Absturz über dem Sinai
Russischer Airbus brach in der Luft auseinander

In Russland herrscht nach dem Absturz eines voll besetzten Urlaubsfliegers über dem Sinai Staatstrauer. Experten untersuchen die Tragödie und haben erste Erkenntnisse. An einen Abschuss durch IS-Terroristen glauben sie nicht.

Russland trauert: Nach dem Absturz eines russischen Passagierflugzeugs in Ägypten hat der Kreml den Sonntag zum landesweiten Tag der Trauer erklärt. Fernsehstationen und Radiosender wollten weitgehend auf Unterhaltungssendungen verzichten. Die orthodoxe Kirche sowie Moscheen und Synagogen haben Gottesdienste organisiert. Behörden sagten Festveranstaltungen ab. Auf dem St. Petersburger Flughafen Pulkowo richtete das Katastrophenschutzministerium einen Krisenstab ein. Etwa 100 Angehörige der Opfer seien in einem Hotel am Airport untergebracht, sagte ein Behördensprecher. Dutzende Psychologen und Ärzte würden die Hinterbliebenen betreuen.

Einige der Trauernden legten am Flughafen Papierflieger und Spielzeug nieder, darunter zahlreiche Teddys und andere Stofftiere. 25 Kinder waren an Bord der Chartermaschine der russischen Fluggesellschaft Metrojet gewesen. Beim Absturz des voll besetzten Urlaubsfliegers auf der Sinai-Halbinsel wurden insgesamt 224 Menschen getötet. Der Airbus war kurz nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich am Samstag vom Radar verschwunden. Die meisten Fluggäste der Maschine nach St. Petersburg waren russische Urlauber.

Die ägyptischen Sicherheitskräfte weiteten am Sonntag ihre Suche nach weiteren Todesopfern aus. Ein an den Bergungsarbeiten beteiligter Militäroffizier sagte der Nachrichtenagentur AFP, bislang seien 163 Leichen gefunden worden. Weil sogar noch in acht Kilometern Entfernung die Leiche eines Kindes gefunden worden sei, werde die Suche nach sterblichen Überresten nun auf einen Umkreis von 15 Kilometern um die Absturzstelle ausgedehnt. Erste sterbliche Überreste der 224 Opfer sollen spätestens an diesem Montag nach St. Petersburg gebracht werden. Eine erste Maschine könne in der Nacht aus Kairo losfliegen, sagte Wladimir Stepanow vom Katastrophenschutzministerium in Moskau.

Aus Russland flogen unterdessen eigene Ermittler nach Ägypten, darunter auch Verkehrsminister Maxim Sokolow. Am Sonntagnachmittag bereits meldeten die erste Erkenntnisse: Das Flugzeug sei schon in der Luft auseinandergebrochen. Die Trümmer des Airbus seien anschließend über ein weites Gebiet zerstreut worden, sagte Viktor Sorotschenko vom russischen Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitee (MAK) laut der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Es sei aber noch „zu früh, um Schlüsse zu ziehen“.

Weiteren Aufschluss über die Absturzursache erhoffen sich die russischen und ägyptischen Behörden vor allem von den inzwischen gefundenen Flugschreibern. Im Flugdatenschreiber werden in der Regel die Flugdaten der letzten 25 Stunden aufgezeichnet – von der Flughöhe über die Geschwindigkeit und den Kurs bis zu Angaben zu den Triebwerken. Im Stimmenrekorder werden dagegen mindestens die letzte halbe Stunde des Funkverkehrs der Piloten, ihre Gespräche untereinander und alle Geräusche im Cockpit und an Bord gespeichert.

Damit die Datenträger einen Absturz, hohe Temperaturen und hohen Wasserdruck überstehen, sind sie durch eine Stahlummantelung geschützt. Um die Geräte nach einem Unglück leichter zu finden, senden sie akustische Signale aus. Im Fall des Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Kogalimawija dürfte die Auswertung relativ bald Aufschluss darüber geben, ob die Maschine beispielsweise von einer Rakete getroffen wurde oder möglicherweise jemand ins Cockpit eindrang.

Die russische Justiz hat nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs in Ägypten nach eigenen Angaben keine Hinweise auf Unregelmäßigen bei der Besatzung oder dem verwendeten Treibstoff des Airbus A-321. „Die Piloten und Stewards sind vor dem Start in Scharm el Scheich medizinisch geprüft und für flugtauglich erklärt worden“, sagte Behördensprecherin Maja Iwanowa am Sonntag der Agentur Interfax.

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