Abgespeckter Gottschalk
Über 13 Millionen sahen «Wetten, dass...?»

Bei hoher Prominentendichte erreichte «Wetten, dass ...?»-Moderator Thomas Gottschalk gewohnt wechselhaftes Niveau. Wettkönig wurde ein Mensch mit starken Beinen.

HB BERLIN. Film-Dickerchen Renée Zellweger, Lippen-Wunder Angelina Jolie, Frauenschwarm Colin Farrell, die Fußball-Idole Franz Beckenbauer und Pelé – über mangelnde Prominenz auf seiner Wettcouch konnte sich Thomas Gottschalk auch in seiner 151. «Wetten, dass ...?»-Sendung am Samstagabend nicht beklagen.Auch die Showbühne war hochkarätig besetzt: Tina Turner, Destiny’s Child, Seal und Elton John verausgabten sich zum Playback. Dieter Nuhr steuerte Komödiantisches bei.

Über weite Strecken mochte der Funke aber nicht richtig überspringen. Eine grandiose Ausnahme machte die außer Konkurrenz laufende Kinderwette von Achim Kustermann. Der 7-Jährige, von Geburt an blind, wettete, dass er 100 Telefonnummern und die dazugehörigen Teilnehmer anhand der Wahltöne eines Telefons erkennen würde. Bravourös zog er seine Wette durch und verblüffte durch seine Schlagfertigkeit, als er Gottschalk darauf hinwies, dass dieser beim Wählen eine Ziffer vergessen hatte.

Die anderen Wetten, sie waren nach der Art «ging so»: Ein junger Mann, der - sich nur mit den Beinen abstützend - einen Schacht hinaufklettert, Fußballfans, die andere am rhythmischen Klatschen erkennen, ein Motorradfahrer, der mit einer Wippe einen Basketball in den Korb zu spielen versucht und dabei scheitert. Auch die lustigste Wette des Abends ging daneben: Ein junger Mann ohne Berührungsängste versuchte, ein über den Kopf gestülptes Kondom mit der Nase aufzublasen und anschließend einen mit dem Präservativ in die Höhe gepumpten Hut auf einen Garderobenständer abzulegen.

Zum Wettkönig kürte das Publikum mit 77 Prozent der Stimmen Matthias Ludwig, den Schachtkletterer, der sich nur auf die Kraft seiner Beine verließ. Er stieg mit einem Tablett in Händen fünf Meter einen engen Schacht in die Höhe und schenkte schließlich auch noch aus einer Flasche ein Glas Wasser ein.

Und Gottschalk? Der Moderator, der es auch mit dicker Schminke nicht mehr schafft, seine 54 Jahre zu verbergen, hatte extra für die Samstagabend-Show in Leipzig abgespeckt. Gummibärchen waren tagelang verboten: «Dreieinhalb Kilo habe ich mir abgehungert», verriet Tommy seinen Gästen und dem Leipziger Publikum. Der Grund für die Crash-Hungerkur: Der eigens für ihn gemachte Schlangenmuster-Showanzug war zu eng. Notfalls wolle er dann eben nur im Stehen moderieren, hatte er für den Fall angekündigt, dass der Anzug auch nach dem Süßigkeiten-Verzicht noch zu stramm sitze. Der Notfall trat nicht ein.

Dafür verlor Schlangenmensch Gottschalk die Saalwette und – was für ein Aufwand! – musste sich am Sonntagvormittag zwei Stunden als Taxifahrer verdingen. In Anspielung auf die gescheiterte Olympiabewerbung der Stadt hatte er gewettet, dass es nicht möglich sein werde, die Vertreter von 28 olympischen Disziplinen mitsamt ihren Sportgeräten in der Leipziger Innenstadt zu versammeln. Wie selbstverständlich machen sich nach einer solchen Wette inzwischen hunderte Menschen auf, um das Gegenteil zu beweisen.

Ähnlich gewagt und einfallsreich auch die Wetteinsätze der Promi-Kandidaten: Wenn Jolie und Farrell sich Schlangen um den Hals legen, dann halten sich die über den Rücken laufenden Schauer jedenfalls in engen Grenzen.

In einem seiner Interviews stellte Gottschalk fest, dass das Niveau der deutschen Fernsehunterhaltung nicht unbedingt auf dem Weg nach oben ist. Doch auch er selbst ist ein Meister der Geschmacklosigkeit: Nachdem Gaststar Tina Turner ihren Titel «Open Arms» präsentiert hatte, kalauerte Gottschalk mühelos unter jede Geschmacksgrenze: «In ihrem Alter sprechen andere Frauen von offenen Beinen.»

Den Zuschauern gefiel es, trotzdem oder gerade deswegen: Wie das ZDF mitteilte, schalteten 13,27 Millionen ein und bescherten dem Sender eine Quote von 43,6 Prozent.

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