Abgeordnete wollen Terri Schiavo nicht sterben lassen
Streit um Patientin im Koma spaltet USA

Der Streit darüber, ob eine seit 15 Jahren im Koma liegende Frau weiter künstlich ernährt werden soll oder nicht, schlägt in den USA immer höhere politische Wellen. 24 Stunden nach dem Beschluss von Medizinern in Florida, die Magensonde aus dem Körper der 41-jährigen Terri Schiavo zu entfernen, kamen die Abgeordneten des Repräsentantenhauses gestern Abend zu einer Sondersitzung zusammen.

HB WASHINGTON. Die Republikaner der Parlamentskammer wollen per Gesetz erreichen, dass ein Bundesrichter darüber befindet, ob das Absetzen der künstlichen Ernährung gegen die Verfassungsrechte der Koma-Patientin verstößt.

Nach der Entscheidung, mit der spätestens für den heutigen Montag gerechnet wird, wollte sich der Senat damit befassen. Präsident George W. Bush flog bereits gestern von seiner Ranch in Texas nach Washington. Er wolle das Gesetz zu Gunsten einer Prüfung durch einen Bundesrichter sofort unterzeichnen, hieß es. „Es geht darum, Leben zu verteidigen“, sagte Regierungssprecher Scott Mc-Clellan.

Die Angelegenheit könnte zu einem Test dafür werden, wie stark christlich-konservative Gruppen in Washington Gehör finden. Auf Grund einer massiven Lobbyarbeit hatten diese Kreise bereits dafür gesorgt, dass die US-Medien breit über das Schicksal von Schiavo berichteten. Nach Angaben der „Washington Post" haben republikanische Führer ein Memo an die Senatoren ihrer Partei verschickt, in dem der Fall als „großes politisches Thema" und „schwierige Sache" für die oppositionellen Demokraten bezeichnet wurde. Präsident Bush hatte seinen Wahlkampf im vergangenen Jahr mit einer Kampagne gegen Abtreibung und für konservative Werte geführt.

Am Freitag hatten die Ärzte im Woodside-Hospiz in Pinellas Park in Florida die Magensonde entfernt, über die Terri Schiavo künstlich ernährt wurde. Ihr Ehemann Michael hatte einen dementsprechenden Antrag gestellt und von einem Gericht in Florida Recht bekommen. Nach Angaben von Experten dürfte die Frau ohne künstliche Ernährung innerhalb von zwei Wochen sterben.

Schiavos Ehemann hatte sich ge-gen die lebensverlängernden Maß-nahmen eingesetzt und argumentiert, seine Frau hätte nicht gewollt, in ihrem Zustand auf Dauer künstlich am Leben erhalten zu werden. Die Patientin war im Alter von 26 Jahren nach einem Herzinfarkt ins Koma gefallen und hatte keine schriftliche Erklärung über eventuelle Sterbehilfe hinterlassen. „Lasst meine Frau in Ruhe“, sagte Schiavis Ehemann in einem Fernsehinterview.

Michael Schiavo streitet seit fast sieben Jahren mit seinen streng katholischen Schwiegereltern um das Leben der Koma-Patientin. Er hatte bereits in den Jahren 2001 und 2003 eine Einstellung der künstlichen Ernährung erreicht, in beiden Fällen wurde jedoch die Magensonde auf richterliche Anordnung nach wenigen Tagen wieder eingesetzt.

Die Eltern von Terri Schiavo setzen auch jetzt wieder alle Hebel in Bewegung, um ihre Tochter am Leben zu erhalten. Manchmal reagiere die Koma-Patientin auf Ansprache, betonte ihre Mutter Mary Schindler. „Wir lachen zusammen, wir weinen zusammen, wir lächeln zusammen, wird reden zusammen", unterstrich Schindler. Zuletzt hatte die Mutter direkt an Präsident Bush appelliert, ihre Tochter nicht sterben zu lassen. Sie wird dabei vom Gouverneur von Florida, dem Präsidenten-Bruder Jeb Bush, und dem katholischen Kardinal Renato Martino unterstützt.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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