Abschlussbericht der BFU
Technisches und menschliches Versagen führten zum Absturz

Eine Verkettung aus technischen Mängeln und menschlichen Fehlern bei der Schweizer Flugsicherung Skyguide und in der russischen Unglücksmaschine hat zu dem Flugzeugabsturz am Bodensee geführt, bei dem vor zwei Jahren 71 Menschen ums Leben gekommen waren.

HB BRAUNSCHWEIG/HANNOVER. Das geht aus dem am Mittwoch in Braunschweig veröffentlichten Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hervor.

Die Flugsicherung Skyguide zeigte sich bestürzt über das Versagen ihres Sicherheitssystems in der Unfallnacht und bat die Familien der Opfer um Verzeihung. Dem 123 Seiten langen Bericht zufolge hatte Skyguide seit Jahren geduldet, dass nur ein Lotse in der verkehrsarmen Nachtzeit im Kontrollraum arbeitet. Es müssten aber mindestens zwei Lotsen im Arbeitsraum anwesend sein, forderten die BFU-Experten. Außerdem war das Skyguide-Warnsystem in der Unglücksnacht ohne Wissen des Lotsen wegen technischer Arbeiten nur zum Teil funktionsfähig. Am 1. Juli 2002 war eine Tupolew aus der russischen Teilrepublik Baschkirien mit einer Fracht-Boeing des Kurierdienstes DHL in elf Kilometern Höhe zusammengeprallt.

Die Hinterbliebenen forderten eine angemessene Entschädigung. Die Angehörige einiger Opfern wollen Entschädigungsklagen in den USA einreichen, teilte die Anwaltskanzlei von Michael Witti in Berlin mit. So basiere etwa die mangelnde Kommunikationsmöglichkeit am Unglücksabend auf einem Produktfehler eines amerikanischen Herstellers. Auch das aus den USA stammende Kollisionswarnsystem TCAS war laut BFU zum Zeitpunkt des Unfalls noch nicht voll in den internationalen Luftverkehr integriert gewesen.

In der Unglücksnacht war sich der Lotse wegen eines nicht laufenden Warnprogramms der drohenden Gefahr nicht bewusst - und gab der russischen Tupolew die Anweisung zum Sinkflug, die der Pilot ausführte. Im Cockpit hätte dieser jedoch dem TCAS-System folgen sollen, das ihn zum Steigen aufforderte. „Damit hätte der Unfall sicher vermieden werden können“, sagte BFU-Untersuchungsleiter Jörg Schöneberg. Denn das TCAS-Gerät hatte der Boeing parallel einen Sinkflug vorgegeben. Nach TCAS wären dann beide Maschinen sicher übereinander hinweg geflogen.

Die zum Unglückszeitpunkt gültigen Vorschriften für das TCAS seien teilweise lückenhaft und missverständlich gewesen, heißt es weiter. „Zu allen Ursachen gibt es Einflussfaktoren, die die Sachlage zusätzlich erschwert haben“, sagte Schöneberg weiter. Durch die technischen Arbeiten waren zum Beispiel die Telefonleitungen gestört. Ein Lotse aus Karlsruhe, der die Katastrophe auf seinem Bildschirm kommen sah, hatte elf Mal vergeblich versucht, mit seinem Zürcher Kollegen Kontakt aufzunehmen.

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