Saal des Zunfthauses, geleitet von der 45-jährigen (geschiedenen) Standesbeamtin Clair Williams, ist der Hauptakt, nicht der 50-minütige Gottesdienst, den der (gut verheiratete) Erzbischof von Canterbury in der St. George’s Kapelle des Schlosses zelebriert, wo der mehrfach geschiedene Heinrich VIII. begraben liegt.

Mit der standesamtlichen Trauung verstößt Charles gegen die strengen Regeln der Church of England, deren weltliches Oberhaupt er als Monarch einmal werden soll. So streng ist der Vorbehalt, dass sich die Queen als Oberhaupt der Staatskirche noch nie zur Teilnahme an einer Zivilhochzeit durchringen konnte – auch nicht bei ihrem ältesten Sohn. Kirchenfürsten und Verfassungsrechtler zerbrechen sich weiter den Kopf über den kühnen Akt. Vielen wäre lieber gewesen, wenn Charles schon aus Verfassungsgründen weiterhin mit Camilla in Sünde gelebt hätte. Aber Camilla, von Charles kategorisch als „unverhandelbar“ bezeichnet, bedrohte die Thronfolge als Mätresse mit unklarem Status noch mehr als nun durch die Eheschließung.

Wenn am Samstag alles vorbei ist, wenn der Chor „Nun kommt der Heiden Heiland“ gesungen hat, wenn Hochzeitsgäste und TV-Zuschauer einen Blick auf das Grand National geworfen haben, beginnt für alle eine neue Wirklichkeit. Dann bleibt keine andere Wahl, als sich mit der neuen Herzogin von Cornwall vertraut zu machen. Camilla wird aus dem Schatten heraustreten, Charles hat eine richtige Frau – und vielleicht erkennen die Briten dann doch noch den zeitgemäßen Charme dieser Liebesgeschichte zweier Mittfünfziger.

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