Ablauf des Unglücks unklar
Zug zerfetzt deutschen Bus in Ungarn - 31 Tote

Beim Zusammenstoß eines deutschen Touristenbusses mit einem Zug in Ungarn sind am Donnerstag mindestens 31 Menschen getötet und 50 teilweise schwer verletzt worden. Der vor allem mit Touristen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein besetzte Bus wurde nach Angaben der ungarischen Nachrichtenagentur MTI auf einem Bahnübergang am Plattensee (Balaton) von dem Zug vollständig zerfetzt. „Es bietet sich ein Bild des Schreckens“, sagte ein Polizeisprecher.

dpa/rtr BUDAPEST. Der Bus war kurz vor 9 Uhr in Siofok wegen eines Staus auf einem Bahnübergang zum Stehen gekommen. Helfern boten sich Szenen des Schreckens. Die ungarischen Einsatzkräfte bargen noch Stunden nach dem Unglück die Leichen und reihten sie zur Identifizierung am Straßenrand auf. „Es ist ein trauriges Bild“, sagte ein Augenzeuge. Dutzende Helfer, Hubschrauber und mehr als 30 Fahrzeuge der Feuerwehr waren am Unglücksort im Einsatz. Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht.

Der genaue Ablauf des Unglücks war zunächst unklar. Das Fahrzeug des Busunternehmens Ursel-Reisen im westfälischen Löhne war in der Mitte auseinander gerissen worden, der Zug entgleiste. Der Bus hatte nach Angaben von Behörden und Augenzeugen freien Zugang über den Bahnübergang und musste dann wegen eines Staus anhalten. Die Ungarische Eisenbahngesellschaft MAV erklärte dagegen, der Busfahrer habe am Bahnübergang die rote Ampel missachtet. Der herankommende Zug konnte nach Angaben von MTI nicht bremsen und schleifte den Reisebus gut 150 Meter mit. Dabei wurde das Fahrzeug in zwei Teile zerrissen.

Die Ungarn-Touristen hatten bei dem kleinen niedersächsischen Veranstalter Maxim Reisen in Emstek bei Cloppenburg in Niedersachsen gebucht. Der Bus wurde bei dem Busunternehmen Ursel-Reisen im ostwestfälischen Löhne gechartert. Das bestätigten beide Firmen. Näheres zu dem Unfall sei ihr noch nicht bekannt, sagte die Chefin von Ursel-Reisen. Bei den Insassen handele es sich wohl um ein vom Alter her „gemischtes Publikum“. Nach Angaben der Polizei in Emstek kamen die Teilnehmer der Reise aus mehreren norddeutschen Städten, unter anderem Flensburg, Kiel, Diepholz und Osterholz. Der Bus war auf einem Tagesausflug - einer Rundfahrt. Der ungarische Innenstaatssekretär Tibor Pal erklärte, an Bord hätten sich 38 Passagiere befunden.

Die deutsche Botschaft in Budapest richtete sofort einen Krisenstab ein. Botschafter Wilfried Gruber sei mit zwei Mitarbeitern auf dem Weg zu der Unglücksstelle, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Es werde ständig Kontakt zu den ungarischen Behörden und dem Lagezentrum des Auswärtigen Amts in Berlin gehalten. Alle 31 Tote stammen aus dem Bus. Es ist deshalb äußerst wahrscheinlich, dass viele Deutsche unter den Opfern sind. Der Lokführer des Zugs wurde verletzt. Eine Bestätigung über die Nationalität der Toten gab es zunächst nicht.

Der Plattensee in Ungarn ist seit vielen Jahren ein beliebtes Urlaubsziel und zieht jährlich Hunderttausende von Touristen, darunter viele Deutsche, an. Mit einer Oberfläche von fast 600 Quadratkilometern ist der Plattensee einer der größten Binnenseen Europas. Siofok liegt am Südufer des Sees.

Bereits am 26. September 1992 hatte es in Ungarn ein schweres Busunglück mit Deutschen gegeben. 16 meist ältere Urlauber aus Bayern waren in ihrem Bus auf einem Bahnübergang in Agard bei Budapest von einer 80 Tonnen schweren Lok zerquetscht worden.

Das Auswärtige Amt hat eine Hotline für die Angehörigen der Opfer des Busunglücks eingerichtet. Die Telefonnummer lautet: 030 - 5000 - 1000.

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