Abhörprotokolle
Staatsflugzeuge für Berlusconis Partys

Die Liste der Vorwürfe gegen Silvio Berlusconi wird immer länger. Mit offiziellen Flugzeugen der Regierung sollen Prostituierte zu seinen Feiern gekommen sein. Italienische Medien veröffentlichten die Prahlereien des Ministerpräsidenten.
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Neue peinliche Enthüllungen aus abgehörten Telefonaten haben Silvio Berlusconi weiter unter Druck gesetzt. Oppositionspolitiker forderten Aufklärung darüber, ob der italienische Ministerpräsident tatsächlich Prostituierte in Regierungsflugzeugen zu seinen Privatpartys eingeflogen habe. Die eigene Partei stärkte dem Regierungschef aber den Rücken. Berlusconi habe nicht den Wunsch, zurückzutreten, sagte dessen Parteifreund und potenzieller Nachfolger Angelino Alfano heute bei einer Kundgebung in Norditalien. Seine Partei Volk der Freiheit (PDL) unterstütze ihn weiterhin.

Den gestern veröffentlichten Mitschriften zufolge prahlte Berlusconi damit, in einer Nacht „nur mit acht Frauen“ geschlafen zu haben, als elf vor seiner Zimmertür Schlange gestanden hätten. Zudem habe er zu einer regelmäßigen Besucherin seiner Partys gesagt: „In meiner Freizeit bin ich Regierungschef.“ Die Mitschriften der Gespräche stammen aus den Ermittlungen gegen den inzwischen festgenommenen Geschäftsmann Gianpaolo Tarantini, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frauen für Sex mit Berlusconi bezahlt haben soll. Sie wurden von mehreren italienischen Zeitungen abgedruckt.

Laut „La Repubblica“ sagte Berlusconi, der in Kürze 75 Jahre alt wird, Anfang 2009 zu Tarantini über die fragliche Nacht: „Ich habe es nur mit acht (von elf Frauen) getrieben, weil ich nicht mehr konnte. (...) Du kannst es nicht mit allen treiben.“ Am nächsten Morgen habe er sich gut gefühlt und sei zufrieden gewesen.

Die Zeitung „Corriere della Sera“ druckte vier volle Seiten der Abschriften des Telefongesprächs ab. Die härteren und vulgäreren Passagen seien allerdings ausgelassen worden, schrieb das Blatt. Die Zeitung zitiert unter anderem aus einem Telefongespräch zwischen Berlusconi und Tarantini, in dem die beiden angeblich vereinbaren, dass der Geschäftsmann und mehrere der Frauen in Berlusconis Maschine von Rom nach Mailand mitfliegen könnten.

In einem Gespräch habe Berlusconi damit angegeben, dass bei einer seiner Partys zwei wichtige Fernsehmanager zu Gast seien. „Dann bekommen die Mädchen eine Vorstellung davon, dass sie zwei Männer vor sich haben, die über ihr Schicksal entscheiden können“, sagte Berlusconi laut Mitschrift. Er nannte die Manager „zwei kleine alte Männer, die aber viel Macht haben“. Eine Journalistin und eine weitere Fernsehmitarbeiterin bezeichnet er als „zwei kleine Mädchen“.

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